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„Schöne Stadt – toller Verein“

Von Daniel Mau

Braunschweig. In drei Monaten ist es so weit. Dann wird Ramtin Ramin Deutscher, seine Einbürgerung steht so gut wie fest. Die iranische Staatsbürgerschaft gibt er im Gegenzug ab. Deutschland, besser gesagt Braunschweig, ist für den 23-Jährigen zur Heimat geworden.

„Ich fühle mich hier einfach wohl. Braunschweig ist eine sehr schöne Stadt, hat genau die richtige Größe und einen tollen Fußballverein“, schwärmt der junge Iraner in perfektem Deutsch. Die Sache mit dem Fußballverein meint er ernst. Ramin ist seit 13 Jahren heißblütiger Eintracht-Fan, bei jedem Heimspiel dabei. „Früher bin ich sogar auswärts immer mitgefahren, aber das schaffe ich jetzt wegen meiner Arbeit nicht mehr“, sagt Ramin.
Er ist eine Art Eventmanager. Veranstaltungen, Partys oder Firmenfeiern organisieren – das ist sein Job. Dafür vermittelt er auch die Servicekräfte: Bedienungen, Promoter, Aufbauhelfer. Etwa 80 Menschen umfasst seine Mitarbeiterkartei, der Großteil sind Studenten. „Eventpersonal“ nennt er seine Leute, „Agentur Ramin“ hat er seine Firma genannt.
Trotz des Erfolgs: Ramin entspricht nicht dem Bild des klassischen Geschäftsmannes. Er trägt ein Hemd ohne Krawatte, sein Büro ist klein und funktional eingerichtet: Schreibtisch, Stuhl, ein Regal, ein Sofa. Alles in Schwarz, die Wände weiß. In der Ecke steht ein Katzenbaum. Während des Interviews sitzt das Tier auf der Fensterbank.
Die ersten beruflichen Schritte wagte Ramin noch während der Schulzeit. 2004 organisierte er seine erste Veranstaltung im Jolly Joker. „Das war eine 70er-Jahre Party“, erinnert sich der Iraner. Er hatte zuvor Werbung für das Braunschweiger „Flips-Heft“ gemacht. Darüber war der Kontakt zu den Betreibern der Diskothek entstanden. „Ich habe denen mein Konzept vorgestellt. Die fanden es gut, und so bin ich da reingerutscht“, erinnert er sich.
Die Erinnerungen an sein Heimatland sind dagegen völlig verblasst. Ramin ist in der iranischen Hauptstadt Teheran geboren, doch er war erst drei Jahre alt, als er mit seinen Eltern und seinen zwei älteren Schwestern das Land verließ. „Mein Vater war Arzt und ranghohes Militärmitglied. Er konnte sich mit dem Regime aber nicht mehr anfreunden. Außerdem ist meine Familie nicht religiös. Damit passt man in den Iran überhaupt nicht rein“, sagt Ramin.
Obwohl er seit der Flucht seiner Eltern nie wieder dort war, steht auch Ramin der politischen Elite seines Heimatlandes kritisch gegenüber. Er bezeichnet sich selber deshalb lieber als Perser. „Damit kann ich mich mehr identifizieren als mit dem islamischen Namen Iran“, sagt Ramin.
Sein Bild des Irans ist dennoch positiv. Die Menschen seien trotz der politischen Situation sehr lebensfroh. „Ich habe noch Onkel, Tanten und eine Oma dort. Die kommen uns öfters besuchen. Und auch meine Mutter fliegt häufiger in den Iran.“ Für ihn selber ist eine Rückkehr noch ausgeschlossen. „Die würden mich zum Militärdienst einziehen“, fürchtet er.
Trotzdem steht ein Besuch des Irans ganz oben auf seiner Wunschliste. „Irgendwann will ich zurückkehren“, sagt Ramin. Aber nur für einen Urlaub. Braunschweig ist zu seiner Heimat geworden. Neben Freunden und Arbeit bindet ihn auch sein zweijähriger Sohn, den er zusammen mit seiner Ex-Freundin großzieht. Eine große Hilfe ist dabei auch die neue Frau an seiner Seite. „Meine Freundin Julia unterstützt mich bei der Erziehung meines Sohnes und bei meiner Arbeit“, sagt Ramin.
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