Anzeige

Schwarz ist nicht gleich schwarz

Jan Binnewies leistete ein Freiwilliges Soziales Jahr in Südafrika ab und lebte in einem Township

Von Birgit Leute, 25.11.2009

Braunschweig. „Mulungo“ riefen die schwarzen Kinder, wenn er über die Straße ging. „Mulungo – weißer Fremder“. Ein Jahr lang lebte Jan Binnewies in Südafrika und leistete mit „Weltwärts“, einem Programm der Bundesregierung, ein soziales Jahr im Kindergarten. Eine Zeit, die er nicht so schnell vergisst.

Nach der Schule ins Ausland – das war schon immer sein Traum. „Fremde Kulturen aber auch die Entwicklungshilfe faszinieren mich“, sagt der heute 20-Jährige. Als er sich dann für ein freiwilliges soziales Jahr im Ausland entschied, fiel seine Wahl auf den schwarzen Kontinent. Kenia oder Tansania waren in der Auswahl, am Ende war es Südafrika.
Fast zwölf Monate lebte Binnewies im 30 000-Einwohner Ort Lulekani, einem ehemaligen Township in der Nähe des Krüger-Nationalparks. Tagsüber half er in einem Kindergarten mit überwiegend mosambikanischen Einwanderern, abends lebte er in seiner schwarzen südafrikanischen Gastfamilie.
„Ich lernte schnell: Schwarz ist nicht gleich schwarz“, erinnert sich Binnewies. Obwohl einst selbst unterdrückt, fühlten die Bewohner Lulekanis kein Mitleid mit den Leuten aus Südostafrika. „Vielleicht ist es die Angst, den gerade gewonnenen ‚Luxus‘ wieder zu verlieren, das Wenige teilen zu müssen“, überlegt Binnewies. „Luxus“ in einem ehemaligen Township – das hat nichts mit europäischen Standards zu tun. „Meine Familie hatte immerhin ein Haus aus Beton mit einem Wellblechdach“, sagt Binnewies. Das Zepter hatte die „Kokwane“, die Großmutter, in der Hand. „Eine starke Frau, die mit großer Autorität Kinder und Enkel erzog“. Klar, dass auch der „weiße Fremde“ nach kurzer Zeit mit dazugehörte und sogar zu Beerdigungsfeiern eingeladen wurde. „Die Menschen dort haben einen unglaublichen Familienzusammenhalt“, ist Binnewies beeindruckt.
Also keine Ressentiments gegen ihn, den Weißen? Binnewies schüttelt den Kopf. „Nein. Natürlich wurde uns geraten, nicht mehr nach zehn Uhr abends auf die Straße zu gehen. Diebstähle sind mit Einbruch der Dunkelheit an der Tagesordnung, denn die Weißen sind reich und viele Schwarzen haben mit der miserablen Bildungssituation keine Chance“, beschreibt er ein grundsätzliches Problem in Südafrika.
Wen wundert‘s, dass er seine Erfahrungen auch zum Beruf machen möchte: Seit fast zwei Monaten studiert Jan Binnewies „Internationale Wirtschaft und Entwicklung“ in Bayreuth. „Ich möchte, dass die Chancen gerechter verteilt sind“, erzählt er von seinem Traum.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.