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Rentner haben von der Politik die Nase voll

Von Birgit Leute

Braunschweig. Keine Stecknadel passte mehr in den großen Saal der Brunsviga. Am vergangenen Montag tagte zum ersten Mal die neugegründete Rentnerinitiative „Rentner machen mobil“. Statt den erwarteten 500 Gästen kamen an die 700 Zuhörer.

„Das hätte ich wirklich nicht gedacht“, zeigte sich Mitorganisator Walter Bromberger erstaunt. Gemeinsam mit Siegfried Barthel, Willi Hirthe, Bernd Zenker und Ursula Wirth führte er eine Podiumsdiskussion zur Lage der rund 20 Millionen Rentner in Deutschland.
„Egal ob Parteien oder Sozialverbände – niemand nimmt uns ernst. Wir sind nur dazu da, ein Kreuzchen auf den Wahlzettel zu machen“, ereiferte sich Bromberger und erntete starken Beifall. Applaudiert wird auch als er einen FDP-Politiker zitiert, der Rentner als „Langlebigkeitsproblem“ bezeichnet hatte. „Meiner Meinung nach ist das das Unwort des Jahres 2008“, schimpfte Bromberger.
Ursula Wirth stellte anhand von nüchternen Zahlenbeispielen die soziale Lage von Frauen im Rentenalter dar. „Schon während der Berufszeit haben Frauen
20 Prozent weniger Lohn. Mit unter 800 Euro Rente im Monat liegen sie dann später wieder deutlich unter der offiziellen Armutsschwelle.“
„Die Zahlen kennen wir doch alle“, ereifert sich ein Mann aus dem Publikum. „Wir wollen wissen, was wir machen können.“ Viele nicken zustimmend. „Wir werden Flagge zeigen“, kündigt Walter Bromberger an, der erst vor drei Wochen die Initiative gegründet hat. Bromberger denkt dabei an die Montagsdemonstrationen der ehemaligen DDR. „Wir wollen keine Revolution, aber wir wollen den Politikern einen Denkzettel verpassen“, bringt er die Diskussion auf den Punkt. Sein Vorschlag wird begeistert angenommen. Die geplanten Montagsdemonstrationen der Initiative „Rentner machen mobil“ sollen erstmals am kommenden Montag (21. April) stattfinden. „Es sind keine Demonstrationen, sondern Ansammlungen“, weißt Walter Bromberger hin. Im Gegensatz zu jenen müssten Ansammlungen nicht angemeldet werden. Ganz wie bei den berühmten Montagsdemonstrationen in Leipzig 1989 werden sich die Rentner um 17 Uhr im Dom versammeln. Statt der üblichen Kurzandacht hält Domprediger Joachim Hempel dann eine Predigt über die Altersarmut. Später versammeln sich die Zuhörer am Burglöwen. „Er soll ein Sinnbild für die Rente werden, die hoffentlich auch einmal so fest und sicher steht wie das Standbild“, sagt Bromberger.
Er bedauert, dass viele Zuhörer beim ersten Treffen am vergangenen Montag wieder nach Hause gehen mussten. „Die Stadthalle wäre zu teuer gewesen“, gibt er zu Bedenken. Rund 200 Besucher hatten keinen Platz im Saal der Brunsviga gefunden und machten ihrem Unmut lautstark Luft. „Warum hat man denn keine Lautsprecher aufgestellt“, kritisierte ein Gast. Anderen wurde durch die stickige Luft im Saal unwohl. Sie bahnten sich bald nach Beginn wieder einen Weg nach draußen.
„Das soll sich ändern“, verspricht Bromberger. Im Falle, dass sich noch mehr Menschen der Bewegung anschließen, plant er, die VW-Halle für eine nächste Versammlung anzumieten. „Ich habe viele Jahre im Ruhrgebiet gewohnt“, erzählt er. „Dort hätte ich mit dem Thema die größten Hallen gefüllt.“
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