Anzeige

Prozess bleibt eine „harte Nuss“

Extreme Jugendgewalt: Vorwürfe gegen 16-Jährigen vage – Zeugen sind sich nicht sicher.

Braunschweig (jen), 04.12.2011.

Der vor dem Landgericht Braunschweig laufende Prozess um zwei Fälle extremer Jugendgewalt bleibt eine harte Nuss. Zwar haben inzwischen etliche Zeugen ausgesagt. Ihre Angaben sind aber über weite Strecken vage oder widersprechen einander sogar.

Hauptbeschuldigter ist ein 16-Jähriger. Er soll gemeinsam mit anderen Tätern in Lengede und in Salzgitter zwei Männer durch Schläge und Tritte lebensgefährlich verletzt haben. An der zweiten Tat war angeblich auch der 19 Jahre alte Mitangeklagte beteiligt. Dass diese Vorwürfe auf nicht ganz festen Füßen stehen, hat der bisherige Verlauf der Verhandlung bewiesen. Das liegt nicht zuletzt am Opfer des Lengeder Vorfalls. Der 20-Jährige erklärte im Zeugenstand, er könne den jüngeren Beschuldigten nicht als einen der Täter identifizieren. „Aber der andere könnte dabei gewesen sein“, meinte der junge Mann und zeigte auf den 19-Jährigen. Der ist aber gar nicht wegen dieser Tat angeklagt.
Ob die Richter dem 16-Jährigen jetzt glauben, dass er zur fraglichen Zeit überhaupt nicht in Lengede war, ist offen. Möglichkeiten, ihn für den Überfall zu verurteilen, sehen sie aber anscheinend nicht mehr. Daher hoben sie den Haftbefehl gegen den Jugendlichen auf.
Im Mittelpunkt des Prozesses steht somit die Tat am Salzgittersee. Sie war Teil einer Massenschlägerei, was die Suche nach der Wahrheit erschwert. Zwar meinte das Opfer vor Gericht, in dem 16-Jährigen einen seiner Peiniger wiederzuerkennen. Sein Argument dafür blieb aber schwach: Der Angeklagte habe „so einen bösen Blick“.
Mehrere Augenzeugen der Prügelei behaupteten, der Jugendliche habe dem Geschädigten einen Tritt ins Gesicht versetzt. „Der trat im Flug, wie beim Karate“, schilderte eine junge Frau die Szene. Sie habe den 16-Jährigen auf einem Foto erkannt, allerdings bei Facebook und nicht auf einem Fahndungsbild der Polizei. Ähnlich äußerten sich andere Zeugen. Einer erklärte sogar, er sei zur Tatzeit zu Hause gewesen. Er habe aber bei einer Party ein Gespräch aufgeschnappt, in dem es um eine mögliche Täterschaft der Angeklagten ging.
Der Prozess wird am Montag fortgesetzt. Mit dem Urteil ist nicht vor Ende Januar zu rechnen.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.