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Nicht nur meckern – Verantwortung übernehmen

Oberbürgermeister Ulrich Markurth (rechts) ehrte Heino Plate, Günter Bengelsdorf und Andreas Langrock. Die Festrede hielt der stellvertretende VW-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Stephan Wolf (ganz links). Foto: Thomas Ammerpohl

Stadt ehrt „verdiente Arbeitnehmer“ – Empfang in der Dornse – Festrede hält stellvertretender VW-Gesamtbetriebsratsvorsitzender Stephan Wolf.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 26. März 2016

Braunschweig. „Ich danke Ihnen für die Zeit, die Kraft, das Durchhalte- und Durchsetzungsvermögen“, sagte Oberbürgermeister Ulrich Markurth zu den drei Männern, die am Montagabend in der Dornse als „verdiente Vertreter der Braunschweiger Arbeitnehmerschaft“ geehrt wurden.

Heino Plate (IG Metall), Günter Bengelsdorf (Gewerkschaft der Polizei) und Andreas Langrock (IG Bau) stünden exemplarisch für das, was die Gesellschaft zusammenhalte: „Verantwortung übernehmen“, betonte Markurth. „Das unterscheidet Sie von denen, die nur meckern“, fügte er an, „uns vereint das engagierte Eintreten für die Demokratie“, lobte er das Ehrenamt.
Vor rund 160 Gewerkschaftern und Vertretern der Politik hielt Markurth eine leidenschaftliche Rede auf die Zukunft. An erster Stelle stand die Sorge um VW. „Wir haben reagieren müssen“, sprach er von dem neuen Haushalt, der unter den zu erwartenden Einbußen deutlich anders aussehe. „Wir mussten Ausgaben zurückfahren, Einnahmen neu generieren. Spaß hat das nicht gemacht“, merkte er an, „aber nett und Krise – das passt nicht zusammen.“ Markurth betonte dann aber die Chancen, hier vor allem die der Weiterentwicklung der Elektromobilität. „Es klingt manchmal ein wenig wie Science-Fiction, aber es gibt schon so viele Prototypen – es läuft und fährt ja schon.“
Vor allem müssten die Menschen mitgenommen werden, die Stadt habe in ihrer Geschichte immer Erfolg gehabt, wenn sie auf Zuwanderung und Gemeinsamkeit gesetzt habe. Ausdrücklich warnte er vor einem „Ruck nach rechts“, auch viele Menschen aus den Gewerkschaftsbewegungen seien davor nicht gefeit.
Immerhin – in Braunschweig sei Bragida nach wie vor nur „ein Häufchen Unbelehrbarer. Darauf bin ich ein bisschen stolz“, sagte Markurth. Dabei lobte er ausdrücklich die Kollegen der Polizei, zu deren Aufgabe es immer mehr gehöre, auch „solche“ Demonstrationen zu schützen.
Gastredner Stephan Wolf (stellvertretender VW-Gesamtbetriebsratsvorsitzender) sprach über „Dieselgate und die Folgen.“ Der Schock der Krise sitze bei allen noch immer sehr tief. Was aber gar nicht gehe, sei, dass jetzt die Belegschaft die Zeche zahlen solle. „Wir werden es nicht dulden, dass die Marke schlecht geredet wird“, betonte Wolf. Es kursierten Pläne zum massiven Stellenabbau, das Verhältnis zwischen Management und Belegschaft habe stark gelitten.
In der jetzt anstehenden Tarifrunde müsste die Unternehmerseite nachbessern. 2006 habe die Belegschaft mit der Arbeitszeitverlängerung ohne Lohnausgleich bewiesen, dass sie bereit sei, Opfer zu bringen. Jetzt aber soll der Lohn um fünf Prozent steigen. „Ich bin gespannt, ob das Unternehmen versucht, die Arbeiter die Zeche zahlen zu lassen“, sagte Wolf, „das werden wir nicht zulassen.“ Wirtschaftlichkeit und Beschäftigung müssten gleichrangige Unternehmensziele bleiben. Und das gelte selbstverständlich auch für die Leiharbeiter in den Volkswagenwerken.
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