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Lesbisches Leben als Selbstverständlichkeit

Zu Gast in Braunschweig: Mirjam Müntefering bereicherte das Sommerlochfestival mit einer Lesung

Sebastian Walther

Braunschweig. Seinen Höhepunkt findet das Sommerlochfestival an diesem Wochenende mit Parade und Kundgebung. Bereits Wochen vorher startete das umfangreiche Rahmenprogramm, in dem die Organisatoren mit Mirjam Müntefering eine der erfolgreichsten Autoren der Szene präsentierten.

Ohne vierbeinige Begleitung geht es nicht. Müntefering, die seit einigen Jahren eine Hundeschule betreibt, hat prompt einen tiefschwarzen Gast mit feuchter Schnauze zum Gespräch mitgebracht. „Ich mag es total, mit meinen zwei Hunden durch den Wald zu gehen, den Moment zu genießen. Als Mensch macht man sich viel zu sehr Gedanken darum, was morgen ist oder gestern war und die Hunde sind Leben genau in diesem Moment, da kann man sich ruhig etwas von abschauen als Mensch“, begründet die Autorin ihre Leidenschaft. Da ist es nur konsequent, dass sie ihre Lieblinge auch in den Mittelpunkt ihres aktuellen Romans „Liebesgaben“ gestellt hat, aus dem sie vergangenen Sonntag im „Guten Morgen Buchladen“ gelesen hat. Es geht dort um ein live im Fernsehen übertragenes Experiment und die Frage nach Monogamie – ein auch in der menschlichen Natur heißes Eisen: „Rein wissenschaftlich betrachtet: Um monogam zu leben, benötigt man eine gewisse Anzahl an Rezeptoren im Gehirn, Schaltstellen um die entsprechenden Hormone weiterzuleiten. Davon haben die Menschen nicht genug. Es gibt im Bereich der Säugetiere etwas drei Prozent, die tatsächlich monogam leben. Die Präriewühlmaus beispielsweise, über deren Verhalten ich mal eine Studie gelesen habe, die mich wiederum auf die Idee für dieses Buch gebracht hat“, berichtet sie.
Die Tochter des SPD-Politikers Franz Müntefering, ein Thema, auf das sie äußerst ungern angesprochen wird, hat sich, aller biologischen Erklärungen zum Trotz, vor einiger Zeit für die eingetragene Lebensgemeinschaft mit ihrer Partnerin entschieden und fühlt sich auch nach mehr als einem Dutzend Bücher über die Freuden und Sorgen gleichgeschlechtlicher Liebe unter Frauen der Szene verpflichtet. Es finden sich gar Jugendbücher unter ihren Werken, die heranwachsenden Frauen auf der Suche nach der eigenen sexuellen Identität als Stütze zur Seite stehen sollen.
„Ich glaube, dass es den jungen Frauen heute hilft, dass es viel mehr Filme, viel mehr Bücher gibt, an denen Mädchen sich orientieren können, wo wir Vorbilder finden und Situationen beschrieben sind, die jede selber kennt.“ Zuletzt allerdings wandelten sich die Inhalte der von Mirjam Müntefering selbst als „Spartenliteratur“ bezeichneten Werke: „Mein Ideal sind Bücher in denen es nicht wichtig ist, ob die Heldin der Geschichte lesbisch ist oder nicht, es geht darum, lesbisches Leben als Selbstverständlichkeit darzustellen.“
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