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Scham verhinderte das Erinnern

Christopher Armstrong, Dean an der Kathedrale von Blackburn, sprach im Landesmuseum. Foto: Silvia Herden
Besuch aus England: Der Dean der Kathedrale von Blackburn sprach über den Ersten Weltkrieg. Von Birgit Leute, 10.08.2014.
Braunschweig. Wie sehen eigentlich die Briten den Ersten Weltkrieg? Anlässlich seines Besuchs am Braunschweiger Dom schaute sich Christopher Armstrong, Dean der Kathedrale von Blackburn, auch die aktuelle Ausstellung im Landesmuseum an.
Christopher Armstrong ist in Braunschweig kein Fremder: Vor zehn Jahren starteten der Braunschweiger Dom und die englische Bischofskirche in Blackburn eine Partnerschaft – gegen alle Skeptiker, wie Christopher Armstrong in seinem Vortrag im Landesmuseum schmunzelnd betonte. Erst in der vergangenen Woche war eine Delegation aus Braunschweig zu Gast in der englischen Partnerstadt, um der Gräuel des Ersten Weltkriegs zu gedenken. Beim aktuellen Gegenbesuch legte der Dean die britische Sicht dar.

„In Großbritannien gibt es ein wachsendes Interesse an der Erinnerung“, sagte Armstrong mit Blick auf die zahlreichen Gedenkveranstaltungen, die in Großbritannien nicht nur die beiden Weltkriege lebendig halten, sondern auch an das Leid der Menschen durch die aktuellen Kriege in Afghanistan und Irak erinnern.

In Deutschland sei man – was den Ersten Weltkrieg betrifft – da eher zögerlich, meint der Dean zu beobachten. „Wir wissen, dass der Zweite Weltkrieg und die Scham darüber Ihre Erinnerung an den Großen Krieg verschlossen haben“, versuchte Armstrong eine Erklärung. Während in Großbritannien das Erbe nicht grundsätzlich negativ gesehen werde, Musik und Literatur der Zeit durchaus geschätzt wurden, „sind Sie sehr langsam und vorsichtig in der Weitergabe gewesen“, so der Dean. Dabei werde die Frage, wer denn nun schuld am Ausbruch des Ersten Weltkrieg sei, heute viel differenzierter gesehen. „Der Beginn war eine komplexe Angelegenheit. Nicht eine Nation allein kann dafür verantwortlich gemacht werden. Ich hoffe, dass Sie Trost daraus ziehen“, so Armstrong.

Versöhnliche Worte in einem Vortrag, der – ganz passend – unter dem Titel „Versöhnung“ stand. Überhaupt begnügte sich Armstrong nicht allein mit einem Rückblick, sondern mahnte auch, aus Fehlern zu lernen. „Es ist der Wille vorhanden, doch wenn Zorn in uns lodert, setzen unsere Emotionen den rationalen Verstand leicht außer Kraft“, gab sich Armstrong mit Blick auf die Konflikte im Gazastreifen und der Ukraine eher pessimistisch.
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