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Mehr Jugendliche greifen zu Heroin

Aids-Hilfe und der Verein JES gedenken der Drogentoten – Gottesdienst am heutigen Sonntag.

Von Birgit Leute, 24.07.2011

Braunschweig. Statistisch gesehen geht ihre Zahl zurück, doch auch im vergangenen Jahr starben immer noch fast 1300 Drogenabhängige an einer Überdosis harter Drogen oder an den Folgen des Konsums – 15 davon in der Region Braunschweig.

Am vergangenen Donnerstag, dem offiziellen „Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher“ erinnerten die Braunschweiger Aids-Hilfe und der Verein JES (Junkies – Ehemalige – Substituierte) in der Innenstadt mit einfachen Holzkreuzen an die Verstorbenen. Am heutigen Sonntag
(24. Juli) findet in der Magnikirche um 11 Uhr ein Gedenkgottesdienst statt.
„Die Zahl könnte noch viel kleiner ausfallen, wenn es mehr ärztliche Heroinbehandlungen gäbe“, ist Timo Bastian von JES überzeugt. „Ärztliche Heroinbehandlung“ meint: Drogenabhängige, bei denen keine Therapie mehr anschlägt, erhalten an zentralen Stellen und unter strenger ärztlicher Aufsicht einen Heroinersatzstoff auf Rezept. In Berlin, Köln oder Karlsruhe gibt es solche Stellen bereits, in Braunschweig drängen die Aids-Hilfe und JES darauf, ebenfalls ein solches Angebot einzurichten. „Im Moment ist noch nicht klar, wer eine solche Vergabe finanziert“, beschreibt Bastian das Problem.
Dass eine langfristige Lösung her muss, macht Thomas Fabian von der Aids-Hilfe deutlich. „Durch die Überproduktion von Mohn in Afghanistan ist der Preis für Heroin extrem gefallen. Immer mehr Jugendliche in Europa konsumieren inzwischen wieder die Droge, ganz zu schweigen von den synthetischen Giften wie das extrem gefährliche ‚Crystal Meth’“. Seinen Schätzungen zufolge gibt es in der Region Braunschweig genauso viele Drogenabhängige wie in der Landeshauptstadt Hannover, vor allem in Wolfsburg wächst die Zahl. „Die Folgen sind klar: Die Beschaffungskriminalität steigt, ebenso die Hepatitis C- und Aids-Erkrankungen“, macht er deutlich.
Wie Untersuchungen zeigten, so Bastian, lassen sich die negativen Auswirkungen durch kontrollierte Heroingaben reduzieren. „Rund 100 Drogenabhängige betreut derzeit die Jugend- und Drogenberatung „DROBS“ in Braunschweig – genug, um eine solche Stelle zu rechtfertigen.“
Doch: Warum bekommen die Drogenabhängigen nicht Hilfe in Hannover, wo es schon länger eine solches Angebot gibt? „Das hätte keinen Sinn“, sagt Bastian. „Dreimal am Tag muss ein Konsument seine Ration abholen. Da machen Anfahrtswege von 70 Kilometern keinen Sinn. Schließlich sollen die Abhängigen möglichst wieder in geregelte Arbeitsverhältnisse kommen.“
Mehr Informationen bei der Braunschweiger Aids-Hilfe unter www.braunschweig.aidshilfe.de.
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