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„… man hofft, dass es Bullerbü bleibt“

Redeten über Gott, die Welt und das Dasein als Pflegefamilien (v.l.): Pröpstin Uta Hirschler, Psychologin Anke von Garmissen, Susann Vollmer vom Pflegekinderdienst der Stadt sowie die Pflegemütter Meike Eilers-Surborg und Susanne Ehlers. Foto: Korth

Pflegefamilien brauchen starke Nerven, unerschütterliche Gelassenheit, ein großes Herz und Schutzengel an ihrer Seite.

Von Marion Korth, 20.09.2016.

Was bringt Familien dazu, Pflegefamilien zu werden? Handeln sie aus einem christlichen Wertegefüge heraus? Kann die Kirche ihnen unterstützend zur Seite stehen? Pröpstin Uta Hirschler hat einen am Weltgebetstag im März aufgenommenen Gesprächsfaden weiterverfolgt und ein persönliches Gespräch – einfach so zum Austausch – angeregt.

Meike Eilers-Surborg und Susanne Ehlers sind Pflegemütter mit festem christlichen und kirchlichen Hintergrund. „Mir geht es gut, davon kann ich etwas weitergeben“, so beschreibt Susanne Ehlers ihren Antrieb. Zwei Söhne hat sie großgezogen, eine starke Familie im Rücken. Dann las sie in der BZ einen Artikel über Pflegeeltern und die Entscheidung war gefallen. Die Ehlers meldeten sich als Bereitschaftspflegeeltern. Der kleine Junge, den sie aufnahmen, war sieben und damit eher schon alt für ein Pflegekind. „Er ist misshandelt worden. Die Alternative für ein so schwer traumatisiertes Kind wäre nur die Heimunterbringung gewesen“, sagt Pflegekinderdienstleiterin Susann Vollmer. Was als befristete Begegnung begann, hält immer noch an. Zweieinhalb Jahre schon. Der kleine Junge ist jetzt neuneinhalb und beginnt ganz vorsichtig, sich zu öffnen. Susann Vollmer nennt es „ein Geschenk“, dass die Ehlers und er zusammenpassen. Manche Tage sind trotzdem die Katastrophe, dann ist der kleine Junge unruhig, unberechenbar, vielleicht ruft die Schule an, dass seine Pflegeeltern ihn bitte abholen möchten. „Liebe allein reicht nicht“, sagt Susanne Ehlers. Die Familie und sie brauchen Geduld und starke Nerven.

Und den Glauben daran, dass doch alles gut werden kann: „Man hofft, dass es Bullerbü bleibt.“ Bullerbü – Astrid Lindgrens heile Kinderwelt –, die möchten Meike Eilers-Surborg und ihr Mann den beiden Pflegekindern – sie sind jetzt drei und fünf Jahre alt – bieten. Beide Mädchen waren erst ein halbes Jahr alt, als sie zu den Surborgs kamen. Die Kleine ein Sonnenschein und Wirbelwind, die das Leben mit beiden Händen greift, für die kein Klettergerüst zu hoch ist. Und die Große, die schwer an den Begegnungen mit ihrem leiblichen Vater zu arbeiten hat. Meike Eilers-Surborg spürt dann manchmal Wut und Hilflosigkeit: „Wie sollen wir ihr erklären, wer dieser Mann ist?“ Der Kontakt zu den leiblichen Eltern ist für beide Pflegemütter eine (seelische) Herausforderung, wie sie berichten. Viele Pflegekinder hätten niemals bei ihren leiblichen Eltern gelebt, erläutert Susann Vollmer. Auch wenn jetzt über eine Gesetzesänderung nachgedacht würde, um die Interessen der Kinder stärker zu berücksichtigen, gelte es, die Interessen der leiblichen Eltern zu wahren. Eine Pflegschaft sei eben keine Adoption, die Tür zu einer „Rückführung“ darf nicht gänzlich zugeschlagen werden.

Es sind nicht nur die Vorgeschichten der Kinder und der Umgang mit ihren oft ebenso vom Leben gezeichneten Eltern, es sind auch Vorurteile, mit denen die Pflegefamilien zu kämpfen haben. „Pflegekinder laufen anscheinend lauter über den Flur als andere Kinder“, sagt Meike Eilers-Surborg. Erst mit einem Umzug hätten die Streitereien mit einer anderen Partei im Haus geendet.
Der Gedanke, dass die Pflegschaft vielleicht nur auf Zeit ist, der verfolgt keine der Frauen. „Der Glaube ans Leben und ein bisschen verrückt zu sein“, sei hilfreich, um als Pflegeeltern bestehen zu können, sagt Meike Eilers-Surborg. „Dinge laufenlassen“ und zu akzeptieren, dass nicht alles kontrollierbar ist, lässt Susanne Ehlers in turbulenten Zeiten fest auf dem Boden stehen. Und Pflegekinderdienstleiterin Susann Vollmer ist einfach nur stolz auf „ihre“ Pflegefamilien: „Sie leisten Großartiges.“
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