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Lauter nette Nachbarn

Taschen, Schürzen, Stofftiere: Das Flickwerk ist mehr als eine Nähwerkstatt, wie es im nächsten Jahr weitergeht, wissen Tanja Loebert (2.v.l.) und ihre Mitstreiterinnen Aga Ergün, Peggy Franke und Petra Mohr noch nicht. Fotos: T.A.

Stadtteilfest auf dem Frankfurter Platz brachte Vereine, Initiativen und Anwohner zusammen.

Von Marion Korth, 15.06.2014.

Braunschweig. Klar, die beiden Oberbürgermeister-Kandidaten, Hennig Brandes und Ulrich Markurth, kamen auch vorbei. Vielleicht war das 26. Stadtteilfest gestern auf dem Frankfurter Platz der entspannteste Termin für sie.

Denn entspannt war die Atmosphäre auf jeden Fall, von den heranziehenden dunklen Wolken ließ sich niemand stören, dichtes Gedränge vor der Bühne und auf dem Platz. Die Stände der verschiedenen Initiativen spiegelten die Lebendigkeit und Vielschichtigkeit des Stadtviertels wider. Indische Henna-Malerei in trauter Nachbarschaft mit den Informationstafeln des Plankontors. Eine Arbeitsgruppe hat sich unter dem Dach des Programms Soziale Stadt gebildet, um das Kontorhaus am Jödebrunnen zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das kleine Gebäude, 1899 von einem reichen Holzhändler erbaut, sieht aus wie ein Gartenpavillon, war aber ein Büro. Udo Gebauhr, Fachmann für Denkmalschutz, wollte das erst selbst nicht glauben, bis er eine Nachfahrin des Unternehmers aufspürte, die ihm bestätigte, dass ihr Großvater tatsächlich dorthin zum Arbeiten gegangen war. Jetzt steht das Haus, es gehört der Stadt, leer. In einer Ideenwerkstatt wurde über neue Nutzungsmöglichkeiten nachgegrübelt. Ein kleines Informationszentrum für Stadtteilgeschichte könnte dort entstehen, erzählt Gebauhr. Computerstationen, an denen Besucher in die Geschichte des Hauses, des mehr als 600 Jahre alten Jödebrunnens, die des Ringgleises und der Firmen, die es früher rundherum gab, eintauchen können. Das Teuerste ist nicht die Sanierung, sondern die fehlenden Anschlüsse für Wasser - und Abwasser etwa.
Soziale Stadtteilarbeit wird in der Nähwerkstatt Flickwerk geleistet. „Zu uns kann jeder kommen und nähen lernen“, sagt Leiterin Tanja Loebert. Alt, jung, arm, reich – ganz egal, jeder ist willkommen. „Zusammen zu arbeiten, das hat etwas Magisches.“ Frauen, die kaum ein Wort Deutsch sprachen, beginnen zu reden, Frauen aus der Nähwerkstatt besuchen die kranke Rentnerin, um deren Garten gemeinsam auf Vordermann zu bringen. Diese Begegnungen und Freundschaften, die sich entwickeln und die soziale Isolation durchbrechen, die sind es, die Tanja Loebert mit „magisch“ meint.
Flickwerk heißt die Nähwerkstatt, Flickwerk ist aber auch die Finanzierung, die vor der Zerreißprobe steht. Fürs nächste Jahr sieht es düster aus. „Wir brauchen eine Idee für 38 000 Euro, die fehlen“, sagt Tanja Loebert. Die andere Hälfte des Jahresetats übernimmt die Stadt.
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