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Siegfried Pokern ist vermutlich auf seiner Bergtour verunglückt

Von Birte Probst

Braunschweig. „Er ist der Sonnenschein der Familie, er liebt die Musik und er liebt die Berge“, sagt Siegfried Pokerns Mutter im
Telefongespräch mit der nB über ihren Sohn. Seit drei Wochen wird der Opernsänger aus Braunschweig vermisst. Ein Absturz in den Bergen? Die Polizei geht davon aus, dass er nicht mehr am Leben ist.


Mehrere Tage lang hatten Bergwacht, Bergrettung und Alpinpolizei im Grenzgebirge der Ammergauer Alpen nach Siegfried Pokern gesucht – ohne Erfolg. Von dem 31-Jährigen fehlt jede Spur. „Wir müssen von einem Todesfall ausgehen“, sagt ein Sprecher der Polizeidirektion Weilheim auf Anfrage der nB.
Pokern habe am Sonnabendfrüh des 15. März seine Ferienwohnung in Mittenwald, Landkreis Garmisch-Partenkirchen, zu einer Bergtour verlassen und sei auch am nächsten Tag nicht zurückgekehrt.
Der Opernsänger machte allein Urlaub, er gilt als begeisterter und erfahrener Bergwanderer. „Er ist ein Mensch, der die Einsamkeit sucht“, sagt seine Mutter, „er hat schon 4000er-Berge bestiegen, für diesen Tag hatte er sich extra eine einfache Route ausgesucht, weil es schneite.“
Als er sich nicht mehr meldete, hatten Pokerns Ehefrau und seine Schwester eine Suchanzeige aufgegeben.
Wenige Tage nach seinem Verschwinden wurde schließlich sein Opel mit Braunschweiger Kennzeichen auf dem Bahnhofs-Parkplatz im österreichischen Bichlbach entdeckt.
Ein Anhaltspunkt. Die deutschen und die österreichischen Beamten gehen davon aus, dass sich Pokern vom Bahnhof aus zu einer Bergwanderung aufgemacht hat. Hinweise sind ein Anorak und eine Berghose, die er trug. Zudem war er mit einem Rucksack und Teleskopstöcken ausgerüstet.
Unklar ist, in welches Gebiet Pokern gewandert ist. „Es gibt sehr viele Routen“, sagt ein Polizeisprecher im österreichischen Seefeld. Das Gelände der Ammergauer Alpen sei steil und bergig, es gebe viele Felsspalten.
Wäre Pokern zum Beispiel zusammengebrochen, hätten andere Wanderer ihn gefunden, ist sich der Sprecher sicher. Er geht von einem Unfall aus, vielleicht sei Pokern im Gebirge abgestürzt.
Selbst die Suche mit einem Hubschrauber blieb erfolglos, sie wurde eingestellt. „Sollte es neue Hinweise geben, werden wir weitersuchen“, heißt es.
Starker Schneefall zur Zeit von Pokerns Verschwinden erschwere die Suche. Zum einen sei es für die Helfer gefährlich weiterzuarbeiten, zum anderen könne nicht ausgeschlossen werden, dass sich der Vermisste unter meterdickem Schnee befinde. Auch eine Lawine sei möglich, so die Polizei. Im Frühjahr, wenn der Schnee geschmolzen ist, geht die Suche weiter.
Ein mutwilliges Verschwinden Pokerns schließt die Polizei aus. „Die Ferienwohnung war so hinterlassen, als käme der Vermisste bald zurück.“ Nachforschungen hätten zudem ergeben, dass er nicht mit dem Zug von Bichlbach abgefahren sei.
Für die Familie, sagt die Mutter, sei der Verlust unerträglich. Pokern wohnt mit seiner Frau in Braunschweig. Auch das Staatstheater zeigt sich betroffen. Der Opernsänger ist seit 2002 Ensemble-Mitglied, er singt in „Die Liebe zu den drei Orangen“, „Die Csárdásfürstin“, „La Traviata“ und „Der Rosenkavalier“. Vorerst übernehmen Gastsänger seine Rollen.
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