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Leben in der Großfamilie: „Ich bin ein rosa Elefant“

Leben unter einem Dach: Die Warnekes (hinten v.l.): Jörg, Gisela und Albert sowie Desiree und Mike Hudepohl mit den sechs Wochen alten Zwillingen Leonie und Jonas. Foto: T.A.

Bei Familie Warneke sitzen an Heiligabend vier Generationen am Esstisch.

Von Birgit Leute, 23.12.2016.

Braunschweig. Das Menü steht fest: Statt Ragout fin gibt es dieses Mal an Heiligabend Würstchen mit Kartoffelsalat. Uroma Gisela hat sich durchgesetzt. „Bloß keinen Stress“ sagt die
80-Jährige entschlossen.

Kein Wunder: Um ihren Esstisch versammeln sich in diesem Jahr vier Generationen. Erst vor wenigen Wochen wurden die Zwillinge Leonie und Jonas geboren. Eine echte Großfamilie.

Ortstermin Madamenweg: Fünf Erwachsene und zwei Babys drängeln sich in dem kleinen, weihnachtlich geschmückten Wohnzimmer und manövrieren mit „Bitte“ und „Danke“ vorsichtig umeinander herum. „Finden Sie noch einen Platz?“, fragt mich Albert Warneke und schiebt besorgt einen Sessel zurecht. Der Rest der Familie verteilt sich inzwischen auf zwei Sofas und dem Küchenstuhl. Ein kleines Volk.

„Ich glaube, eine Familie wie wir ist selten geworden“, sagt Desiree Hudepohl, geborene Warneke, lachend über einen Clan, der wie Pech und Schwefel zusammenhält.
Mit Mann, Vater und Großeltern wohnt die 29-Jährige in einem Mehrfamilienhaus. Jeder in seiner eigenen Wohnung, aber doch immer in Rufweite. „Wir besuchen uns mehrfach am Tag, was heißt: drei Stockwerke hoch und wieder runter“, berichtet Desiree.

In ihrem Freundeskreis ist sie ein rosa Elefant. „Dass jemand in meinem Alter wieder zu den Eltern und Großeltern zieht, ist die absolute Ausnahme“, weiß sie. Dabei sei es gerade jetzt eine Riesenerleichterung.
Vor sechs Wochen wurde Desiree Mutter von Zwillingen. Beides Frühchen, was für sie und Mann Mike hieß: Einmal täglich für mehrere Stunden ins Krankenhaus und dazwischen die ständige Sorge, dass alles gut wird. Auch jetzt noch sei an Schlaf kaum zu denken, ganz zu schweigen von Kochen und Putzen. „Oma und Opa kümmern sich einfach super um uns“, erzählt die frisch gebackene Mama glücklich.

Die zeigen anhand von alten Bildern: Familiensinn wurde bei den Warnekes schon immer groß geschrieben. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts wohnte Artur Warneke im Madamenweg 140. Ein Kaufmann, genauer ein Süßwarengroßhändler, der im Hinterhof gleich noch sein Lager einrichtete. „Mein Vater bot seine Waren unter anderem auf der Harz und Heide-Messe an“, erinnert sich Albert Warneke (79) stolz.

Das Lager wurde durch einen Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg zerstört, das Haus blieb stehen, wenn auch von Trümmern umgeben. Fortzuziehen – das kam für Albert nie infrage. „Wir sind in dem Viertel aufgewachsen. Hier habe ich meine Frau kennengelernt und in der Nachbarschaft hilft man sich“, ist der 79-Jährige von „seinem“ Kiez begeistert.

Sohn Jörg ist ebenfalls ein bunter Hund und im Braunschwieger Karneval aktiv.
Wie fühlt sich jemand, der zusammen mit der Frau gleich noch eine Großfamilie heiratet? Wird da nicht doch manchmal die Luft knapp?
Mike Hudepohl lacht. „Nein. Ich wurde mit offenen Armen empfangen, wir haben wirklich einen guten Draht“, sagt der
30-Jährige bestimmt. Und freut sich schon auf den Kartoffelsalat von Uroma Gisela.
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