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Singend und lesend in den Abend begleiten

Diakonin und Mitbegründerin Ruth Berger (l.) zusammen mit der Ehrenamtlichen Margot Voigt vor der Pflegeeinrichtung „Bethanien“. Foto: Tarik Dulich

Das „Bethanien“ bietet seit drei Jahren ein ganz besonderes Besuchsprojekt an.

Von Tarik Dulich und Birgit Wiefel, 09.05.2018.

Braunschweig. Einmal in der Woche kommt Margot Vogt abends in das Pflegezentrum Bethanien an der Helmstedter Straße. Die pensionierte Verwaltungsfachangestellte hatte zehn Jahre lang ihren kranken Mann zu Hause gepflegt. Jetzt begleitet sie besonders pflegebedürftige Menschen durch den Abend

. „Als ich damals meinen Mann pflegte, ist mir aufgefallen, dass viele meiner Bekannten kaum noch Zeit für uns hatten, um vielleicht auf ein Gespräch mal vorbeizukommen“, erzählt Vogt. „Darum wollte ich mich jetzt hier einbringen.“

Einfach „da“ sein

Seit fast drei Jahren bietet das Pflegezentrum Bethanien am Marienstift das Projekt „Abend wird es wieder“ für Ehrenamtliche an. Margot Vogt war in einer Zeitung über den Hinweis gestolpert und gleich beim nächsten Infoabend erschienen. Mit Singen, Vorlesen, Erzählen, oder einfach nur „da“ sein, begleiten die sich meist selbst im Ruhestand befindlichen Ehrenamtlichen die Bewohner, um mit ihnen den Übergang vom Tag in die Nacht zu erleben.
„Besonders für jene, die keinen Besuch bekommen, weil die Angehörigen sie nicht besuchen wollen, oder können, ist das natürlich etwas Gutes“, sagt die leitende Diakonin und Seelsorgerin Ruth Berger, die das Projekt mit ins Leben gerufen hat. „Am Abend werden viele ältere Leute nachdenklich und wollen dann auch gerne noch mal jemanden zum Reden haben“.
Angefangen hat das Projekt am 14. Juli 2014. Damals hatte das Pflegezentrum 200 Bewohner. „Mir wurde schnell klar, dass wir uns nicht um jeden Bewohner intensiv seelisch kümmern können“, sagt Berger mit Blick auf den akuten Fachkräftemangel in der Altenpflege.
Und doch sei gerade das besonders wichtig. „Menschen mit nur wenig Anbindungen an die Außenwelt brauchen das Gefühl, dass jemand da ist und sich für sie interessiert“, betont Berger. Manchmal reiche da schon die pure Anwesenheit eines Menschen aus.

Ehrenamtliche gesucht

Das Pflegezentrum hat mittlerweile fünf ehrenamtliche Begleiter, sucht aber noch Unterstützung. Margot Voigt zumindest möchte das Amt nicht mehr missen: „Es tut einfach gut, die Dankbarkeit der Menschen zu erleben“, erzählt sie und erinnert sich an eine Szene, die sie besonders bewegte: „Ich besuchte eine Zeit lang immer eine ältere Dame, die einst aus dem Riesengebirge geflohen war“, erzählt Voigt. „Da habe ich ihr ein altes Lied aus der Heimat vorgesungen, was ich mal gehört hatte. Daraufhin bekam sie vor Rührung Tränen in den Augen.“

Service:

Begleitung: Die Ehrenamtlichen können einen einzigen Bewohner betreuen oder aber auch eine komplette Station begleiten.

Vorbereitung: Die Ehrenamtlichen werden in Vorbereitungstreffen, begleitendem Erfahrungsaustausch und Fortbildungen für ihre Aufgabe geschult. Sie erhalten außerdem einen Versicherungsschutz und eine Fahrtkostenerstattung.

Kontakt: Diakonin Ruth Berger: Tel. 0531/7011409
E-mail: r.berger@marienstift-braunschweig.de.
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