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„Mehr Chancen in Deutschland“

Bei Sprachtrainerin Iwona Swierczynska erhalten Boris Zec, Denis Brzika, Kourin Dalibor, Krunoslav Miholic, Josip Bilusic und Mario Majdenic (v.l.) nach der Berufsschule einmal pro Woche Deutsch-Nachhilfe. Foto: André Pause

Junge Kroaten werden über das EU-Programm „MobiPro“ zum Berufskraftfahrer ausgebildet.

Von André Pause, 09.10.2016.

Braunschweig. Sie leben, lernen und arbeiten in einem für sie fremden Land, müssen die Sprache, die Kultur und auch die Eigenarten der Einheimischen verinnerlichen.

Die jungen Kroaten Boris Zec, Denis Brzika, Kourin Dalibor, Krunoslav Miholic, Josip Bilusic und Mario Majdenic sind im vergangenen Jahr über das Sonderprogramm „Förderung der beruflichen Mobilität von ausbildungsinteressierten Jugendlichen und arbeitslosen jungen Fachkräften aus Europa“ („MobiPro-EU“) nach Braunschweig gekommen.

„Wir sind damals losgegangen und haben in verschiedensten Branchen gefragt, wo Bedarf besteht. Bei den Kraftfahrern war das der Fall. Dieses Jahr geht es auch mit Hotelfachleuten los. Das sind Berufe, die bei uns keiner machen möchte“, erzählt Marita Schurig vom Ausbildungsverbund der Wirtschaftsregion Braunschweig/Magdeburg. In der kroatischen Hauptstadt Zagreb hatten unterdessen zehn junge Leute an einem Assessment-Center teilgenommen. Acht wurden schließlich für einen dreimonatigen Deutschkurs ausgewählt. Sechs von ihnen absolvieren nach mehrwöchiger Probearbeit seit September bei der Spedition Wandt eine Ausbildung zum Berufskraftfahrer.
Für die Familien der Männer im Alter von 21 bis 26 Jahren seien die Kosten für den Sprachkurs in der Heimat ein Va-banque-Spiel gewesen, berichtet Marita Schurig: „In einem Fall musste die Mutter sogar ihr Auto verkaufen, um ihrem Sohn den Aufenthalt in Zagreb zu ermöglichen.“

Die sechs Männer sehen Deutschland als Chance, auch wenn keiner von ihnen einen konkreten Zukunftsplan hat. Auf die Frage, ob sie nach bestandener Ausbildung in Deutschland bleiben wollen, nicken alle. „In Kroatien sitzen alle in der Kneipe und beklagen sich, dass sie kein Geld haben“, schmunzelt Kourin Dalibor. „Wenn du aus deinem Leben etwas machen möchtest, ist es sicher positiv, nach Deutschland zu kommen.“ Finanziell sind derzeit zwar noch keine großen Sprünge drin, das Nettogehalt von 470 Euro wird aus EU-Mitteln auf 818 Euro aufgestockt. Nach der Ausbildung sehe das aber ganz anders aus – auch in Sachen Arbeitsplatzsicherheit –, meint Marita Schurig: „Jemand der diesen Beruf lernt, wird bei den logistischen Herausforderungen, die es gibt, eigentlich nie arbeitslos.“

Vorerst wohnen alle bis auf Denis Brzika, der mit seiner Freundin eine gemeinsame Wohnung bezogen hat, zusammen in einem Veltenhöfer Haus. Zwei Heimreisen pro Person und Jahr werden aus dem EU-Topf erstattet. Ansonsten laufe der Kontakt zu den Familien oder zur Partnerin über WhatsApp oder Skype.

Wenn neben der Arbeit noch Zeit bleibt, wissen sich die künftigen Berufskraftfahrer auch in ihrer neuen Heimat immer besser zu beschäftigen. Kourin Dalibor beispielsweise macht Fitness und Boris Zec hat sich den Landesligafußballern des FC Braunschweig Süd angeschlossen.
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