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Märchenhaft: Sie verleiht den Elfen Flügel

Bis ins kleinste Detail: Puppenkünstlerin Silke Friedrich aus Rautheim schafft ihre eigene Fantasiewelt und erhielt dafür einen Preis.

Von Marion Korth, 18.12.2011.

Rautheim. Rotkäppchen steht im Schrank. Schneewittchen auch, die böse Königin reicht ihr gerade den vergifteten Apfel. Für zwei andere märchenhafte Figuren im Fach darunter hat Puppenkünstlerin Silke Friedrich gerade einen europäischen Preis erhalten, die renommierte Puppen- und Spielzeug-Trophy.

Das Fachmagazin „Puppen & Spielzeug“ hat die begehrte Auszeichnung vergeben. Der junge Held Beren und die Elfenkönigstochter Lúthien aus der mythologischen Vorgeschichte zu Tolkiens Romanen „Der kleine Hobbit“ und „Der Herr der Ringe“ sind mit ihrer Schöpferin zu Titelhelden geworden. Silke Friedrich ist „Das Supertalent“.
Ihre Puppen sind kein Kinderkram. „Ich bin einige der wenigen Künstler, die überhaupt erwachsene Puppen herstellen“, sagt die 33-Jährige. Sie geht mit höchster Professionalität ans Werk und mit ganz viel Phantasie. Silke Friedrich liebt Märchen, hat sie als Kind geradezu „aufgesogen“. Mit Puppen spielte sie auf ihre Art. „Ich habe sie gern angezogen, dekoriert und dann hingestellt“, erzählt sie. So lässt sie bis heute ihre Märchenwelten entstehen.
Es gibt keine Rohlinge, keine vorkonfektionierten Puppenkörper. Silke Friedrich zeigt die Modelliermasse, ein hautfarbener Block made in USA. Im Kopf hat sie schon eine Idee, wie die Figur aussehen soll. Nach lauter freundlichen, lächelnden Elfen hatte sie „Lust auf etwas Düsteres“. Ihre Königin der Nacht greift beschwörend in die Luft, sieht schon jetzt dramatisch aus. Hände, Füße, Kopf werden modelliert, dann im Ofen gehärtet. Ein biegsamer Schlauch wird später die Teile verbinden, und der Puppe Beweglichkeit geben. Alles, wirklich alles, hat sie selbst geformt, gemalt, genäht, gestickt.
„Meine Uroma war Schneiderin“, sagt Silke Friedrich. Aber ob die es früher auch mit hauchzarten Elfenflügeln aus durchsichtigem Organza und feinstem Draht zu tun hatte? Silke Friedrich hat sich alles selbst beigebracht, immer wieder probiert, verworfen, neu angefangen. Das Gefühl für die richtigen Proportionen, lebensechte Posen und jedes noch so winzige Detail entstammen einer anderen Leidenschaft: dem Zeichnen. Dann wollte sie es irgendwann mit der dritten Dimension versuchen. Skizzen gibt es dennoch nicht für ihre Figuren – Zeitverschwendung, die würden sie nur festlegen und einengen.
Wenn es sein muss, recherchiert sie Tage und Wochen, bis sie das Kleid einer Königin aus dem 12. Jahrhundert aus pflanzengefärbtem Wollstoff historisch korrekt nacharbeiten kann. Ist die Puppenkünstlerin eine spaßlose Perfektionistin? Silke Friedrich lacht. Nein, im Alltag kann sie auch mal schludrig sein, aber: „In die Puppen habe ich meine ganze Genauigkeit hineingesteckt, da bin ich auch versessen“. Der Einsatz hat sich gelohnt, „die herausragende handwerkliche Arbeit sowie die exquisite Bekleidung“ ihrer preisgekrönten Puppen wird über alles gelobt.
Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Nur eines noch: „Ich hätte gern eine eigene Werkstatt“, sagt Silke Friedrich und denkt an volle Schränke und die überall im Haus verteilten Kisten mit Stoffen und Pailletten. Ein kleines Museum mit einer eigenen Ausstellung, das wäre etwas. Ihr Eulenspiegel hat schon einen Platz im Museum gefunden – nicht in Braunschweig, sondern im Puppenmuseum in Coburg…
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