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Projekt-Ende: Pflanzen geklaut

Die weißen Reissäcke sind inzwischen leer. Foto: oh

Leser Hubert Hüttermann berichtet von gescheitertem Urban Gardening.

Braunschweig, 01.07.2016.

„Ich möchte, dass die Pflanzen die Braunschweiger Altstadt grüner machen. Die Bürger sollen die Pflanzen zumindest mit Respekt behandeln und dort wachsen lassen. Naschen ist erlaubt, aber im September wollen wir natürlich ernten und ein Erntedankfest feiern.“ Das war der Wunsch von Julius Dralle, Schüler der 6. Klasse des Gymnasiums Christophorusschule.

Bei den Politischen Projekttagen des CJD hatte er sich im Aktionsbündnis Urban Gardening engagiert (wir berichteten). Zusammen mit weiteren Schülern befüllte Julius an zwei Tagen insgesamt 60 Reissäcke im schuleigenen Chancengarten mit Humus und bepflanzte sie mit Nutzpflanzen wie Kürbis, Tomate oder Erdbeere. Danach ging es auf dem Pritschenwagen in die Altstadt und die Säcke wurden dort am Bankplatz, auf dem Herzogin-Anna-Amalia-Platz und Wollmarkt verteilt.
Paten hatten sich auf entsprechende Aufrufe in den Medien gemeldet und versprochen, den Sommer über die Pflanzen zu gießen, hegen und zu pflegen.

Für Ende September war mit der Ernte ein gemeinsames Erntedankfest geplant. Bis dahin sollten die Braunschweiger ganz haptisch erleben können, was Urban Gardening eigentlich ist und für die Zukunft bedeutet. Jetzt gibt es das alles nicht mehr, denn die Pflanzen wurden vor allem am Bankplatz und Wollmarkt fast komplett aus den Säcken geklaut, berichtet Hubert Hüttermann vom CJD.
„Ein trauriger Anblick“, findet nicht nur Julius Mutter Anita Dralle. Auch Paten meldeten sich mit vergleichbaren Rückmeldungen zu Wort. „Wir versuchen, unsere Kinder und Jugendlichen zur Verantwortung zu erziehen“, beschreibt Ursula Hellert. Leiterin des CJD Braunschweig, ihr Fazit der Aktion. „Und dann lernen sie an so einem simplen Beispiel, dass erwachsen sein wohl vor allem bedeutet, für sich selbst zu raffen.“

Wie das geplante Erntedankfest im Herbst jetzt aussehen kann, müssen Schüler, Pädagogen und Paten noch einmal von vorn überlegen. Denn am Thema hat sich nichts geändert. Hüttermann hofft, dass trotzdem alle zu diesem Fest zusammenkommen, die solche Arbeit mit jungen Menschen unterstützen wollen und selbst für eine starke Gemeinschaft einstehen.
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