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„Schicksal der Mutter ist kein Einzelfall“

Half, ohne lange zu überlegen: Jan Rabe mit seinem Neffen Finn. Foto: Privat

Zwei Unternehmer halfen einer Hartz-IV-Empfängerin, doch ihr Problem kommt häufig vor.

Von Birgit Leute

Braunschweig, 27.05.2015. Was tun, wenn man endlich eine Wohnung gefunden hat, aber kein Geld, um sie zu renovieren? Diese Erfahrung musste eine junge arbeitslose Mutter machen (die nB berichtete). Das Jobcenter hatte der Alleinerziehenden eine finanzielle Unterstützung verwehrt. Sie hätte, so die Begründung, schon länger mit dem Gedanken gespielt, umzuziehen und dadurch die Möglichkeit gehabt, anzusparen.

Die Geschichte hat nun ein Happy End gefunden: Nachdem die nB unter dem Titel „Leben zwischen nackten Wänden“ auf ihr Schicksal aufmerksam gemacht hat, meldeten sich gleich zwei Unternehmer, die bereit waren, der Mutter und ihrem knapp anderthalb Jahre alten Baby zu helfen. Jan Rabe tapezierte und strich die kleine Wohnung in der Weststadt, Lutz Aleks und Andreas Meier verlegten Laminat und helfen mit dem Küchenaufbau. Kostenlos versteht sich. „Es ist doch klar, dass wir einer alleinerziehenden Mutter mit wenig Geld helfen müssen“, betont Meier.

Mit seinem Kompagnon macht sich Meier gerade zum zweiten Mal selbstständig. Ab Juni gehört ihnen die Firma U+M Bau. Meier weiß, was es heißt, sich durchzubeißen. Genau wie Jan Rabe, der mit seinem kleinen Sanierungsbetrieb ebenfalls täglich die Ärmel hochkrempeln muss. „So eine Phase, wie sie die junge Frau hatte, kann jeden treffen“, sagt Rabe. Und da er gerade wenig zu tun hatte, packte er bei der Renovierung einfach mit an. „Ich habe selbst einen kleinen Neffen, deshalb konnte ich die Sorgen der alleinerziehenden Mutter nachfühlen“, sagt er. Rund vier Tage brauchte er, um die Wohnung herzurichten. „Also keine große Geschichte“ winkt der sympathische 35-Jährige ab.

Auch wenn die Geschichte ein gutes Ende gefunden hat: Für Wolfgang Kraemer vom Verband alleinerziehender Mütter und Väter ist sie nur eine unter vielen. „Das Jobcenter lehnt immer wieder Renovierungshilfen ab“, schimpft er. Begründung: Die Hartz-IV-Empfänger hätten in Braunschweig durchaus die Möglichkeit, eine renovierte Wohnung zu beziehen, weil diese „in ausreichendem Maß“ zu Verfügung stünden. „Ein Hohn“, ärgert sich Kraemer. Bei der jüngsten Ratssitzung Anfang Mai machte er das Problem über eine Bürgeranfrage deshalb auch noch einmal öffentlich. „Aus der Reaktion wurde klar: Die Verwaltung wusste von dem Vorgehen gar nichts“ so Kraemer. Das Thema soll bei der nächsten Ratssitzung im Juni noch einmal aufgegriffen werden.
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1 Kommentar
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Frank Gebauer aus Braunschweig - Nordstadt | 28.05.2015 | 10:36  
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