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Kleingärtner: „Noch mehr Konzerte vertreiben uns hier“

Von Birte Probst

Braunschweig. Normalerweise sitzt Günter Lietzow im Sommer immer bis spät abends in seinem Kleingarten am Madamenweg. Über die jährlich drei Open-Air-Konzerte im gegenüberliegenden Raffteichbad ärgert er sich nicht. Aber: „Mehr Konzerte halten wir nicht aus.“

Im Vorfeld der drei Open-Air-Konzerte im Raffteichbad in diesem Sommer hatte Michael Schacke, Geschäftsführer der Konzertagentur Undercover Entertainment, bei einer Pressekonferenz angekündigt: „Wir wollen nicht mehr nur drei Konzerte Ende August veranstalten, sondern optimalerweise fünf bis acht den ganzen Sommer über.“ Mittelfristig strebten er und Geschäftsführer Dirk Wink-Hartmann eine feste Bühne mit Veranstaltungs-Infrastruktur im Raffteichbad an, vergleichbar mit der Parkbühne Hannover oder der Stadtparkbühne Hamburg.
Genau darüber ärgert sich Günter Lietzow, Vorstandsmitglied des Kleingärtnervereins Raffteich: „Aus den Medien haben wir von den Plänen erfahren – warum werden wir als Anlieger des Raffteichbads nicht mit einbezogen?“
Wenige hundert Meter vom Freibad entfernt liegt die 380 Quadratmeter große Parzelle des 64-Jährigen. Jedes Wochenende im Sommer hält er sich dort mit Familie und Freunden auf, auch bei den Konzerten. „Bereits mittags beginnt der Soundcheck – die Musik ist ohrenbetäubend, und wir können dann nach Hause gehen.“ Das ginge nicht nur ihm so, sondern einem Großteil der 101 Vereins-Mitglieder.
Seit vier Jahren gibt es die Open-Air-Konzerte im Raffteichbad. Bisher beschwerten sich Lietzow und die anderen Mitglieder nicht über die „Lärmbelästigung“, wie er sagt. „Drei Konzerte haben wir zähneknirschend akzeptiert, auch wenn die Besucher, die keine Karte mehr bekommen haben, vor unseren Gärten hocken, teilweise in die Büsche machen.“
Bei mehr als drei Konzerten im Sommer will der Rentner aber nicht mitmachen. „Die Konzerte vertreiben uns hier.“ Er plädiert für eine Reduzierung der Lautstärke oder eine Schalldämmung, auch wenn er nicht weiß, ob das überhaupt funktionieren würde.
In einer Mitgliederversammlung Ende dieses Monats will Lietzow mit den anderen Mitgliedern des Kleingärtnervereins über die Raffteichbad-Veranstaltungen diskutieren. Vorher wollen sie sich mit den Verantwortlichen von Undercover Entertainment zusammensetzen und über das Problem reden. Vielleicht lasse sich so eine einvernehmliche Lösung finden, so Lietzow.
Darauf hofft auch Michael Schacke, auf Anfrage sagt er: „Ich habe volles Verständnis für jeden, der sich in seiner Privatsphäre verletzt fühlt.“ Der Geschäftsführer der Konzertagentur Undercover Entertainment hätte sich aber gewünscht, dass der Kleingärtner zunächst den direkten Kontakt zu Undercover gesucht hätte.
Auch Schacke will ein offensives Gespräch: „Wir stehen für jede Form von Dialog zur Verfügung, denn wir wollen dafür sorgen, dass Kulturveranstaltungen in Braunschweig weiter möglich sind.“ Wie viele Konzerte in den kommenden Jahren stattfinden, sei noch nicht sicher.
Jürgen Scharna, Geschäftsführer der Stadtbad Braunschweig Sport und Freizeit GmbH, zu dem das Raffteichbad gehört, bestätigt: „Seit Jahren arbeiten wir gut mit Undercover zusammen. Wir wollen den Veranstaltungs-Standort weiter entwickeln, aber es gibt noch keine konkreten Verabredungen bezüglich der Termine im nächsten Jahr.“
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