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Operation am schlagenden Herz

Im Klinikum Braunschweig erstmals Herzklappen nach neuem Verfahren implantiert.

Von Martina Jurk, 05.08.2012.

Braunschweig. Anneliese Korff (89) und Egon Jörke (75) sind vier Tage nach einer Herzklappen-Operation schon wieder fit. Sie sind die ersten Patienten des Herzzentrums am Klinikum Braunschweig, bei denen eine neue OP-Technik angewendet wurde.

Das neuartige Verfahren heißt interkonventionelle, kathetergestützte Aortenklappenimplantation (TAVI = Transcatheter Aortic Valve Implantation). Behandelt werden kann mit dieser Methode eine hochgradige Verkalkung der Aorten-Herzklappe. „Menschen erkranken mit zunehmendem Alter immer häufiger daran“, sagt Dr. Wolfgang Harringer, Chefarzt der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie. Die Symptome seien Atemnot, Druckgefühl in der Brust und plötzliche Ohnmacht. „Für diese Herzklappenerkrankung gibt es keine Medikamente“, so Harringer.
Bei der herkömmlichen, klassischen OP wird der Brustkorb geöffnet, der Patient an die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen, die alte Herzklappe entfernt und durch eine neue ersetzt. Es wurde nach Alternativen gesucht für Patienten mit einem hohen Risiko durch Begleiterkrankungen oder sehr hohem Lebensalter. Mit der inzwischen allgemein anerkannten Technik für Hochrisikopatienten kann ohne Herz-Lungen-Maschine am schlagenden Herzen die Klappenprothese mittels Katheter über die Leiste oder die Herzspitze eingesetzt werden. „Das bedeutet eine geringere Belastung für den Patienten, und er ist schneller wieder fit“, nennt Oberarzt Dr. Marcel Anssar, Bereichsleiter Herzchirurgie, die Vorteile der neuen Methode.
Anneliese Korff und Egon Jörke sind augenscheinlich der beste Beweis. Nach vorhergehenden Operationen wollten sich beide keinem Risiko mehr aussetzen. „Ich hätte das nicht mehr machen lassen. Aber jetzt geht es mir gut. Ich bekomme ganz normal wieder Luft“, ist die 89-Jährige froh, ein verbessertes Leben führen zu können. Ein acht bis zehn Zentimeter langer Schnitt an der linken Brustkorbseite ist alles, was von dem Eingriff zu sehen ist.
„Nicht jeder Patient mit dieser Herzklappen-Verengung kann nach dieser Methode behandelt werden“, betont Dr. Harringer. Das Risiko werde bei jedem Patienten individuell berechnet. Bei „normalen“ Patienten sei die klassische OP mit weniger Risiken verbunden, stellt der Mediziner klar. „Das neue Verfahren ist komplizierter und aufwendiger als das herkömmliche. Wir sehen nur über einen Röntgenmonitor, was wir tun“, erklärt Oberarzt Dr. Thomas Pomykaj.
Die Methode wurde vor zehn Jahren in Frankreich entwickelt, klinisch angewandt erstmals vor drei Jahren. Das Braunschweiger Klinikum beschäftigt sich seit zwei Jahren damit. Herzchirurgen und Kardiologen arbeiten dabei eng zusammen und sind an der OP auch gemeinsam beteiligt. Betreut wurde das Implantationsteam durch einen erfahrenen Herzchirurgen aus Karlsruhe, deutschlandweit eines der führenden Zentren mit dieser Technik.
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