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Modern und hart im Nehmen

Die Winzerin Romina Tacchino betreibt ein Weingut im Piemont – Schwierige Zeiten

Von Birgit Leute, 28.07.2010


Braunschweig. Romina Tacchino ist Unternehmerin bis in die kurzen Haarspitzen. Jeden Tag steht die Winzerin an der Front und kämpft: Gegen überkommene Traditionen, den Markt und das Wetter. Die nB traf die Italienerin auf ihrer Werbetour in Braunschweig.

Nein, Romina Tacchino hat so gar nichts mit dem Typ „gemütliche italienische Mama“ gemein. Sie ist eine moderne Norditalienerin – studiert, zielstrebig und hart im Nehmen. Was ihren Berufswunsch betrifft, musste sie sich bereits in jungen Jahren gegen ihre eigene Familie durchsetzen. „Ein Mädchen als Winzer? – Kommt gar nicht in Frage!“, scheuchte sie der Großvater kurzerhand aus dem elterlichen Betrieb.
Harte Worte, die die 40-Jährige heute gelassen sieht: „Weinbauern sind einfach Menschen. Sie lieben ihr Land, sind Traditionalisten. Da ist es schwer, neue Ideen durchzusetzen.“ So studierte Romina erst einmal Literaturwissenschaften, kehrte dann aber doch in den Betrieb zurück und leitet ihn inzwischen mit ihrem neun Jahre jüngeren Bruder Alessio.
Seit drei Generationen bauen die Tacchinos im Piemont Wein an: Dolcetto, Barbera, Gavi, Cortese. Trauben, die nur hier wachsen und deshalb „autochthon“ genannt werden. Anbau und Ernte sind harte Arbeit, die größten Feinde die Konkurrenten am Markt und das Wetter. Ob dieses Jahr ein gutes Jahr werde? Die Italienerin zuckt mit den Schultern. „Es ist sehr heiß und trocken. Wenn es so weiter geht, könnte 2010 ähnlich mager ausfallen wie 2003, wo auch alles vertrocknete.“
Bei den Tacchinos werden die Trauben auf dem 25 Hektar Grundstück von Hand geerntet und zum Teil in Eichenfässern gelagert – auch das auf Initiative der „Kinder“ hin, die mehr auf Qualität setzen wollten und sich gegen die Eltern durchsetzen mussten. „In der Regel reifen die Trauben heute in Stahlfässern, die lassen sich besser reinigen, sind einfach praktischer“, sagt Romina. Doch zusammen mit ihrem Bruder wollte sie ein Gegengewicht zu den Billigimporten bilden, fügt sich ein in die „Slow Food“-Bewegung, die regionale hochwertige Produkte fördert.
„Die Konkurrenz ist groß“, seufzt sie. Vor allem Händler, die Weine für zwei Euro pro Flasche auf den Markt schleudern, machen ihr das Leben schwer. „Dann frage ich jedes Mal: Was soll in einer Flasche für den Preis denn drin sein, wenn man diese, das Etikett, den Korken und den Transport abzieht.“
Hat sie schon einmal gedacht, etwas ganz anderes zu machen? Romina Tacchino lacht und schüttelt den Kopf: „Ich bin durch und durch Piemonteserin. Ich liebe die Region, die Weinberge im Monferrato. Ich möchte Winzerin bleiben.“
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