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Neue Klinik, neuer Chefarzt, neues Haus

Privatdozent Dr. Thomas Fühner ist Chefarzt der neuen Klinik für Pneumologie und Beatmungsmedizin. Foto: Peter Sierigk/oh

Nach der Schließung des Krankenhauses St. Vinzenz hat das Städtische Klinikum Versorgungslücke geschlossen.

Von Marion Korth, 11.07.2017.

Braunschweig. Zum „Haus der Lunge“ hatte sich das St. Vinzenz-Krankenhaus weiter spezialisieren wollen und stattdessen die Kehrtwendung gemacht. Die Nachricht, dass das Haus geschlossen wird, hatte die Stadt Braunschweig Ende vergangenen Jahres überrascht und unter Zugzwang gesetzt. Jetzt verkündete Oberbürgermeister Ulrich Markurth, der Aufsichtsratsvorsitzender des Städtischen Klinikums ist: „Wir haben in rasendem Tempo die Lücke geschlossen und haben jetzt sogar etwas Besseres als vorher.“

„Die Lücke geschlossen“
Am 1. Juli hat die neu gegründete Lungenklinik mit Chefarzt und Privatdozent Dr. Thomas Fühner an der Spitze ihre Arbeit aufgenommen. Schon im nächsten Jahr soll der Neubau für die Klinik am Standort Salzdahlumer Straße fertiggestellt sein.

Weder die Ausweitung der bestehenden Abteilung für Pneumologie zu einer eigenständigen Klinik noch der Neubau hätten ohne die Schließung von St. Vinzenz die Zustimmung des Landes als großem Kostenträger gefunden noch seien sie sonst geplant gewesen. Glück im Unglück: „Wir befanden uns gerade in einem Umdenkungsprozess, als die Nachricht von der Schließung kam, weshalb wir am Ende ein Klinikum aus einem Guss haben werden“, erläuterte Dr. Andreas Goepfert, Geschäftsführer des Klinikums. Die Pläne für den Umbau- und Neuordnungsprozess des Klinikums seien schließlich zehn Jahre alt und hatten den aktuellen Anforderungen angepasst werden müssen. Am „Ende“ dann – das könnte im Jahr 2023 sein – will das Klinikum den Umbauprozess zur Klinik mit nur noch zwei Standorten abgeschlossen haben. Jetzt aber wird erst einmal der Neubau für die Lungenklinik eingeschoben – eine Übergangslösung für die nächsten Jahre. Das Land habe noch nicht entschieden, in welcher Höhe es sich anteilig an den Kosten beteiligen wird. Fürs Klinikum entstünden in jedem Fall Mehrkosten, sagte Markurth.

Professor Dr. Matthias P. Heintzen, Chefarzt der Medizinischen Klinik II, der die Pneumologie bislang in seinem Verantwortungsbereich hatte, nimmt den Verlust sportlich: „Wir waren an der Obergrenze, das ist jetzt eine vernünftige Lösung.“ Der Wegfall von rund 90 Betten in St. Vinzenz habe für alle den Belastungstest bedeutet. Viele der Lungenpatienten, die dort behandelt wurden, hätten schwere, chronische Leiden, müssten zum Teil beatmet werden. Ein Großteil dieser Patienten sei ans Klinikum gewechselt. Heintzen bedankte sich ausdrücklich bei seinen Kollegen für ihre Einsatz.

Mit der neuen Lungenklinik werden die Kapazitäten des Klinikums in diesem Fachbereich deutlich erhöht, die Therapiemöglichkeiten vertieft. Unter anderem werden acht Schlaflaborplätze und zusätzliche Isolationsbetten (zum Beispiel für die zunehmende Zahl von Tuberkulosekranken) geschaffen, dazu kommt eine Überwachungseinheit mit so genannten Weaningbetten, wo die Patienten von der maschinellen Beatmung entwöhnt werden können. „Noch in diesem Jahr wollen wir uns zum Lungenkrebszentrum zertifizieren lassen“, kündigte Chefarzt Fühner an.
„Viele neue Therapien, viele chronisch Kranke, viel Medizintechnik“, so beschreibt Pflegedirektor Ulrich Heller die Herausforderungen für seine Mitarbeiter. Durch Fortbildungen hätten sie sich zu Atempflegekräften spezialisiert, zudem wäre zehn Pflegekräfte aus St. Vinzenz ans Klinikum gewechselt.

Spezialist von der MHH
Ein Glücksfall, wie der neue Chefarzt Dr. Fühner, der 13 Jahre lang an der Medizinischen Hochsachule Hannover „das ganze universitäre Spektrum“ kennengelernt hat und sozusagen Fachmann für die schwere Fälle der Pneumologie ist. Fühner beschäftigte sich im Schwerpunkt mit fortgeschrittenen Lungenerkrankungen und auch Transplantationen sowie der Diagnostik.
Auch wenn aktuelle Zahlen eine Trendwende andeuten, „es wird unglaublich viel geraucht“, sagt Fühner. Das Rauchen sei in 90 Prozent der Fälle Auslöser chronischer Atemwegserkrankungen wie COPD, deren Auswirklungen bislang nicht rückgängig gemacht werden können.
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