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Oldtimer als Brücke zur Heimat

Anke und Peter Erdmann mit ihren Oldtimern. Fotos: Ammerpohl

Zwei Wahl-Braunschweiger sammeln Autos und Motorräder aus der DDR.

Von Andreas Konrad, 03.10.2015.

Braunschweig. Benzin im Blut hatte Peter Erdmann schon immer. Bereits in der DDR fuhr er einen Skoda S 100, damals durchaus ein Luxus-Automobil. „Den habe ich gebraucht gekauft“, erzählt der 59-Jährige, „und er hat mich nur einmal im Stich gelassen, später im Westen.“ Den Skoda gibt es inzwischen nicht mehr, dafür hat Erdmann im Laufe der Jahre fast alle Modelle auf zwei und vier Rädern aus der ehemaligen DDR besessen, und von einigen wird er sich wohl nie trennen können.

So richtig los ging Erdmanns Leidenschaft, alte Fahrzeuge zu sammeln, eigentlich erst nach der Wende. Der gebürtige Seehausener (Börde) kam früh nach Braunschweig. „Ich hatte damals keine Arbeit, da hat meine Mutter gesagt, geh doch mal rüber“, erzählt er. Das war 1990, so feiern er und seine Frau heute auch ein bisschen ihre persönlichen 25 Jahre Deutsche Einheit. 1990 lernte er Anke in einer Diskothek in Magdeburg kennen. Das war im Februar, und bereits im Juni kam sie auch nach Braunschweig, 1994 wurde dann geheiratet, am Datum des Kennenlernens vier Jahre zuvor in der Disco.
Anke trägt die Leidenschaft ihres Mannes mit: „Wir fühlen uns sehr wohl hier in Braunschweig, aber Magdeburg und der Osten sind eben Heimat“, bekennt die 45-Jährige. Und es gibt genau zwei Dinge, die das Ehepaar Erdmann daran festmacht: den 1. FC Magdeburg, den sie genauso lieben wie Eintracht Braunschweig, und die Oldtimer.
Drei Exemplare hat Erdmann zur Zeit noch. „Früher hatte ich ein ganzes Museum, aber irgendwann fehlte der Platz“, blickt er zurück. So sind ein original Militär-Trabant von 1971, der früher an der innerdeutschen Grenze im Einsatz war, eine Simson SR 2 von 1960 und als Prachtstück der Sammlung ein überaus seltener Piccolo Krause Trumpf Jahrgang 1959 übriggeblieben. Die Firma Louis Krause produzierte ab 1940 in Leipzig Kriegsversehrtenfahrzeuge, darunter den Piccolo Trumpf. Die zweite Generation, aus der Erdmanns Modell stammt, wurde von 1958 bis 1965 mit einer Stückzahl von etwa 4500 produziert. Heute ist er kaum zu bekommen. Sucht man bei eBay nach einem Exemplar, wird nicht einmal eine Handvoll aus Polen angeboten. Keiner davon in einem derart top restaurierten Zustand wie Erdmanns. „Mir ist wichtig, dass alle meine Oldtimer im Originalzustand und auch fahrbereit sind“, erklärt Erdmann. Im Sommer ginge es schließlich vor allem im Trabbi gemeinsam mit seiner Frau auf Ausfahrten. Gern besuchen die beiden auch Oldtimer-Messen und -Ausstellungen. „Da werde ich um den Piccolo Krause oft beneidet“, sagt Erdmann nicht ohne Stolz. Ob es denn noch ein Modell gäbe, welches Peter Erdmann noch nicht gehabt hätte, wollen wir abschließend wissen. „Ein Simson SL 1“, sprudelt es aus ihm heraus. Und sofort beginnen seine Augen zu leuchten. Eine echte Sammel-Leidenschaft kann nicht einfach enden.
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