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Point of Sale bleibt ganz real

Mirko Rüsing, Geschäftsführer Media Markt (rechts), Denise Gunkelmann, „Wunderbar Unverpackt“ und Sascha Hummel, Vorstand AAI. Foto: Falk-Martin Drescher/AAI

Zwei Unternehmer berichten Kollegen aus dem Handel von ihrem Weg in die Zukunft.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 18.12.2017.

Braunschweig. Der „Point of Sale“ (der Ort, wo verkauft wird) liegt auch zukünftig in der realen Welt, das Geschäft läuft vor allem von Mensch zu Mensch – da sind sich die Handelsprofis einig. „Der Point of Sale im Wandel – Einkaufserlebnisse der Zukunft“ war Thema beim vierten Impuls-Treffen des AAI (Arbeitsausschuss Innenstadt) in der Galerie Jaeschke.

Feuer der Begeisterung
„Meine Bedingung für diesen Vortrag war, dass der geschätzte Kollege von Saturn nicht anwesend ist – jetzt sitzt er da“, Mediamarkt-Chef Mirko Rüsing startete seinen Auftritt mit einem Scherz. Denn „wir verstehen uns prächtig“, versicherte er und begrüßte seinen Mitbewerber herzlich.
Rüsing nahm die Gäste mit in das Herz und in die Zukunft seines Mediamarktes, der gerade – nach 30 Jahren – komplett auseinandergenommen, umgebaut und wieder neu zusammengesetzt wird. Und dieses Herz für den Verkauf schlägt vor allem in der Brust des Chefs. „Ich versuche, in meinen Mitarbeitern das gleiche Feuer zu entfachen, das in mir brennt“, sagte er, „sie haben eine emotionale Bindung an das Haus, sind stolz, Mitarbeiter in diesem Media Markt zu sein“, versicherte er.
Klar, es sei nicht immer alles Honigschlecken, es gibt auch Probleme. „Aber wir haben eine Kultur der klaren Worte, der offenen Kommunikation.“ Jeden Freitag, kurz vor zehn, trifft sich der Chef mit seiner Mannschaft, dann bringen sie sich auf Kurs.
Gute Mitarbeiter sind die wichtigste Hausnummer für Rüsing, Lehrstellen, so erklärt er auf Nachfrage, kann er schon länger nicht mehr alle besetzen, weil der Nachwuchs fehle. Für einige junge Menschen sei schon die Ansage „Öffnungszeiten samstags bis 20 Uhr“ ein K.-o.-Kriterium. Umso wertvoller ist ihm das Team, das er hat. Dem vertraut er, darauf baut er. „In den einzelnen Abteilungen können die Mitarbeiter bestimmen, welche Artikel sie wo stehen haben wollen“, gibt Rüsing ein Beispiel, „sie kennen ihre Kunden viel besser als ich, sie wissen, was Sinn macht.“
Mit der Sanierung hat der Marktchef die Weichen für die Zukunft gestellt. Sein „Point of Sale“ aber ist und bleibt der stationäre Handel. „Wir nehmen die Online-Vorteile mit, nutzen sie für uns und unsere Kunden, aber das Geschäft läuft von Menschen für Menschen.“
Beratung und Service seien die Fundamente, auf denen eine Kundenbindung steht. „Wir verkaufen nur, was wir auch selber kaufen würden“ ist so ein Kernsatz, den Rüsing seinen Mitarbeitern immer wieder ins Stammbuch schreibt.
Digitalisierung und Technik nutzen, um die klassischen Werte zu stärken, das Beste für den Kunden rausholen, das ist sein Konzept. Dazu gehören digitale Preisschilder, mit denen auf Sonderangebote im Netz reagiert werden kann, Live-Kochshows, ein Drohnenflugplatz, ein eigener Musik-Streaming-Dienst, Lieferroboter und auch Online-Terminals.
Zum Beispiel online bestellen, aber im Markt abholen. „Alle Geräte können Sie bei uns funktionsbereit und perfekt eingestellt mit nach Hause nehmen, das geht online nicht“, macht er an einem Beispiel deutlich.
In kleinen Schritten
Während Mirko Rüsing ein „altes Flagschiff“ zukunftsfähig umbaut, ist Denise Gunkelmann mit einem ganz neuen Projekt erfolgreich gestartet. „Wunderbar Unverpackt“ heißt ihr besonderer Supermarkt an der Fallersleber Straße. „Ich habe so viele Filme gesehen über Korallenriffe, Schildkröten und andere Meerestiere, die unter unserem Plastikmüll leiden, ich will einfach etwas tun, um das zu ändern.“
Und das hat sie. Ihre Kunden kommen mit Behältern, die Waren werden lose abgewogen. Wer spontan kommt, kann Ware im Glas mitnehmen. Anfangs gab es Schwierigkeiten mit Lieferanten, die erst überzeugt werden mussten, ihre Schokolade, den Lebkuchen oder Pfeffer lose in großen Verpackungen zu liefern. „Aber inzwischen sind alle überzeugt“, sagt die junge Frau. Sie hatte einen Film mitgebracht, den das Portal Studi38 aus dem BZV Medienhaus gedreht hatte, der gab den Gästen in der Galerie einen guten Eindruck von dem offensichtlich sehr schönen, modernen und dennoch gemütlichen Geschäft: Ganz traditioneller Tante-Emma-Laden, mit modernen Strukturen unterlegt.
„Um mein Geschäft bekanntzumachen, nutze ich die sozialen Medien, poste auf Facebook, Twitter und Instagram. Aber auch die klassischen Anzeigen in Zeitungen haben mir gut geholfen.“ Über Pressemitteilungen hatte sie die Neugier der lokalen Journalisten geweckt, es gab Berichte über sie und ihr Geschäft unter anderem in der BZ, Braunschweig bietet... und der NB.
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