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„Ohne Fahrer läuft fast nichts“

Adalbert Wandt ist Speditionsunternehmer und auch Präsident des Bundesverbandes Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung. Foto: T.A.
 
Viel zu gucken und zu lernen beim Zukunftstag auf dem Gelände der Spedition Wandt, bei dem die Logistikbranche um Berufsnachwuchs warb. Foto: T.A.

Logistikbranche sorgt sich wegen fehlenden Berufsnachwuchses und wirbt um Auszubildende.

Von Marion Korth, 09.04.2014.

Braunschweig. Der Wettbewerb zwischen den Unternehmen um junge Auszubildende ist hart. Erstmals fand auf dem Gelände der Spedition Wandt ein Aktionstag für Schüler statt. Das Ziel: für die Ausbildung zum Berufskraftfahrer zu werben.

Das war keine Privatveranstaltung der Spedition Wandt, wie Geschäftsführer Adalbert Wandt betont. Gemeinsam mit der Initiative „Hallo, Zukunft!“ des Verlags Heinrich Vogel und Mitinitiator Toll Collect – dem Mautbetreiber in Deutschland – geht es darum, Nachwuchs für die gesamte Logistikbranche zu finden. Die Spedition Wandt steht dabei stellvertretend für rund 4400 Transport- und Logistikunternehmen in Niedersachsen. Adressaten waren in diesem Fall rund 150 Realschüler der achten und neunten Klassen aus Braunschweig. „Das sind die gleichen Kandidaten, die auch das Handwerk sucht“, sagt Wandt. „Der attraktivste Ausbildungsbetrieb gewinnt.“

Mit zahlreichen Aktionen soll das Image der Branche aufpoliert werden. Den Schülern wurde Gelegenheit gegeben, den Arbeitsplatz Lkw kennenzulernen, praktische Themen wie die Frachtsicherung spielten ebenso eine Rolle, wie Informationen über den Ausbildungsweg und die Berufsaussichten. Die Verkehrs-AG, aber auch das Jobcenter und die Heinrich-Büssing-Schule als Berufsschule für die angehenden Kraftfahrer beteiligten sich.

Über die Nachwuchssorgen der Branche sprach die neue Braunschweiger mit Adalbert Wandt, dem Präsidenten des Bundesverbandes Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung.


? Wir lesen jeden Tag über Staus, schwere Lkw-Unfälle, übermüdete Fahrer, Termindruck und nicht eingehaltene Lenkzeiten: Hat die Branche nicht zu Recht ein Imageproblem?

! Ja, wir haben ein Imageproblem. Das Bild ist richtig, aber es kommt verzerrt an. Aber warum ist das so? Auf unseren Straßen haben wir mittlerweile 40 Prozent Anteil ausländischer Lkw, nicht nur aus der EU, sondern aus insgesamt rund 40 Nationen. Wir haben es also mit Verlusten und Wettbewerbsdruck zu tun, rumänische Speditionen sind billiger als wir. Und da ist die Verkehrsproblematik mit der noch immer nicht fertiggestellten A 39 und den vielen Baustellen. Entsprechend viel Verkehr haben wir auf der A 2. Das Volumen reicht gerade noch bei drei Spuren, bei zwei Spuren geht es nicht mehr. Infolge von Bauarbeiten kommt es deshalb immer wieder zu Staus und auch zu Unfällen. Trotz höherer Fahrleistung ist die Unfallbeteiligung von Lkw aber statistisch gesehen insgesamt zurückgegangen. Auch die Fahrzeugsicherheit erhöht sich, das ist ein Prozess. In neuen Fahrzeugen sind zum Beispiel Abstandwarner eingebaut. Die digitalen Tachographen lassen sich nur mit krimineller Energie manipulieren. Die Einhaltung der Lenkzeiten liegt also nicht mehr im Ermessensspielraum des Fahrers. Die Daten werden zwei Jahre aufgehoben und auch kontrolliert. Natürlich müssen die Fahrer auch mal nachts arbeiten, aber sie sind schon lange nicht mehr eine Woche weg und auf der Straße unterwegs.

? Warum sollte jemand Ihrer Meinung nach Berufskraftfahrer werden?

!Das ist ein Beruf, in dem man nicht arbeitslos werden kann. 110 Kilo Ware werden pro Mensch und Tag bewegt. Lebensmittel, Gebrauchsgüter, aber auch Sprit. Viele Waren werden mehrfach umgeschlagen, Beispiel Autoproduktion. Der Fahrerberuf ist wesentlich wichtiger, als die meisten denken. Müllabfuhr, Möbeltransport, Tiefkühlservice, Busverkehr, Internethandel – für all diese Tätigkeiten braucht man Fahrer. Die Ausbildung geht über drei Jahre, im ersten Jahr mit zwei Berufsschultagen in der Woche. Dass wir hier in Braunschweig die Heinrich-Büssing-Schule für unseren Berufsnachwuchs haben, ist schön. Der Führerschein, der kostet so um die 6000 Euro, wird vom Arbeitgeber bezahlt. Mit dem in der Tasche findet man auf jeden Fall Arbeit, es sei denn, man wird krank oder macht Blödsinn.

? Wie dringend ist der Nachwuchsbedarf in der Logistikbranche?

! In den 1990er Jahren haben wir nach der Grenzöffnung mächtig profitiert von den Männern, die in der Armee ihren Lkw-Führerschein gemacht haben. Das ist jetzt vorbei. Bundesweit werden jährlich 30 000 Berufskraftfahrer gebraucht. Ungefähr 7000 wechseln aus anderen Berufen in unsere Branche, 3000 junge Leute haben wir in der Ausbildung. Die Lücke ist also trotzdem noch groß. Wir brauchen Auszubildende, aber auch noch mehr Ausbildungsbetriebe.
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