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Östliches Ringgebiet: Morgens um 7 ist die Welt in Unordnung

Stefan Fränkel hat Verständnis für die Parkplatzsorgen der Anwohner, aber wenn der Schulweg so zugeparkt ist, dass die Sicht auf die Kinder versperrt wird und keine Feuerwehr mehr durchkommen kann, dann ärgert er sich über deren Rücksichtslosigkeit. Foto: Thomas Ammerpohl
 
Stefan Fränkel waltet seines Amtes: Parken direkt im Kurvenbereich ist verboten – auch ohne spezielle Kennzeichnung. Foto: T.A.

Wenn selbst der Schulweg zugeparkt ist, wird Polizist Stefan Fränkel sauer.

Von Marion Korth, 15. Mai 2015.

Braunschweig. „Da kommt mir die Galle hoch.“ Stefan Fränkel lenkt den grün-weißen Transporter an den Straßenrand und holt den „Knöllchenblock“ hervor. Für vieles hat er Verständnis, für das hier nicht: Vor der Schule ist kaum ein Durchkommen. Die Sperrkennzeichnung in den Kurvenbereichen ist nur noch ansatzweise zu erkennen, die Striche verschwinden unter geparkten Autos. Fränkel beginnt, Kennzeichen zu notieren.

Die Fußwege sind versperrt, die Sicht auf die Kinder verdeckt. Jetzt, kurz vor Unterrichtsbeginn kommen sie aus allen Richtungen – zu Fuß, mit dem Rad und auf dem Skateboard. Oder mit dem Auto, chauffiert von Mama oder Papa. „Das tägliche Chaos“, sagt Fränkel. Vor den Kitas geht es morgens genauso zu.
Der Kontaktbeamte dreht jeden Tag seine Runde durchs Östliche Ringgebiet, er hat uns angeboten, mitzukommen. Strafzettel könnte er hier ohne Ende ausfüllen, Falschparker, wohin man schaut. „Wenn ich die alle aufschreiben würde, käme ich zu gar nichts anderem mehr“, sagt er. Die Masse der Parksünder überlässt er den Politessen, die Arbeitsteilung hat sich bewährt. Fränkel hat die Schulwegsicherung im Auge, achtet darauf, dass die Kinder ohne zusätzliche Gefährdung ihr Ziel erreichen, die Rettungswege für die Feuerwehr frei sind. „Zum Glück hat es hier noch nicht gebrannt“, sagt er nachdenklich. Die Häuser sind so hoch, dass die oberen Stockwerke ohne Leiter nicht mehr zu erreichen sind. Aber der Leiterwagen ist lang, benötigt zusätzlich Raum, um seine Stützen ausfahren zu können. Aber wer denkt da dran, wenn er das Auto abends irgendwo abstellt, egal ob Halteverbot oder nicht?
„Die Leute sind schon irgendwie in der Bredouille“, sagt der Polizeibeamte. Und manche sind einfach nur dreist. „Den da drüben, den habe ich bestimmt schon zehn Mal aufgeschrieben.“ Einen Wiederholungstäter hat er mal direkt angesprochen. „Ich habe ein Budget für die Tickets“, habe der ihm ins Gesicht gesagt. „Da muss ich von Vorsatz ausgehen“, meint Fränkel und ärgert sich über die viel zu geringen Bußgelder. Zehn Euro fürs Falschparken – keine wirkliche Strafe für jemanden, der sich die hohen Mieten im Östlichen Ringgebiet leisten kann. Teilweise lässt sich an den Kennzeichen ablesen, wer da wo welche Stellung hat. All die Dienstwagen müssen irgendwohin. Richtung Karlstraße werden die Autos kleiner und älter – das soziale Gefüge lässt sich im Vorbeifahren ablesen. In Berlin bleibt es nicht beim Bußgeld. „Da wird rigoros abgeschleppt“, sagt Fränkel. Das ist dann richtig teuer.
In den vergangenen Jahren hat sich die Parkplatzsituation eher noch verschärft. Für Fränkel ist keine Frage, dass durch Straßenneugestaltungen und Sicherheitsanforderungen Parkplätze verloren gegangen sind (nB vom 2. Mai). Beispiel Allerstraße: „Sechs Parkplätze weg am Wendehammer.“ Dort war es vorher für die Feuerwehr zu eng. Beispiel Roonstraße: Zwei Parkplätze weg, da stehen jetzt Fahrradständer. Und die Autos? „Das sind die beiden, die da vorn auf dem Gehweg parken“, sagt Fränkel. Beispiel Thielemannstraße: „Da kam die Müllabfuhr nicht durch, da darf nur noch einseitig geparkt werden“, sagt Fränkel. „Die Anwohner halten sich zu 98 Prozent daran.“
Um den Anwohnern ein bisschen entgegenzukommen, hätte er schon den ein oder anderen „kreativen Lösungsvorschlag“. An der Ebertallee gibt es eine geschotterte Fläche, eigentlich ideal zum Parken. Oder auf dem breiten Fußweg an der Herzogin-Elisabeth-Straße, die Papiercontainer stehen da ja auch, warum nicht nachts auch Autos? Oder die Freifläche an der Gliesmaroder Straße, wohin schon der ein oder andere ausweicht.
Um 9 Uhr ist der Spuk vorbei. Die meisten sind auf dem Weg zur Arbeit. Jetzt kann man im Östlichen Ringgebiet nicht nur schöner wohnen, sondern auch schön parken – zumindest ein paar Stunden lang.

DAS SAGT DIE STADT

Derzeit wird an einem Parkraummanagement für das Östliche Ringgebiet gearbeitet. Nach Mitteilung der Stadtverwaltung wird es voraussichtlich Ende Juni öffentlich vorgestellt und dann von den politischen Gremien diskutiert. Mit Hinweis darauf will die Verwaltung sich im Augenblick nicht auf Einzelfragen einlassen.
Grundsätzlich wird es jedoch bei zukünftigen Regelungen weniger darum gehen, an einzelnen Stellen noch Parkraum mehr schlecht als recht „herauszupressen“, sondern es sollte aus Sicht der Verwaltung eher versucht werden, durch neue Regelungen (ähnlich wie beim Gebiet um die Stadthalle) Parkraum wirklich nur denen verfügbar zu machen beziehungsweise diejenigen zu bevorrechtigen, die in dem Bereich wohnen oder dort etwas zu erledigen haben (Arztbesuch, Geschäfts- und Bürokunden).
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7 Kommentare
18
Frank Gebauer aus Braunschweig - Nordstadt | 16.05.2015 | 11:04  
226
Braunschweiger Bürger aus Braunschweig - Innenstadt | 16.05.2015 | 11:58  
9
Frank Hilmar aus Braunschweig - Innenstadt | 16.05.2015 | 13:56  
6
Frank Gebhard aus Östliches Ringgebiet | 16.05.2015 | 22:34  
18
Frank Gebauer aus Braunschweig - Nordstadt | 17.05.2015 | 06:58  
6
Otto Fricke aus Braunschweig - Innenstadt | 18.05.2015 | 17:07  
18
Peter Fritsche aus Östliches Ringgebiet | 18.05.2015 | 17:28  
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