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Mitgefühl und Hilfe für Julia

Julia strahlt: Ein Braunschweiger Ehepaar (das anonym bleiben möchte), hat über die Verkehrsunfall-Opferhilfe, vertreten durch Heinz Albert Stumpen (links) Vereinsvorstand und Polizeidirektor an der deutschen Hochschule der Polizei, 5000 Euro gespendet. Mit auf dem Foto ist Julia Leip, die Rechtsanwältin wird das Geld jetzt dafür verwenden wird, um eine Klage für mehr Schmerzensgeld für Julia einzureichen. Foto: Sylvia Herden.
 
Julia drei Jahre nach ihrem Unfall. Foto: privat

Unterstützung nach tragischem Unfall.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 04.07.2015.

Braunschweig. Ein kleines Mädchen geht zur Schule, steht auf dem Fußweg und wird von einem Lastwagen angefahren. Jetzt, drei Jahre später, steht die Familie vor einem Scherbenhaufen – gesundheitlich und finanziell. Völlig schuldlos. Wir berichteten darüber am 13. Juni in unserer Samstagsausgabe. Jetzt gibt es eine erste Zwischenbilanz. „Für uns ist es eine großartige Erfahrung zu spüren, wie viele Menschen mit uns mitfühlen“, sagt Julias Mutter Silke H.

„4100 Euro sind bislang auf das von mir eingerichtete Sonderkonto für Julia überwiesen worden“, sagt Rechtsanwältin Julia Leip. Jetzt kam noch ein symbolischer Scheck in Höhe von 5000 Euro dazu. „Und, nicht zu vergessen, 500 Euro hat ein unbekannter Spender in einem rosa Umschlag in meinen privaten Briefkasten gesteckt“, freut sich die Anwältin.

Silke H., die Mutter der kleinen Julia, kämpft mit den Tränen. „Ich bin wirklich überwältigt, von so viel Hilfsbereitschaft“, sagt sie. Vor drei Jahren wurde ihre damals siebenjährige Tochter auf dem Fußweg von einem Lastwagen angefahren, seitdem zieht sich die Leidensgeschichte der Familie schier endlos hin (siehe dazu nB vom 13. Juni unter www.unser38.de im Ausgabenarchiv).

Nun also eine erste Zwischenbilanz in den Räumen der Anwältin: 4100 Euro sind auf dem Konto, und 3000 Euro sind beim Verband alleinerziehender Väter und Mütter (VAMV) eingegangen. Wolfgang Krämer, der sich seit Jahren ehrenamtlich im Verein für Alleinerziehende engagiert, versucht schon lange, Julia und ihrer Familie zu helfen, er hat auch den Kontakt zur nB hergestellt. Den Artikel vom 13. Juni schließlich hat er an verschiedene Stiftungen geschickt. „Die Mitarbeiterin im Sanitätshaus Müllenheim hat uns auf die Idee gebracht“, erzählt Silke H. 2000 Euro spendete allein der Landwirtschaftliche Rentenverein in Wolfenbüttel.

Und jetzt noch einmal 5000 Euro von einem Ehepaar aus Braunschweig. Anonym. Polizeidirektor Heinz Albert Stumpen überbringt den Scheck. Er ist Dozent an der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster und Mitbegründer des Vereins Verkehrsunfall-Opferhilfe Deutschland (VOD), siehe Kasten rechts.
„Das Paar aus Braunschweig hat die Geschichte von Julia in der nB gelesen“, sagt Stumpen, „und dann einen Weg gesucht, das Geld sicher, zweckgebunden und anonym an Julias Anwältin zu übergeben.“

Die Braunschweiger haben sich für den relativ jungen Verein entschieden. „Die 5000 Euro sind nötig, damit wir überhaupt Klage auf ein höheres Schmerzensgeld einreichen können“, sagt die Anwältin Julia Leip. Sie plant, eine Summe von 150 000 bis 200 000 Euro einzuklagen. „Das reicht noch längst nicht, um Julias Bein, das für ihr Leben zerstört ist, auch nur annähernd aufzuwiegen“, sagt sie, „aber das deutsche Schadensersatzrecht gibt mehr keinesfalls her. Und schon das wird schwierig. Aber wir müssen es versuchen.“
Jetzt sei Geld da, um den Kampf wenigstens beginnen zu können, sagt die Anwältin. „Und vielleicht haben wir ja Glück, treffen auf einen Richter, der selber Kinder hat, den Julias Schicksal berührt und der deshalb das Gesetz weit auslegt“, hofft sie.

Auch Wolfgang Krämer vom Verband Alleinerziehender Mütter und Väter will weitermachen. Unermüdlich schreibt er die Stiftungen an, in der Hoffnung auf mehr Hilfe für Julias Familie. Er hat den nB-Artikel auch auf der Facebook-Seite „Braunschweiger helfen Braunschweigern“ gepostet und prompt hat sich eine Pädagogin gemeldet, die Silke H. und ihren Kindern beistehen will.
„Ich habe bisher so viel positive Resonanz, ich bin ganz, ganz dankbar“, sagt Silke. Ein Bekannter beispielsweise habe sich bereiterklärt, den alten Wagen zu reparieren, bis das Geld für ein neues Auto reicht (es muss groß genug sein, um auch Julias Rollstuhl transportieren zu können).

Auch Rechtsanwältin Leip erlebte besondere Geschichten. Unter anderem hat der elfjährige Sohn einer Mandantin 50 Euro von seinem Taschengeld vorbeigebracht. „Für Julia“ hat der Junge gesagt. „Das hat mich wirklich bewegt“, sagt die Anwältin. Jetzt hofft sie auf noch mehr Unterstützung für Silke H. und ihre Kinder.


FAKTEN

Die Verkehrsunfall-Opferhilfe Deutschland (VOD) wurde im Jahr 2011 gegründet. Sie vertritt als unabhängiger deutscher Dachverband die Interessen der deutschen Institutionen und Selbsthilfeeinrichtungen zum Schutz von Verkehrsunfallopfern. Die VOD unterstützt ihre Mitgliedsorganisationen ideell und materiell, beispielsweise durch politische Aktivitäten, Beteiligung an Forschungs- und Entwicklungsprojekten, durch Veranstaltungen wie Netzwerktreffen oder Symposien sowie durch fachliche Impulse.
Ziel ist es, die Lebensbedingungen von Verkehrsunfallopfern spürbar zu verbessern und auch die Verkehrsbedingungen so positiv zu verändern, dass es immer weniger Unfallopfer gibt. Zu diesem Zweck arbeitet der Verein sowohl national als auch im internationalen Verbund, das heißt innerhalb der Europäischen Union und zusammen mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die sich seit Jahren dem Thema Verkehrssicherheit angenommen hat.
Adresse: Verkehrsunfall-Opferhilfe, Deutsche Hochschule der Polizei (DHPol), Fachgebiet 05, Zum Roten Berge 18 - 24, 48165 Münster, Telefon 02501/806436
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