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Nach dem Bier kommt jetzt die Schokolade

Bühler komplett umgebaut und modernisiert – Auch Anlagen zur Schokoladenherstellung werden jetzt in Braunschweig gebaut.

Von Marion Korth, 16.05.10

Braunschweig. Morgens der Biss ins Brötchen, nachmittags ein Stück Schokolade, abends vielleicht ein Bier mit Freunden. In jedem Fall gilt: Bühler ist niemals weit. Das Unternehmen liefert die Maschinen, um diese Nahrungs- und Genussmittel herzustellen.

Zum Beispiel Siebe fürs Mehl, Walzen und Conchen für die Herstellung feinster Schokolade, Mälzereien fürs Bierbrauen. Und beim Blick hinüber nach Asien ist Bühler stark, wenn es um die Verarbeitung von Reis geht.
In der Beschreibung der Geschäftsfelder liegt zu einem guten Teil die Begründung, warum Bühler die Finanzkrise ohne Kurzarbeit, ohne dramatische Einbrüche überstanden hat. „Wir bedienen viele Marktsegmente, und auf Nahrungsmittel verzichtet man zuletzt“, sagt Uwe Wehrmann, Geschäftsführer von Bühler in Braunschweig. In Indien oder auch Südamerika sei die Finanzkrise ohnehin kein Thema gewesen. Und nicht zuletzt war da ein guter Auftragsbestand, den Bühler abarbeiten konnte. Zwischen sechs Monaten und eineinhalb Jahren dauert die Produktion der Großanlagen.
Ein neues Empfangs- und Bürogebäude, eine neue Produktionshalle, Parkplätze und und und. Sichtbare Zeichen, dass sich viel bei Bühler getan hat. „Aber es geht hier nicht um einzelne Gebäude, es geht um einen Umbau des gesamten Unternehmens“, erläutert Standortchef Wehrmann. Bühler in Braunschweig steht besser da als je zuvor, ist der modernste Standort im Konzern mit seinen rund 7500 Mitarbeitern weltweit. Pünktlich zum 150. Geburtstag des Schweizer Mutterhauses Bühler, das als Familienunternehmen in der vierten Generation geführt wird, ist jetzt alles fertig geworden.
700 Menschen arbeiten in der Ernst-Amme-Straße auf dem Gelände der früheren Miag, der Mühlenbau und Industrie GmbH. Die Industriegeschichte der Miag wird hier seit der Übernahme 1972 fortgeschrieben, der Mühlenbau ist für Bühler noch immer ein Kerngeschäft. 65 Prozent Marktanteil hat das Unternehmen weltweit.
Was die Forschung und Entwicklung im Bereich der Mälzereien angeht, sei Bühler in Braunschweig weltweit führend. Die Schokoladenfabrikation ist dagegen geschäftliches Neuland, sie war vorher in Bad Salzuflen angesiedelt. Als nächste Herausforderung steht der Marktaufbau in Osteuropa an, für den das Braunschweiger Unternehmen die Verantwortung trägt.
„Es ist schon etwas Besonderes, dass ein Schweizer Unternehmen in solchem Umfang in Deutschland investiert“, betont Wehrmann. Kurzfristiges Gewinnstreben sei nicht Sache des Schweizer Mutterhauses. „Wir können hier unsere Strategien langfristig planen.“ Die Investitionen in den Umbau von Bühler Braunschweig, 24,6 Millionen Euro in drei Jahren, wertet Wehrmann auch als Ausdruck des Vertrauens zur Belegschaft. Die Belegschaft steht im Wettbewerb mit anderen Produktionsstandorten zum Beispiel in Amerika oder China. Innovative Produkte, höchstmögliche Produktivität und Effizienz sind die Trümpfe im Wettlauf um Aufträge. „Und die Qualität der Mitarbeiter. Das kann man nämlich nicht von eben auf jetzt aufholen“, fügt Wehrmann hinzu. Die Nähe und Zusammenarbeit mit den Hochschulen wertet er als eindeutigen Pluspunkt für den Standort.
50 Auszubildende hat Bühler in Braunschweig. Auf 14 freie Stellen kamen zuletzt 870 Bewerbungen. Viele Familien arbeiten seit Generationen für Bühler, lange Betriebszugehörigkeiten sind die Regel, nicht die Ausnahme. Dafür ist Uwe Wehrmann selbst ein Beispiel. 25 Jahre ist er für das Unternehmen tätig. Nach der Müllerlehre hat er noch mit einem technischen und betriebswirtschaftlichen Studium draufgesattelt, hat in Braunschweig seine Laufbahn begonnen, war in Südafrika und Nordafrika, baute die Produktion in China mit auf, bevor er 2006 zum dritten Mal nach Braunschweig kam, diesmal als Standortchef.
„Anlagen von Bühler sind nicht die billigsten, aber die besten“, sagt er. „Mit unseren Maschinen erreicht man am meisten.“ Bei den Großsiebanlagen, die bis zu 600 Tonnen Mehl am Tag verarbeiten, sei es schon ein Unterschied, ob die Ausbeute den Wert 80 oder 82 erreicht.
Die Produktion wurde komplett neu strukturiert. Früher ging der Anlagenbau entsprechend der freien Mitarbeiter- und Maschinenkapazitäten vor sich. Heute werden die Aufträge im wahrsten Wortsinn „durchgezogen“. „Wir wissen ja genau, wie lange es dauert, ein bestimmtes Bauteil zu produzieren“, erläutert Wehrmann. Die Bauteile durchlaufen im abgestimmten Rhythmus in einem Zug die Produktionsschritte bis zur Fertigstellung. Das spart Lagerkapazitäten und Verlustzeiten und erhöht die Produktivität.
Die Auswirkungen lassen sich auf dem Firmengelände ablesen: Wo früher „viel Eisen“ gelagert wurde, ist jetzt ein kleiner Park mit Bänken entstanden, ein beliebter Treffpunkt in den Pausen. „Es ist gewünscht, dass unsere Mitarbeiter miteinander reden und sich wohlfühlen“, erläutert Wehrmann beim Rundgang.
„Innovations for a better World“, dies ist kurzgefasst das Unternehmensziel. Und Bühler ist mit seinem modernisierten Standort gut gerüstet, dieses Versprechen einzulösen.
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