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Mit Charme an die Spitze: Einwanderung 2.0

Sympathisch, natürlich und – erfolgreich: Laura De Lorenzis ist Professorin an der TU. Fotos: T.A.

Laura De Lorenzis arbeitet als Professorin an einem Institut der TU – „Italien hat kaum noch Mittel für die Forschung“.

Von Birgit Leute, 12.11.2014.

Braunschweig. Laura De Lorenzis ist ein Workaholic – aber mit dem charmantesten Lächeln, das Italien zu bieten hat. Durch ihren Fleiß und Ehrgeiz hat es die 40-jährige Professorin geschafft, im Ausland und in einer Männerdomäne Fuß zu fassen.

Ihr Institut liegt ganz hinten auf dem TU-Campus am Bienroder Weg. An den Rand geschoben fühlt sie sich trotzdem nicht: „Die angewandte Mechanik ist eine der ältesten Ingenieurwissenschaften überhaupt“, sagt Laura De Lorenzis selbstbewusst.
Ihr Name ist längst nicht der einzig ausländisch klingende in dem flachen Gebäude: Syrer, Inder, Ukrainer und Vietnamesen forschen hier Seite an Seite. De Lorenzis nimmt dennoch eine Sonderstellung ein: Sie steht als Frau nicht nur an der Spitze eines eher von Männern dominierten Fachs. Sie legt auch viel Wert darauf, in ihrem neuen Heimatland anzukommen. „Unsere Umgangssprache im Institut ist eigentlich Englisch, aber ich habe von Anfang an versucht, oft Deutsch zu sprechen.“
Das hat ihr vom Fleck weg Sympathien verschafft. „Man bekommt viel leichter einen Draht zu den deutschen Mitarbeitern und den Menschen außerhalb des Instituts“, sagt De Lorenzis, die außerdem penibel darauf achtet, pünktlich zu sein, um nicht dem Klischee des allzu lässig-lockeren Italieners zu entsprechen.
Warum kommt eine junge, erfolgreiche Akademikerin überhaupt nach Deutschland? „Weil es durch die Wirtschaftskrise für uns schwierig geworden ist“, sagt De Lorenzis.
Die 40-Jährige stammt aus Lecce (Apulien) und arbeitete dort nach ihrem Studium als Professorin an der Universität. Aber die schwierige finanzielle Situation, in der sich Italien derzeit befindet, macht auch vor der Forschung nicht halt: „Es gibt kaum Mittel, um mit den anderen Ländern Schritt zu halten“, weiß die Süditalienerin. Genau wie in Spanien seien besonders junge Leute und insbesondere Frauen von der Arbeitslosigkeit betroffen. „Für mich blieb nur eine Wahl: In ein anderes Land zu gehen“, sagt die Migrantin der Generation 2.0, die 2013 nach Braunschweig zog. Dass sie sich am Ende für Deutschland entschied, lag vor allem an der hiesigen Forschungslandschaft. „Deutschland hat meiner Ansicht nach die besten Arbeitsbedingungen weltweit“, sagt De Lorenzis, die auch schon in den USA, in Schweden und China arbeitete.
Für ihr neues Heimatland büffelte sie in einem Super-Intensiv-Kurs Deutsch und beherrscht die Sprache inzwischen so gut, dass nur ein leichter und sehr charmanter italienischer Akzent geblieben ist. „Sprache und grundsätzliche Offenheit sind wichtig, um in einem fremden Land anzukommen“, ist sie überzeugt.
Noch hat Laura De Lorenzis wenig Zeit für ein Privatleben, doch das kommt noch, ist sie überzeugt. Zurück nach Hause – das ist jedenfalls keine Option „Ich habe keine Eile“, sagt sie und lächelt strahlend.

In Kürze

Laura De Lorenzis wurde 1974 in Lecce geboren. Sie studierte Bauingenieurwesen und arbeitet seit 2013 als Professorin an der TU Braunschweig.
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