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Reiten fürs (innere) Gleichgewicht

Die Pferde (v.l.) Franziska, Oreo und Nicki sollen den Geschwisterkindern helfen, ihr Gleichgewicht zu halten. Die Spenden der Kroschke Kinderstiftung (l. Gerd-Ulrich Hartmann) und der Firma Modell und Formenbau Pape (Chef Bernd Pape, 3.v.r.) haben das Projekt auf dem Reittherapiehof von Friederike Bewig (2.v.l.) in Zusammenarbeit mit Volker Rinne vom Netzwerk möglich gemacht. T.A.

Erster Stützpunkt für Geschwister schwer kranker Kinder soll mit Spenden in Querum entstehen.

Von Marion Korth, 30. Januar 2015.

Querum. Landleben nicht weit entfernt der Innenstadt. Eine Ziege läuft über den Hof, hinten im Stall werden die Pferde gesattelt. Viel Raum zum Atmen, viel Raum für neue Erfahrungen: Die Geschwister schwer kranker Kinder sollen hier im Reit- und Therapiezentrum auf andere Gedanken kommen.

Die Kroschke Kinderstiftung gibt 6000, das Unternehmen Modell- und Formenbau Pape 3000 Euro, um in Querum den ersten Geschwisterkinderstützpunkt in Niedersachsen zu eröffnen. Für Firmenchef Bernd Pape, der auf Weihnachtsgeschenke für Kunden verzichtet und stattdessen lieber spendet, davor zum Beispiel für das Braunschweiger Hospiz, war es wichtig, ein regionales Projekt gefunden zu haben.
In der Halle dreht sich an diesem Tag alles um die gesunden Geschwisterkinder, die es trotzdem oft schwer haben. Gerade hat die Reitstunde begonnen, Schritt am langen Zügel, dann leichter Trab. Das Leben in Familien, in denen ein Kind schwer krank ist, wird überschattet. Die Krankheit, Arzt- und Therapietermine und die Sorge um Bruder oder Schwester geben den Takt vor. „Die Geschwister spielen oft nur die zweite Geige“, sagt Gerd-Ulrich Hartmann, Geschäftsführer der Kroschke Kinderstiftung. Die Reitstunden und der mögliche Austausch mit Kindern in vergleichbarer Situation sollen ein Gegengewicht bilden. Das Angebot ist für die Familien kostenlos.
Träger des Geschwisterkinderstützpunktes ist der gemeinnützige Verein Netzwerk für die Versorgung schwer kranker Kinder und Jugendlicher, der an der Medizinischen Hochschule Hannover und am Kinder- und Jugendzentrum Auf der Bult in Hannover vertreten ist. „Wir organisieren die medizinische Versorgung schwer kranker Kinder, zum Beispiel, indem wie spezialisierte Pflegedienste vermitteln“, sagt Volker Rinne vom Verein. „Aber wir haben gelernt, dass man die Familien ganzheitlich betrachten muss, ist einer krank, sind alle krank, deshalb wollen wir familienentlastende Dienste suchen und fördern.“ Ohne das Geld und die Unterstützung von Unternehmen und Stiftungen sei das jedoch nicht möglich, denn um klassische Krankenkassenleistungen handelt es sich dabei nicht.
In Querum seien die Bedingungen ideal, weil Chefin Friederike Bewig und ihr Team im Reit- und Therapiezentrum schon über heilpädagogische Fähigkeiten und viel soziale Kompetenz verfügen. Auf diese Grundlage will der Verein nun in einem Pilotprojekt mit Schulungen Spezialwissen aufsetzen, damit der Geschwisterkinderstützpunkt seine Aufgabe als Informations- und Anlaufstelle für betroffene Familien erfüllen kann. In England gebe es bereits gute Initiativen im Netz, um die Hilfe zur Selbsthilfe voranzutreiben, diese Anregungen habe man aufgegriffen, sagte Rinne.
Statistisch gesehen benötigen zehn von 100 Geschwisterkindern aufgrund der belastenden Situation in ihrer Familie psychosomatische Intervention. „Wir wollen Geschwisterkinder nicht krank reden, aber werden Kinderpsychologen hinzuziehen, wenn es nötig wird“, sagt Rinne. Gruppenangebote wie in Querum helfen, überhaupt zu erkennen, wenn ein Kind leidet.
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