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Reise durch Gaza: „Es fehlt an allem“

Der Braunschweiger Arzt Dr. Sayed Tarmassi war mit einer Hilfsorganisation im Kriegsgebiet: Bitte um Spenden

Von Ingeborg Obi-Preuß

Braunschweig. „Es fehlt an allem“, sagt Dr. Sayed Tarmassi. Der Braunschweiger Arzt kommt gerade aus dem Kriegsgebiet in Gaza zurück. Gemeinsam mit Kollegen aus England, Dänemark und Belgien hat Tarmassi versucht, die größte Not zu lindern.

„Aber es ist wie der berühmte Tropfen auf den heißen Stein“, sagt der praktische Arzt, der seit 1982 in Deutschland lebt und seit 1997 in Braunschweig praktiziert. Für sein Studium musste Tarmassi ins Ausland gehen, da es in Gaza damals noch keine Universitäten gab.
Jetzt nahm er die Chance wahr, mit dem Deutsch-Palästinensischen Ärzteforum PalMed in seiner alten Heimat zu helfen. Für den Arzt war es der erste Einsatz in einem Kriegsgebiet, und dementsprechend tief sitzen die Eindrücke.
Tarmassi erzählt von Kontrollen durch schwer bewaffnete Soldaten, von seinem Konvoi, vorbei an Panzern, von Raketeneinschlägen und rauchgeschwärzter Luft. Ruhig und betont sachlich erklärt er seine Fotos, doch die Stimme vibriert immer wieder, wenn er die einzelnen Situationen noch einmal durchlebt.
Er berichtet von unerträglichen Umständen in völlig überfüllten Operationssälen, von schrecklichen Wunden durch Splitter- und Phosphorbomben, von weinenden Menschen – er berichtet vom Krieg. Mit 28 Rettungswagen, in allen lagen schwerstverletzte Menschen, sind sie durch Gaza gefahren, doch vor dem einzigen offenen Grenzübergang nach Ägypten mussten sie stundenlang warten, weil es kein Benzin mehr gab.
Hunderte von Fotos hat der Arzt gemacht, er klagt an, versucht sich aber in seinen politischen Äußerungen zurückzuhalten. „Wir werden auf beiden Seiten lernen müssen, unsere Konflikte ohne Gewalt zu beenden“, sagt er, „dieser Krieg jedenfalls kann keine Lösung sein.“
Jetzt aber sei er ausschließlich als Arzt im Einsatz gewesen, das habe ihn so tief berührt, dass er gemeinsam mit seinen Kollegen unbedingt weiterhelfen will. „Häuser sind zerbombt, Kliniken zerstört, Felder und Tiere wurden vernichtet“, erzählt er, „die Menschen hausen bei lausiger Kälte unter freiem Himmel, es fehlt an Decken, an Medikamenten, an Essen und Trinken, es fehlt einfach an allem.“

Fakten: Gaza: 1,5 Millionen Menschen leben in dem schmalen Küstenstreifen am südöstlichen Ende des Mittelmeeres – die meisten abhängig von Lebensmittellieferungen.
Der Nahost-Konflikt ist so alt wie der Staat Israel. Wenige Stunden nach der Proklamation der israelischen Unabhängigkeit am 14. Mai 1948 begann der erste arabisch-israelische Krieg. Alle Versuche, den Konflikt friedlich zu lösen, sind bislang gescheitert. Monatelang war Israel zuletzt aus dem Gazastreifen mit Raketen beschossen worden – dann schlug die Armee zurück. Seit Ende Dezember flog sie Luftangriffe auf die dicht besiedelte Region, auch Bodentruppen waren im Einsatz.
Der Verein Deutsch-Palästinensisches Ärzteforum Pal-Med bittet um Spenden: PalMed Deutschland, Postfach 102926, 45029 Essen, E-Mail: germany@palmedeurope.net, Telefon: 0178/5 17 60 64.
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