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Parken ja, aber nicht mehr gratis

Die Stadt Braunschweig hatte Einwohner zur Informationsveranstaltung über das geplante Parkraummanagement im Östlichen Ringgebiet eingeladen. Foto: T.A.

Östliches Ringgebiet: Stadtplaner schlagen vor, dass das Parken in Teilbereichen kostenpflichtig werden soll.

Von Marion Korth, 23. Juni 2015.

Braunschweig. Parkscheinautomaten und Anwohnerparkausweise, dazu häufigere Politessenpatrouillen – so sieht verkürzt die Handlungsempfehlung für Teilbereiche des Östlichen Ringgebiets aus, um das Parkplatzproblem (die nB berichtete mehrfach) in den Griff zu bekommen. Jetzt hat das von der Stadt beauftragte Fachbüro SHP Ingenieure die Ergebnisse seiner Erhebung im Congresssaal der Stadthalle vorgestellt.
Am Anfang der Untersuchung haben die Ingenieure sich wie die Pfadfinder auf den Weg gemacht, sind Straßenzug um Straßenzug abgegangen, haben Stellplätze gezählt, Parkzeiten erfasst, um herauszubekommen, wer Anwohner und wer „Quartiersfremder“ ist. Rund 120 Anwohner waren am Donnerstagabend in die Stadthalle gekommen, um zu erfahren, was dabei herausgekommen ist.

Das Ergebnis: Es gibt Bereiche, speziell westlich des Altewiekrings und östlich davon, angrenzend an das Stadthallenquartier, wo es selbst tagsüber schwierig ist, einen Parkplatz zu finden. Hier sehen die Stadtplaner vorrangigen Handlungsbedarf. Ihr Vorschlag, um die Situation für die Anwohner erträglicher zu machen: „Wir empfehlen eine finanzielle Bewirtschaftung und eine intensive Überwachung“, sagte Jörn Janssen (SHP Ingenieure) – sprich, Parkscheinautomaten und Politessen. Die Anwohner haben die Möglichkeit, eine Ausnahmegenehmigung bei der Stadt zu beantragen. Die Kosten dafür, derzeit 30,70Euro je Jahr und Fahrzeug, seien zumutbar. Eine „Brötchentaste“ am Parkscheinautomaten, mit der ein 15-Minuten-Gratisticket gezogen werden kann, um kleinere Besorgungen machen zu können, sei sinnvoll, ebenso ein Tagesticket, um die Belange von Besuchern zu berücksichtigen. Das Ziel sei es aber, beispielsweise Beschäftigte, die in der Innenstadt arbeiten und die zeitliche Parkzeitbegrenzung in anderen Quartieren umgehen wollen, aus dem Östlichen Ringgebiet zu verdrängen. „Aber das bringt doch nichts“, wandte ein Anwohner ein. Schließlich würden nachts (nachgewiesenermaßen) fast ausschließlich Anwohner im Östlichen Ringgebiet parken und für die reicht die Zahl der Parkplätze schlicht nicht aus. Die Ingenieure führen Erfahrungen aus anderen Städten an. „Wir wissen nicht warum, aber dort hat es auch nachts eine Entspannung gegeben, nachdem die Bewirtschaftung eingeführt worden ist.“ Zudem steige die Chance auf Verbesserung, weil die Überlagerung mit dem Wirtschaftsverkehr im Abendbereich wegfalle, meinte Klaus Benscheidt, Fachbereichsleiter Tiefbau und Verkehr.
Nachts um 3 Uhr stehen im gesamten Gebiet 8445 Stellplätzen 8201 Kraftfahrzeuge gegenüber, wobei in einigen Bereichen die Autos fast übereinander stehen. Die Ingenieure haben aber 640 potenzielle Parkplätze auf Supermarktgrundstücken, an der Berufsschule, der TU oder der IGS gezählt. In Hannover stellt beispielsweise ein Edekamarkt zwischen 22 und 6 Uhr seinen Parkplatz Anwohnern frei zur Verfügung. Eine Möglichkeit, die auch in Braunschweig in Absprache mit den Eignern dieser Flächen denkbar sei. Stellplätze für
Carsharingautos oder auch die Förderung „fahrzeugarmen Wohnens“ könnten weitere flankierende Maßnahmen sein. Wenig realistisch halten die Ingenieure jedoch den Bau von Quartiersgaragen – wegen der Kosten und mangels geeigneter Flächen.
Im Hinausgehen sagt eine Zuhörerin: „Ich sehe das Ganze völlig entspannt, es ist ein Luxus, in der Stadt ein Auto zu haben.“ Ihre erwachsenen Kinder könnten nicht auf ein Smartphone verzichten, aber für ein eigenes Auto interessieren sie sich nicht.
Noch herrschen jedoch andere Zeiten. „Mit 550 bis 600 Fahrzeugen je 1000 Einwohnern hat Braunschweig eine der höchsten Pkw-Dichten in der Bundesrepublik“, hatte Janssen einführend gesagt.

Schaubilder zu den Erhebungenfinden sich auch auf den Internetseiten der Stadt.
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