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Mittermeier: „Ich bin ein Getriebener“

Auf Safari mit dem Comedian – Mit der nB sprach Michael Mittermeier über sein Programm und über Erfolg

Von Sebastian Walther

Mit Mittermeier in die Wildnis: Auf „Safari“ kehrt der Oberbayer am 28. April in die Volkswagenhalle zurück. nB-Mitarbeiter Sebastian Walther sprach mit dem Komiker.

?Sie müssen ja aus einer sehr humoristischen Familie kommen, Ihr Bruder macht ebenfalls Kabarett, wenn auch erst seit einigen Jahren?

!Wobei das ja nicht zwangsweise bedeuten muss, dass man aus einer extrem witzigen Familie kommt. Man kann ja auch einen sehr ernsten Background haben. Es gibt ja diese zwei Klischees: Man geht auf die Bühne, weil man ein depressives Leben hat, ein Suizid gefährdetes Element ist, oder weil man eine Frohnatur ist und möglichst viele Leute erreichen will. Bei uns lag das eher in der Mitte, wobei meine Mutter Sopranistin ist, vielleicht hat das ja dazu beigetragen.

?Seit Oktober 2007 sind Sie mit „Safari“ auf Tour: Können Sie das Programm bereits rückwärts sprechen?


!Jein, denn ich verändere das Programm ja die ganze Zeit über. Bei mir kann ja jeden Moment etwas passieren: Mir fällt was ein, einer ruft etwas, ich antworte. Ich bin immer in so einer Meditation, einer abgesenkten Bewusstseinsphase, wo ich irgendwie im Unterbewusstsein hänge, aber trotzdem Zugriff habe auf alles, was in meinem Kopf ist. Es gibt aber auch Nummern, die ich zwei Jahre jeden Abend aufs Komma genau gleich spiele, weil sie so wie sie sind einfach toll sind. Es ist ja auch eine Kunst, eine Nummer so zu spielen, dass die Leute zwei Jahre lang jeden Abend so lachen, als wäre sie neu.
?In „Safari“ stecken auch eigene Urlaubserinnerungen. Sie sind nicht gerade der Pauschal-Urlauber?

!War ich nie, wir haben das einmal gemacht, das ist glaube ich 17 Jahre her. Wir buchen gerne weit weg und individuell: Mit dem Auto losfahren und spontan ein Zimmer suchen. Insofern sind nahezu alle Geschichten in „Safari“ wahre Geschichten. Das macht das Programm auch aus. Ich bin ja niemand, der Sachen erfindet, ich bin einer, der erzählt, was er sieht und erlebt.

?2008 haben Sie bereits zum fünften Mal einen deutschen Comedy-Preis erhalten, einen Echo haben Sie auch schon, Sie stehen seit 22 Jahren auf der Bühne: Wie schwierig wird es, das Erreichte zu wiederholen, das Niveau zu halten?

!Ich bin schon ein Getriebener, der schaut, dass das nächste Programm besser wird als das letzte. Ich habe immer versucht, inhaltlich eine neue Richtung einzuschlagen. Ich bin sicher mein größter Sklaventreiber. Das ist schon eine Eigenheit, die Menschen um mich herum zum Wahnsinn treibt. Wenn ich arbeite, vergesse ich auch mal Raum und Zeit und kann Wochen lang mit nur drei, vier Stunden Schlaf am Tag auskommen. Das geht natürlich nicht immer gut.

?Angeblich haben Sie 1987 bei einem U2-Konzert beschlossen, Bühnenkünstler zu werden: Haben sich Ihre Erwartungen erfüllt?


!Natürlich mehr als das, denn Mitte der 80er-Jahre war eine Zeit, in der es gottlob noch keine Comedy-Industrie gab. Im Grunde genommen bin ich damals auf eine Bühne gegangen, um einfach 90 Minuten durchzustehen, mich selbst zu verwirklichen und Spaß zu haben. Ich hatte kein wirkliches Bild von einer Karriere. Es ging mehr darum, immer zu schauen, den nächsten Auftritt zu bekommen, egal ob vor zehn oder zwanzig Menschen.

?Pro Sieben nennt Sie den „Rock’n’Roller der deutschen Stand-Up-Comedy“. Können Sie damit etwas anfangen?

!U2-Frontmann Bono hat diesen Ausspruch in den 90er-Jahren mal geprägt, als er gesagt hat: „Stand-Up-Comedian sind die neuen Rock‘n‘Roller“. Und ich war tatsächlich einer der ersten, der ein bisschen Rock‘n‘Roll in die Comedy gebracht hat. Der Einzige war Otto in den 70er-Jahren, und dann kam lange nichts, bis zu meiner Wenigkeit, Ingo Appelt und all den anderen. Eine Gitarre hätte ich übrigens gerne auf der Bühne mal dabei.

?Sie persiflieren gerne auch Politiker und Prominente. Kennen Sie eigentlich einen Mittermeier-Parodisten?

!Ich habe mal einen gesehen, der mich parodiert hat, da habe ich mich aber kaum erkannt, so schlecht war der. Gerne lass‘ ich mir das gefallen, wenn es denn gut gemacht wird. Das ist ja schon ein Wahnsinn, wenn sich Menschen auf die Bühne stellen, um einen nachzumachen und sich mit meinem Namen Lacher abholen. Aber man sollte schon den Tonfall und die richtige Sprachwahl treffen. Ansonsten würde ich sagen: Hol‘ dir einen guten Autor oder einfach meine CD und schreib‘ es einfach ab.
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