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Reden, helfen, verstehen …

Mütter und ein Vater: Jana Wolfram mit der einjährigen Josefina (ihre große Tochter Liesa-Marie war nicht dabei), Sarah Wachert mit Johanna und Wolfgang Kraemer. Foto: Ammerpohl

In der Kaiserstraße treffen sich (vor allem) Mütter, um sich gegenseitig zu stützen.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 06.05.2016.

Braunschweig. Muttertag – ein guter Grund, mal auf die Mütter zu schauen, die alles allein „wuppen“ müssen. „Es hilft, wenn du merkst, dass du Unterstützung findest, dass andere genau die gleichen Sorgen oder Probleme haben wie du“, sagt Sarah Wachert, die ganz neu zum Vorstand beim Verband alleinerziehender Mütter und Väter (Vamv) gehört. „Wir treffen uns jeden Mittwoch hier in unserer Geschäftsstelle in der Kaiserstraße, von 16 bis 18 Uhr ist jeder willkommen“, lädt sie ein.

Die 25-Jährige weiß, wovon sie spricht. Denn sie ist selbst alleinerziehend, Tochter Johanna ist vier Jahre alt. „Meine Mutter hat mich auf diesen Verband aufmerksam gemacht“, erzählt Sarah, „und ich bin sehr froh darüber.“ Wolfgang Kraemer, langjähriger stellvertretender Vorsitzender und die Seele des Vamv, Braunschweig freut sich über die Verstärkung.

54 Mitglieder gehören in Braunschweig zum Verband für alleinerziehende Mütter und Väter (Vamv), die meisten (40) sind Frauen. „Ich war damals ein Exot“, erzählt Wolfgang Kraemer. Der stellvertretende Vamv-Vorsitzende ist alleinerziehender Vater, seine Tochter ist inzwischen erwachsen. Er hat die Braunschweiger Ortsgruppe maßgeblich aufgebaut und ist auch heute noch das „Herz“ in dem kleinen Ladengeschäft an der Kaiserstraße 31.
„Aber es wird Zeit, dass wir uns verjüngen, und Sarah Wachert ist ein echter Glücksfall“, freut er sich über die neue Kollegin.

Sarah kam selbst als junge Mutter zum Verband und fand in Wolfgang Kraemer einen wichtigen Ansprechpartner. „Angst und Scham waren anfangs Gefühle, die mir zu schaffen machten“, erzählt sie. Dazu kamen Alltagssorgen: Wie mache ich das überhaupt? Wie komme ich mit den Finanzen klar? Was steht mir überhaupt zu? Welche Rechte habe ich? „All das sind Fragen, mit denen sich vor allem und besonders alleinerziehende Eltern herumschlagen“, weiß Kraemer. Und – „wer nicht weiß, was ihm zusteht, der bekommt eben vieles nicht“, ist seine Erfahrung. Die meisten Ämter würden nicht oder nicht ausreichend von sich aus informieren.
Neben all den ernsten Themen, kommt aber auch der Spaß nicht zur kurz. Es wird gemeinsam gefeiert, gegrillt und es werden Ausflüge geplant.

Und Muttertag? Für Sarah Wachert ist der Tag nicht so wichtig, Jana Wolfram dagegen freut sich sehr. „Ich mag es so, wie wir es früher für meine Oma und meine Mutti gemacht haben“, erzählt sie aus der Kindheit in Halle: „Blümchen auf dem Tisch und schönes Frühstück, das ist mir schon wichtig.“ Sie lebt jetzt mit einem neuen Partner in einem schönen Bauernhaus und ist sicher, dass ihr Muttertag genau so wird, wie sie es sich erhofft.


AKTUELLES

Alleinerziehende und ihre Kinder haben mit über 40 Prozent das höchste Armutsrisiko aller Familienformen, das ist Ausdruck ihrer immer noch anhaltenden gesellschaftlichen Benachteiligung“, kritisierte Miriam Hoheisel, Bundesgeschäftsführerin des Vamv. Eine zentrale Ursache liege darin, dass Leistungen für Familien auf verheiratete Ehepaare zugeschnitten sind, während Alleinerziehende und ihre Kinder aufgrund von Anrechnungen und unbeabsichtigten Wechselwirkungen systematisch durchs Raster fallen.
„Der vom Ziel her armutsvermeidende Kinderzuschlag kann ausgerechnet bei Alleinerziehenden nicht seine volle Wirkung entfalten. Hier besteht dringender Reformbedarf bei der Anrechnung von Unterhalt, Unterhaltsvorschuss und Waisenrente“, forderte Hoheisel in einer Pressemitteilung.

„Aktuell engagiert sich unser Verband um die Ausgestaltung des sogenannten ‘Rechtsvereinfachungsgesetzes“, das möglicherweise schon im August verabschiedet werden soll“, berichtet Kraemer.
Unter anderem sehe dieses Gesetz vor, dass alleinerziehenden Eltern Geld vom Unterhalt abgezogen wird für die Tage im Monat, die das Kind beim jeweils anderen Elternteil verbringt.
„Und zwar der komplette Unterhaltssatz soll für diese Tage gestrichen werden“, sagt Kraemer. Das sei unmöglich, da ja feste Kosten wie Miete oder Heizung weiter anfallen würden. Der Verband alleinerziehender Mütter und Väter versucht, auf das Gesetz noch Einfluss zu nehmen.
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1 Kommentar
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VAMV OV BS e.V. aus Braunschweig - Innenstadt | 07.05.2016 | 20:58  
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