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Schnupperstunde 4.0: Ministerin reist mit Cyber-Brille in den Magen

Geht‘s? Beim Aufsetzen der „Virtual-Reality“-Brille sprang der 13-jährige Tim der niedersächsischen Kultusministerin Frauke Heiligenstadt hilfreich zur Seite. Foto: Florian Kleinschmidt/BestPixels.de
 
„Die Zukunft findet Eingang in die Schule“: Kultusministerin Frauke Heiligenstadt und Thamm van Balen, Leiter des Wilhelm-Gymnasiums, stellten das digitale Klassenzimmer vor. Fotos (2): Thomas Ammerpohl

Frauke Heiligenstadt besuchte das Wilhelm-Gymnasium und ein virtuelles Klassenzimmer.

Von Birgit Leute, 08.02.2017.

Braunschweig. Auf Schussfahrt mit einem Stück Weißbrot: Die niedersächsische Kultusministerin Frauke Heiligenstadt besuchte in dieser Woche das Wilhelm-Gymnasium und erhielt im wahrsten Sinne des Wortes einen Einblick, wie dort digitale Medien im Unterricht eingesetzt werden.

Das Besondere: Seit diesem Schuljahr greifen Schüler im Biologieunterricht nicht mehr nur zu Stift und Heft, sondern setzen sich „Virtual-Reality-Brillen“ auf. Was auf den ersten Blick aussieht wie ein Videospiel, ist tatsächlich spannender Unterricht in 3-D. Auch die Ministerin durfte sich mit der Cyber-Brille und einem virtuellen Sandwich auf eine Reise durch Mund und Speiseröhre begeben und das Rätsel knacken, warum ein Stück Weißbrot zuerst neutral und später richtig süß schmeckt.

„Die Digitalisierung in der Bildung ist ein Zukunftsthema“, betonte Heiligenstadt und lobte das Wilhelm-Gymnasium für seinen Mut und den Erfolg: „Sie sahnen hier einen Preis nach dem anderen ab“, zeigte sich die niedersächsische Ministerin beeindruckt.

An der Wand hängen die großen Vorbilder: Tim Berners-Lee, der Begründer des World Wide Web, und Larry Page und Sergey Brin von Google. Auf sein digitales Klassenzimmer ist das Wilhelm-Gymnasium ganz besonders stolz.
Vor zwei Jahren hatte die Schule den bundesweiten Ideen-Wettbewerb „Digitale Bildung neu denken“ gewonnen und damit auch eine komplette Einrichtung für den Unterricht 4.0. Sören und Emi, heute 17 und
16 Jahre alt, waren damals dabei und erklärten anlässlich des Besuchs von Ministerin Heiligenstadt wie sie es schafften, die Jury zu überzeugen. „Im Prinzip haben wir ein Thema, das sowieso auf dem Lehrplan stand, digital aufbereitet“, sagt Sören. Unter dem Titel „Ebola – eine vergessene oder gebannte Epidemie“ drehten die Schüler Filme, führten Interviews und errechneten anhand von Sinus-Kurven, wie sich das Virus entwickelt. Dafür erhielt die Schule Tablets, die sie nach dem Gewinn des Preises nun dauerhaft nutzen können. „Eine tolle Sache“, ist Emi begeistert, „denn so müssen wir uns nicht zu zweit vor einem Computer drängen.“ Mit den „Virtual Reality“-Brillen zündet die Schule nun die zweite Stufe: Zum ersten Mal wird der Biologieunterricht in der achten Klasse komplett auf die digitalen Medien hin ausgelegt. Eine anspruchsvolle Aufgabe für die Lehrer, die einen Fahrplan entwickeln, für den es (noch) keine Vorbilder gibt. „Ich habe mich erst einmal mit meinem Kollegen zusammengesetzt und überlegt, wie wir vorgehen können“, erzählt Biologielehrerin Anna Wecke lachend. Das die futuristischen Brillen Sinn machen – davon ist sie überzeugt.

„Vor allem die Molekular-Biologie, die ja viel zu kleinteilig ist, als dass man sie anschaulich darstellen könnte, wird durch die 3-D-Darstellung richtig spannend“, ist Wecke begeistert. Wie übrigens auch ihre Schüler, die kein Problem damit haben, in rasanter Fahrt die Speiseröhre hinunterzufahren und in einem – zugegeben etwas ekligen – Magen zu schwimmen. „Ein flaues Gefühl? Nein, das haben die nicht“, sagt Wecke fest. „Die Schüler sezieren auch Herzen, da war einigen die 3-D-Darstellung der Magenmuskeln noch nicht echt genug. Das sei ja viel zu comichaft, kamen Kommentare.“
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