Anzeige

Mordprozess hat begonnen

Zwei Frauen mit Axt niedergeschlagen.

Von Marc Wichert, 25.07.2012.

Braunschweig. Mit einer Axt soll ein 33-Jähriger im Februar zwei Frauen niedergeschlagen haben. Das Opfer aus Braunschweig starb vor wenigen Wochen an den Folgen des Überfalls. Gestern begann vor dem Landgericht der Prozess.

Vor Gericht steht ein 33-jähriger Mann aus Polen. Er soll laut Anklage am 16. Februar in Hannover eine Frau von hinten mit einer Axt niedergeschlagen haben. Anschließend sei er mit 100 Euro und dem Handy des Opfers geflüchtet. Einen Tag später kam es am Pressehaus in Braunschweig zu einer ähnlichen Tat: Auch hier soll der Angeklagte eine Frau mit einer Axt niedergeschlagen haben. Beide Opfer wurden schwer verletzt. Die Braunschweigerin lag anschließend im Koma und wurde beatmet. Anfang Juni starb die 53-Jährige an den Folgen einer Lungenentzündung – für die Anklage eine direkte Folge der Beatmung und damit des Überfalls. So geht es nicht mehr um versuchten Mord, sondern um Mord in Tateinheit mit schwerem Raub. Der Angeklagte habe aus Habgier beschlossen, Menschen zu töten, sagte Oberstaatsanwältin Kirsten Stang zu Verhandlungsbeginn.

Im Prozess vor dem Landgericht soll geklärt werden, ob der 33-Jährige den Tod der Opfer in Kauf genommen hat oder sogar geplant hat. Die Überfälle räumte er in seiner Aussage vor der Schwurgerichtskammer bereits ein. Allerdings zog sich der Angeklagte immer wieder hinter einen möglicherweise strafmildernden Schutzschild aus Familienproblemen und Alkohol zurück. „Ich weiß nicht, was mich dazu gebracht hat“, übersetzte die Dolmetscherin des Angeklagten. Dabei knetete der 33-Jährige mit kurzem Haar und kräftiger, aber kleiner Statur, unentwegt seine Hände. Er redete davon, dass möglicherweise Alkohol und Probleme mit seiner Ex-Frau im Spiel waren, dass er sich bei den Angehörigen entschuldigen wolle. Mit tränenerstickter Stimme brach er schließlich ab.
Eigentlich auf Reise in die Niederlande, um Arbeit zu finden, habe er Anfang Januar seine Tante in Hannover besucht, erklärt der Angeklagte mit leiser Stimme. Zuvor hatte er in Polen einen Job als Fahrer verloren. Und: „Ich wollte nicht sehen, wie meine Familie auseinanderbricht“, sagte der Vater eines achtjährigen Mädchens. Weil er außerdem Angst gehabt habe, dem neuen Freund seiner Ex-Frau etwas anzutun, verließ er Polen. Richter Ralf-Michael Polomski fragte nach dem Alkoholkonsum des Angeklagten. Er habe viel Bier getrunken und an Automaten gespielt, sagte der 33-Jährige. Er habe die Frauen nur bewusstlos schlagen wollen, es seien leichte Schläge gewesen. Zuvor hätte ihn seine Tante nach einem Monat ohne Arbeit mehr oder weniger direkt aus der Wohnung geschmissen. Als es um die Tat am 16. Februar vor dem Stadion in Hannover ging, holte Richter Polomski schließlich die vermutliche Tatwaffe hervor, eine 30 Zentimeter lange Axt, über ein Kilogramm schwer. „Warum nimmt man so eine Axt mit?“, fragte er. „Zur Verteidigung gegen Fußball-Fans des Euroleague-Spiels“, sagte der Angeklagte. Ungläubiges Kopfschütteln in Saal 161 des Landgerichts. Er habe ja sonst nichts dabei gehabt, um sich vor möglichen Angriffen zu schützen. Ins Stadion selber habe er aber nicht gehen wollen, er könne sich ja nicht einmal eine Karte kaufen.
Für den Prozess sind sechs Verhandlungstage geplant, nächster Termin ist der 1. August.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.