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Marsflug: Auf die Tube drücken

Ex-Raumfahrer Ulf Merbold war Gast einer Podiumsdiskussion im Haus der Wissenschaft.

Von Birgit Leute, 17.10.2010.

Braunschweig. Baustellen, Feierabendverkehr: Da hat auch ein ehemaliger Raumfahrer schlechte Karten. Mit eineinhalb Stunden Verspätung erschien Ulf Merbold zu einer Podiumsdiskussion im Haus der Wissenschaft. Das Publikum nahm‘s gelassen: „Dauert halt länger, wenn man vom Mars kommt“, zuckte ein Zuhörer mit den Schultern.

Fast 25 Jahre sind seit seinem ersten Flug ins Weltall vergangen, und doch ist Ulf Merbold, inzwischen 69 Jahre alt und grauhaarig, immer noch ein Held. Zumindest für die rund 200 Zuhörer, die ihn, den ersten bundesdeutschen Astronauten, trotz langer Wartezeit mit begeistertem Applaus empfingen. Der gebürtige Thüringer war Ehrengast einer Podiumsdiskussion, zu der die Konrad Adenauer Stiftung eingeladen hatte. Titel: „Lasst uns zum Mars fliegen!“
Versponnene Idee oder realistische Vision? Für die Wissenschaftler Merbold, Professor Joachim Block, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, und Professor Heinz-Otto Peitgen, Mathematiker und Chaosforscher, keine Frage: „Der Marsflug wird kommen – mit Robotern, aber auch bemannt“, sagte Merbold. Wann konkret, darauf wollte sich der Wissenschaftler allerdings nicht festlegen, doch am liebsten würde er auf die Tube drücken. „Seit zehn Jahren haben wir die Raumstation ISS – extra für den Zweck gebaut, bemannte und unbemannte Flüge vorzubereiten – doch es passiert nichts“, betonte der Raumfahrer, der in den achtziger und neunziger Jahren insgesamt dreimal ins All gestartet war.
Angst vor dem Risiko sei ein Grund dafür. „Wernher von Braun wollte gleich mit mehreren Schiffen zum Mars starten. Er wusste, dass möglicherweise nicht alle Astronauten lebend zurückkehren“, erinnerte Joachim Block. Heute unvorstellbar. „Die Sicherheit hat inzwischen absolute Priorität. Das ist gut so, aber manchmal blockiert der Risikogedanke auch jede Initiative, jede Vision“, so Block.
Weiterer Hemmschuh: die Mittelpolitik. Wer Geld für Forschung wolle, gab Heinz-Otto Peitgen zu Bedenken, müsse vor allem Eines belegen: Wie lösen die Ergebnisse die Tagesprobleme. „Da läuft etwas schief. Wir brauchen auch die Luft und die Mittel, um frei denken und mal spinnen zu dürfen. Das funktioniert in den USA, in Deutschland ist es ein Problem.“
Sind wir also zu kritisch? Sind Weltraumforscher und Astronauten nichts weiter als Spinner, Science-Fiction-Fans, die schon mal nach einem Notnagel Ausschau halten, falls die Erde endgültig den Bach hinunter geht? Merbold winkt lachend ab: „Ich habe mehrfach in einer beengten Raumkapsel arbeiten müssen und kann nur sagen: Niemand will sein ganzes Leben in so einer technischen Kiste verbringen. Es gibt nichts Schöneres, als hier auf der Erde zu sein.“
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