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Kollektives Pokémon-Jagen: „Wie eine große Familie“

Auf der Suche nach Pokémon bevölkern immer mehr „Pokémon-Go“-Spieler öffentliche Orte, wie den Löwenwall. Damit ist aber nicht jeder einverstanden: Es gab erste Beschwerden wegen Ruhestörungen und wilder Müllentsorgung. Fotos: Nizar Fahem

Ruhestörung, Ärgernis und Gefahr im Straßenverkehr – Polizei relativiert Vorwürfe.

Von Ann-Kathrin Ewald, 29.07.2016.

Braunschweig. Man sieht sie vermehrt am Löwenwall, der Alten Waage und dem Schlossvorplatz: Großgruppen von Menschen jeglichen Alters, die wie gebannt auf ihre Smartphones starren.

Sie alle vereint die kollektive Jagd nach Pokémon – jenen kleinen virtuellen Monstern der zurzeit erfolgreichsten Spiele-App „Pokémon Go“.
Doch was animiert Kinder, Jugendliche und Mitdreißiger sich neben teilweise fremde Menschen zu setzen und gemeinsam zu spielen? Einerseits ist es dem Charakter des Spiels geschuldet: Je mehr Spieler an einem Ort, desto mehr Monster können dort gefangen werden. Anderseits, so erklärt Tamara Wiesmann (27), komme man beim gemeinsamen Jagen schnell in Kontakt: „Man stellt sich kurz vor und setzt sich einfach daneben. Wie bei einer großen Familie.“ So haben sich bereits viele neue Freundschaften ergeben, bestätigen Tamara und auch ihre benachbarten Mitspieler.

Polizei relativiert

Doch gerade diese Massenaufläufe an öffentlichen Plätzen führten in jüngster Vergangenheit zu Beschwerden in der nicht-spielenden Bevölkerung. Aufgrund nächtlicher Ruhestörungen musste die Polizei ausrücken. Von verdreckten Plätzen nach dem kollektiven Jagen und der potenziellen Gefahr durch spielende Jugendliche im Straßenverkehr war die Rede. Doch Polizeisprecher Wolfgang Klages relativiert die Vorwürfe: Ablenkung durch das Spiel und Unachtsamkeit im Straßenverkehr seien die allgemeine Befürchtung gewesen. Jedoch „glücklicherweise ist es bislang zu keinen Verkehrsunfällen oder Straftaten im Zusammenhang mit den Pokémon-Fängern gekommen“, zieht Klages eine positive Zwischenbilanz.

Alles bleibt friedlich

Generell schätzt er die Spieler auf Pokémon-Jagd als friedlich ein: „Diese jungen Leute sind alle ganz vernünftig. Unseren Anweisungen sind sie nachgekommen, alles blieb friedlich. Das sind keine Randalierer.“
Dazu passen auch immer wieder die gegenseitigen Ermahnungen der Spieler im Internet: „Lasst Euren Müll nicht liegen!“, „Haltet die Plätze sauber!“ oder „Dreht ab 22 Uhr die Musik leiser!“, heißt es da beispielsweise.
Im Allgemeinen appelliert Klages für gegenseitiges Verständnis und spricht damit den Spielern aus der Seele: „Wenn jeder auf den anderen Rücksicht nimmt, dann können doch alle gut miteinander leben“, rät Klages.
Dass es auch in Zukunft zu vereinzelten Beschwerden kommen wird, schließt er dennoch nicht aus. Das seien dann aber Einzelfälle. „Und außerdem geht jeder Hype einmal vorbei“, mutmaßt er und fügt lachend hinzu: „Man denke da nur an diese Tamagotchis damals in den 90er Jahren ...“
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