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Schmieröl, Frachter, kleine Fische

nB-Serie, was macht eigentlich...? Wasserschutzpolizisten sind ein bisschen die „Exoten“ unter den Polizisten – Mit der W 10 auf Streifenfahrt

Von Marion Korth

Jens Helmbold ist braungebrannt, sieht aus wie ein Segler , der mehr Zeit auf dem Wasser als auf dem Land verbringt. Das mit dem Segler stimmt nicht, dass mit dem Wasser eher. Seit dem 11. Mai ist Helmbold Leiter der Wasserschutzpolizeistation Braunschweig. Er und seine „Mannschaft“, zu der auch eine Frau zählt, haben vor allem eine Aufgabe: „So oft wie möglich Bootfahren.“

Die wesentlichen Fakten gibt’s vorweg bei einer Tasse Tee in der Dienststelle im Braunschweiger Hafen. Aber dazu später. Jetzt wird es erst einmal auch für mich „polizeidienstlich“. „Wir haben gedacht, dass wir mit dem Schiff ’rausfahren“, sagt Helmbold. Die W 10, eines von insgesamt drei Dienstschiffen, liegt nur ein paar Schritte vom Büro entfernt. Blick hinunter in die Mini-Kombüse und in den Maschinenraum, dazu ein paar technische Daten. Die Höchstgeschwindigkeit des Polizeischiffes müsse allerdings „Dienstgeheimnis“ bleiben, lässt mich Malte Nieber mit einem Augenzwinkern wissen. Nur so viel sei verraten: Die beiden Motorradfahrer, die die Polizisten unerlaubt auf einem Betriebsweg erwischten, die hätten auf ihren Maschinen entkommen können…
Die Fahrt beginnt. Die erste Kontrolle gleich ein paar Meter weiter, ein „kleiner Fisch“. Helmbold: „Ach, ich sehe schon, Vier-PS-Motor, der braucht keinen Führerschein, amtliches Kennzeichen hat er auch…“ Alles bestens, der Mann darf nach kurzem Stopp weiterfahren.
Auf dem Wasser gelten eigene Regeln. Auch für die Zeit. Die vergeht langsamer. Die Polizisten haben mir kurz das Ruder überlassen, damit ich weiß, worüber ich schreibe. Das Schiff strebt der Kanalspundwand rechts zu. Trotz Gegenlenkens, da rührt sich nichts. Die Frau am Ruder spürt eine leichte Panikwelle. Helmbold bleibt die Ruhe in Person. „Ein Schiff reagiert mit Zeitverzögerung“, sagt er, „so jetzt kommt es ’rum.“
Nächste Lektion. „Sind Sie stolpersicher?“ Ich nicke tapfer. „Gut, dann können Sie auf eigenes Risiko mitkommen.“ Die Bizon 0-166 aus Wroclaw/Polen fährt uns entgegen. Anmeldung per Funk. Malte Nieber übernimmt das Ruder, Berthold Mund hilft mir in die Schwimmweste. Nieber dreht hinter dem Frachter bei, geht längs. Bordkante fast an Bordkante. Nieber passt das Tempo an, die Schiffe scheinen zu stehen – ein Schritt hinüber, dann über die Reling, wir sind auf der Bizon. Zu Besuch, nicht zur Kontrolle, wie Helmbold betont. Freundliche Begrüßung des Steuermanns. Blick ins Bordbuch. Das Schiff ist in Rotterdam gestartet, hat Klinkersteine für Berlin geladen. Das war es heute. Die nächste Kontrolle kommt bestimmt.
Nicht zum Spaß, sondern um für Sicherheit und Ordnung zu sorgen, sind die Polizisten so oft auf dem Wasser unterwegs. Sie wollen ganz genau wissen, wer was auf den Kanälen transportiert. „Eine Schiffskontrolle dauert zwischen 30 und 60 Minuten und in dieser Zeit kontrollieren wir längst nicht alles“, sagt Helmbold. An Bord eines Frachtschiffes füllen die erforderlichen Papiere, Patente, Nachweise einen dicken Aktenordner. Dazu die Sicherheitsausrüstung vom Rettungsring bis zum Feuerlöscher. Es gibt viel, auf das die Polizisten ein Auge haben müssen. Damit nicht doppelt und dreifach kontrolliert wird, gibt es eine Schiffskontrolldatei. Bevor Helmbold an Bord geht, fragt er erst einmal ab, ob die Nachbarpolizeidienstelle nicht gerade vor ihm da war.
Das Einsatzgebiet der Wasserschutzpolizei Braunschweig erstreckt sich über 111 Kanalkilometer Wasserstraßen. Die Beamten sind auf dem Mittellandkanal ab Peine, dem Stichkanal Salzgitter und dem Elbe-Seitenkanal bis hoch nach Wittingen unterwegs. Ein Bereich, in dem ganz schön was los ist. 37 100 Schiffe waren es 2008, die kleinen Sportboote gar nicht mitgezählt. Der Hafen Braunschweig ist Niedersachsens größter Binnencontainerumschlagplatz, dazu kommen die beiden Häfen der Salzgitter AG. Insgesamt werden 1,14 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen.
Im Vergleich zur Straße sind Unfälle eher selten. Aber dazu muss man wissen: „150 000 bis 200 000 Euro, das ist bei uns ein Blechschaden.“ Wenn ein Binnenfrachtschiff mit der Hafenkante kollidiert, dann wird es richtig teuer. 19 Binnenschifffahrtsunfälle haben die zehn Polizeibeamten 2008 bearbeitet.
Kriminalität gibt es auch. Ein aktuelles Problem in den Sportboothafenanlagen ist der „Klau von Außenbordern“. Die sind teuer und deshalb begehrt. Von Banden werden sie über Polen weiter in den Osten gebracht.
Es hat nichts mit Lokalpatriotismus zu tun, wenn Helmbold ein bisschen bedauert, dass Wolfsburg deutscher Fußballmeister geworden ist. „Die VW-Arena ist nur 50 Meter vom Kanal entfernt“, sagt er. Zu den Aufgaben der Wasserschutzpolizei gehört auch die Sicherung von Veranstaltungen am und im Wasser. Noch wissen die Polizisten nicht genau, was da mit den Champions-League-Spielen und den Fangruppen aus dem Ausland auf sie zukommen wird.
Dann die Umweltdelikte. Die Leute auf den Schiffen wüssten einfach nicht, wohin mit dem Altöl und den Schmierstoffen, die reichlich während der Fahrt anfallen. Wer in Rotterdam 100 Liter Schmieröl gekauft hat, danach aber nur noch in Süddeutschland unterwegs ist, hat ein Problem, es wieder ordnungsgemäß zur Entsorgung zurückzugeben. Helmbold ist froh, dass jetzt EU-weit eine Regelung durch ist und Annahmestellen an den Schleusen eingerichtet werden.
Wieder zurück auf der W 10 will ich wissen, was Helmbold an seinem Beruf schätzt: „Das andere Verhältnis zum Kunden. Wir sehen uns immer wieder, man geht höflicher miteinander um.“ Und noch etwas fällt ihm ein: „ … als Wasserschutzpolizist ein bisschen der Exot zu sein, so weit weg vom salzigen Wasser.“
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