Anzeige

Seine Nähe bewirkt Wunder

Der neue vierbeinige Kollege hat alle Herzen im Sturm erobert. Der Chefarzt der Kinderklinik, Dr. Hans Georg Koch, Oberärztin Dr. Antje Mey, Ausbilder Ulrich Zander und Fördervereinsvorsitzende Christine Wolnik freuen sich, dass er da ist. Foto: Marion Korth
Braunschweig: Klinikum Braunschweig |

Erster vierbeiniger Mitarbeiter im Klinikum – Therapiehund Nox beruhigt kranke Kinder.

Von Marion Korth, 09.05.2015.

Braunschweig. Stillliegen kann ganz schön anstrengend sein, für kranke Kinder und für einen quirligen Boarder Collie wie Nox. Der ist alles andere als eine Schlaftablette, trotzdem hat er als professioneller „Stilllieger“ eine Festanstellung im Städtischen Klinikum bekommen. Ein eigener Klinikhund, das ist bundesweit schon etwas Besonderes.

Auf Kommando kommt Nox einfach mit ins Bett. „Es beruhigt, in sein kuschliges Fell greifen zu können“, sagt Oberärztin Dr. Antje Mey. Die jungen Patienten in der neuropädiatrischen Ambulanz der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin dürfen sich nicht bewegen, wenn ein EEG (Elektroenzephalografie) abgeleitet wird, sonst kann sie die Messdaten vergessen. Kinder mit Epilepsie oder dem Verdacht darauf sind ihre Patienten. Die bloße Anwesenheit des Hundes wirkt Wunder. Anspannung und Angst weichen, stattdessen wächst Vertrauen. Kinder, deren Spannung sich sonst in einem nicht enden wollenden Redefluss gelöst hat, schweigen plötzlich, sind ganz auf den Hund konzentriert.
All die negativen Schwingungen der jungen Patienten lösen sich nicht in Luft auf, Nox spürt sie, aber er reagiert nicht seinerseits mit übermäßigem Stress darauf. Dazuliegen, bleibt dennoch harte Arbeit. „Es ist ganz wichtig, dass er zwischendurch Pausen bekommt, auch Hunde können ein Burn-out erleiden“, sagt Hundetrainer Ulrich Zander. Nox ist ein Naturtalent in Sachen Stillliegen, Neugier und Sanftmut. Dass er jetzt nicht nur mit Antje Mey, sondern auch mit den Schwestern auf der Station oder der Psychologin ganz selbstverständlich zusammenarbeitet, ist das Ergebnis von 400 Trainingsstunden in eineinhalb Jahren.
Morgens um 8 Uhr hat er seinen ersten Patienten in der EEG-Ableitung. Bei kleinen Kindern leistet er gute Dienste als Rückenpolster für die richtige Lagerung. Schläft das Kind neben ihm ein, dann erlaubt auch er sich ein Nickerchen, aber nur dann. Nach zwei, höchstens drei Einsätzen am Morgen geht sein „Frauchen“ auf Visite, dann darf er sich in ihrem Zimmer erholen, um dann noch für einen weiteren Patienten am Nachmittag da sein zu können.
Antje Mey hatte die Idee, sie möchte Nox nicht mehr hergeben, er ist für sie gleichzeitig neuer Kollege und neues Familienmitglied. Wenn sie Feierabend macht, dann darf auch Nox seine gelbe Arbeitsweste ablegen und weiß – jetzt darf er einfach nur Hund sein. Mit kleinen Einschränkungen: Sich im Dreck zu wälzen, ist ihm strengstens verboten. Ein Hund im Krankenhaus – allein beim Gedanken daran könnten sich den Medizinern die Nackenhaare sträuben. Aus Hygienegründen arbeitet Nox deshalb nur in der Ambulanz und dort nur in einem Raum ohne Teppich. Nach jeder Kuscheleinheit wird das Bett desinfiziert, darüber hinaus wird der Hund öfter als sonst üblich entwurmt, gebadet, gebürstet und gegen Parasiten behandelt.
Auch andere Kliniken setzen Therapiehunde ein, wofür sie externe Fachleute engagieren. Das Klinikum aber ist selbst unter die Hundehalter gegangen. Möglich gemacht hat das die Unterstützung des Fördervereins des Klinikums, der die 7500 Euro für Nox aufgebracht hat, sich aber noch über weitere Spenden freuen würde. Dabei habe es sich schon um einen Sonderpreis gehandelt, 15000 bis 25 000 Euro kostet sonst die Hundeausbildung. Das Servicehundezentrum Rostock sieht Nox auch als Referenz für seine gute Arbeit.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.