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Mann, Mann, Mann...

Christoph Schulz auf dem Silberteich im Harz.
 
Kersten Runge (K&R Reifenzentrum) mit seinen beiden Töchtern Jacqueline (blond) und Michelle Monique (brünett).
 
Philipp Cantauw, Prokurist Reisebüro Schmidt mit Tochter Leona Rebecca

Viele Väter nutzen den Feiertag morgen, um gemeinsam mit ihrer Familie Zeit zu verbringen.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 13.05.2015.

Braunschweig. Vatertag oder Himelfahrt? Auf jeden Fall ist morgen Feiertag. Die Väter, die wir gefragt haben, müssen sich auch gar nicht wirklich entscheiden, denn die klassische „Vatertags-Tour“ ist bei ihnen nicht angesagt.

Familie steht ganz oben auf dem Plan, gemeinsam mit den Kindern etwas unternehmen beispielsweise.

Im christlichen Glauben bezeichnet Himmelfahrt die Rückkehr Jesu Christi als Sohn Gottes zu seinem Vater in den Himmel. Christi Himmelfahrt wird am 40. Tag des Osterfestkreises, also 39 Tage nach dem Ostersonntag, gefeiert. Deshalb fällt das Fest immer auf einen Donnerstag. Der frühestmögliche Termin ist der 30. April; der spätestmögliche der 3. Juni.

Irgendwann, Ende des 19. Jahrhunderts soll das „Vatertagfeiern“ in Berlin und Umgebung aufgekommen sein – und erfreute sich lange zunehmender Beliebtheit. Mit erheblichen Nebenwirkungen: Laut dem statistischen Bundesamt steigen durch Alkohol bedingte Verkehrsunfälle an Christi Himmelfahrt auf das Dreifache des Durchschnitts sonstiger an. Jahreshöhepunkt!

Seit einigen Jahren aber gehen die Alkoholtouren zugunsten von Familienfesten zurück. So, wie bei unseren Vätern Kinderwagen statt Bollerwagen, Familie statt Schnaps.

Obwohl zunehmend der Vatertag als Familientag verstanden und gefeiert wird, gibt es nach wie vor auch die reinen Sauftouren, bei denen oft auch junge Mädchen mitziehen. Zum Teil, vor allem in den ländlichen Regionen, mit dramatischen Verläufen.

So hat die Stadt Schöningen und das Landesforst Wolfenbüttel beispielsweise nach den Ausschreitungen im vergangenen Jahr im Elm für diesen Himmelfahrtstag ein Alkoholverbot erlassen. Mit Unterstützung der Bereitschaftspolizei Braunschweig soll Präsenz gezeigt werden, um die Auswüchse des vergangenen Jahres zu verhindern. „Uns geht es nicht um die friedliche Vatertagsfeier, sondern wir wollen diese vor den Chaoten schützen“, erklärt Schöningens Polizeichef Gisbert Hoffmann. „Für viele Jugendliche und Heranwachsende geht es an diesem Tag darum, möglichst viel Alkohol zu trinken“, fügt Hoffmann hinzu, zahlreiche Vatertagstouren arteten regelrecht in Trinkgelage aus.

Hochprozentige Getränke sind am Himmelfahrtstag auch am Eixer See in Peine verboten. Wehnser See und Wipshäuser See in der Gemeinde Edemissen sind komplett gesperrt. Polizei, Landkreis und Stadt Peine sowie Gemeinde Edemissen haben dazu gestern eine Plakataktion gestartet: Vatertag - aber sicher!
Alkohol- und Glasverbot auf auch auf den Schlosswiesen, Reiterstaffel am Tankumsee: In Gifhorn greifen die Behörden auf das in den Vorjahren bewährte Sicherheitskonzept zurück, um Exzesse zu vermeiden.


So verbringen diese Väter den "Vatertag":

Christoph Schulz, Vorstandsvorsitzender der Braunschweigischen Landessparkasse: „Natürlich ist es schön, einen Tag frei zu haben und mit der Familie zu verbringen. Aber der eigentliche Grund – die Himmelfahrt Jesu 40 Tage nach Ostern – ist bei uns Thema und im Bewusstsein. Ganz offen: Einen „Herrentag“ mit Freunden habe ich zuletzt gemacht, als meine drei Kinder noch nicht auf der Welt waren.“ Unser Foto zeigt Schulz auf dem Silberteich im Harz.

Kersten Runge (K&R Reifenzentrum): „Da wir in einem christlichen Land leben, sollte Himmelfahrt an erster Stelle sein. Wobei ich es auch als Vater zweier Töchter positiv finde, dass es den inoffiziellen Vatertag gibt. Im Zuge der Emanzipation sollte der auch offiziell eingeführt werden. Dieses Jahr steht allerdings weder das eine noch das andere an erster Stelle, da ich an diesem Tage meinen Geburtstag im Rahmen meiner Familie feiern darf. Dieses Jahr steht mir als Vater noch ein ganz besonderer Augenblick vor, ich werde als Brautvater meine Tochter zum Altar führen.“

Philipp Cantauw, Prokurist Reisebüro Schmidt: „Himmelfahrt wird ja inzwischen gesellschaftlich mit dem Vatertag assoziiert. Deswegen gibt es kein „entweder ... oder“, sondern eine Verbindung. In den letzten Jahren habe ich diesen Tag immer mit Freunden verbracht. Da ich seit letztem Jahr jedoch selbst Vater bin, verbringe ich den ersten Vatertag tatsächlich mit der Familie. Und darauf freue ich mich sehr!“

Joost Smeulders, Hoteldirektor Steigenberger: „In Holland wird der Vatertag an einem Sonntag gefeiert und hat nichts mit dem Bollerwagen und einer Gib-ihm-Party zu tun. Der Vatertag ist in Holland ein schwacher Abklatsch des Muttertages. Papa bekommt ein paar Socken, vielleicht eine Flasche Wein oder Deo … Wenn er Glück hat, darf er dann abends für die Familie grillen. Obwohl ich jetzt seit 15 Jahren in Braunschweig bin, feiern wir am Himmelfahrtstag eben keinen Vatertag, weil uns diese Art nicht gefällt. Wir feiern am Sonntag, den 21. Juni, Vatertag, ich bekomme Socken oder Parfüm, und wir essen zusammen etwas Leckeres. Vater sein bedeutet für mich sehr viel, ich finde das Coachen, Begleiten, Unterstützen von meinen Kindern einfach schön.“

Peter Heimböckel, Tecis Finanzdienstleistungen: „Sich an Christi Himmelfahrt daran zu erinnern wie ein Mann als Vater sein sollte, ist eine große Chance, aus diesem Tag etwas zu machen. An diesem Tag mit seinen Liebsten eine schöne Zeit zu verbringen und dieses Geschenk in vollem Bewusstsein zu erleben – unbezahlbar. Ich persönlich werde den Tag mit meiner Familie und Freunden verbringen. Sport, gemeinsames Frühstück, ein Ausflug vielleicht, ein abendliches Grillfest. Vater zu sein bedeutet für mich das große Glück, meinen Sohn ein Stück seines Lebens begleiten zu dürfen und ihm ein Vorbild in Haltung und Werteorientierung zu sein.“

Galerist Olaf Jaeschke: „Es gibt bei mir eine Tradition seit meinem 50. Geburtstag, an dem ich zehn bis 15 Motorradfahrer einlade und eine Tour plane mit abschließendem Grillen mit Partnerin bei mir zu Hause. Das Schönste daran ist, dass ich zwei wunderbare Töchter habe, die mir an diesem Tag helfen. Und ich habe einen regelmäßigen Treffpunkt mit meinen Mädchen, die in Leipzig leben. Das Schöne am Vatersein ist, zu erleben, wie diese Kinder aufwachsen, sich entwickeln mit ihren unterschiedlichen Profilen und mit der familiären Unterstützung von Mutter, Vater, Oma, Opa ihren Weg suchen und finden. Dass ich meine eigene vermeintliche Wichtigkeit gerne zurückstelle, um die eigenen Kinder zu unterstützen und zu fördern.“

Jens Richwien, Anzeigenleiter bei der nB: „Vatertag habe ich nie zelebriert, denn Papa bin ich 365 Tage im Jahr. Aber ich sollte jetzt vielleicht mal damit anfangen und mich von meinen beiden Jungs – Paul und Emil – begrillen lassen :-).“

Jazzkantinenchef Christian Eitner: „Ich bin tatsächlich noch nie, seitdem ich Vater bin, mit Bollerwagen und Bierfass durch die Gegend gezogen. Muss aber zugeben, dass ich eigentlich mal große Lust dazu hätte. Wer wann wohin aufsteigt, ist mir nicht so wichtig, es sei denn, es passiert an der Hamburger Straße.“

Oberlandeskirchenrat Thomas Hofer: „Die biblische Himmelfahrtsgeschichte erzählt, dass Jesus Christus nicht mehr auf der Erde, sondern bei Gott ist, den durch ihn alle Menschen ’Vater‘ nennen können. So verstanden ist Himmelfahrt Vatertag – auch für Christen. Zugegeben – um die Ecke gedacht. Aber Vatertag kann doch nicht heißen, Väter gehen mit einem Fass Bier in den Wald und kommen wieder, wenn das Fass leer und der Vater voll ist. Was ist das für eine Vaterrolle?
Einer unserer Gastsöhne aus Mexiko ruft häufig am Himmelfahrtstag an: ’Ich weiß‘, sagt er entschuldigend, ’es gibt in Deutschland eigentlich keinen Vatertag, nur Himmelfahrt, trotzdem alles Gute!‘ Damit will er sich wohl auch, nachdem er seiner Gastmutter Blumen zum Muttertag geschenkt hat, für die Begleitung im Austauschjahr bedanken. Ja, ich bin gerne Vater, aber meine Vaterrolle hat sich ständig verändert. Die wichtigste Aufgabe war und ist es – mit den Kindern zu erfühlen, das, was nötig erscheint, zu tun, ohne ihnen auf die Nerven zu gehen oder sie einzuengen.“
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