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Kleiner Piks gegen eine schwere Krankheit

Brigitte Buhr-Riehm. Foto: oh

In Berlin ist ein an Masern erkranktes Kleinkind im Krankenhaus gestorben.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 25. Februar 2015.

Zwar weist die Charité darauf hin, dass die Untersuchung des Falls gerichtsmedizinisch noch nicht abgeschlossen sei, aber das Thema „Masernimpfung“ wird dadurch erneut befeuert.

„Wir wollen eine Durchimpfungsrate von mindestens 95 Prozent“, erklärt Dr. Brigitte Buhr-Riehm, Leiterin des Gesundheitsamtes Braunschweig. Dann bestehe eine sogenannte „Herdenimmunität“, heißt, geimpfte Menschen schützen – wie ein Puffer – die Menschen ohne Impfung. Die Krankheit ist meldepflichtig, außerdem dürfen erkrankte Kinder weder Schule noch Kita besuchen. Sogenannte „Masernpartys“ – organisierte Treffen, bei denen nicht gegen Masern geimpfte Kinder sich bei Kindern, die akut an Masern erkrankt sind, anstecken sollen – sind strafrechtlich relevant.

Die Weltgesundheitsorganistation (WHO) will die Masern weltweit ausrotten, durch Impfungen konnte die Zahl der Erkrankungen in der Vergangenheit stark reduziert werden, von 1980 bis 2013 um über 95 Prozent. In Regionen mit hoher Impfrate wie beispielsweise Nord- und Südamerika sind Masern bis auf wenige importierte Fälle de facto bereits ausgerottet, dort wurden im Jahr 2014 weniger als 2000 Fälle bestätigt.

Deutschland sollte spätestens 2015 als masernfrei gelten, das wird nicht klappen. In den vergangenen Jahren sind immer wieder Masern-Epidemien aufgetreten, zuletzt in Berlin mit rund 400 Krankheitsfällen. Eingeschleppte Erreger haben leichtes Spiel, wenn die Bevölkerung nicht ausreichend durchgeimpft ist.

„Die älteren Jahrgänge haben meist Masern als Kind durchlebt“, erklärt Buhr-Riehm, „sie sind lebenslang immun.“ Bei den jüngeren Menschen sieht das anders aus. „Von den 1940 Kindern, die zum vergangenen Schuljahr untersucht wurden, haben wir von 97 Prozent die Impfbücher gesehen“, erklärt die Ärztin. Davon hatte 97,4 Prozent die erste Masernimpfung, 95 Prozent auch die Zweite, die für eine sichere Immunisierung nötig ist.
„Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit“, warnt Buhr-Riehm, „bei rund 30 Prozent der Erkrankten muss mit einem schwierigen Verlauf gerechnet werden.“ Komplikationen wie Hirnhaut- oder Lungenentzündungen sind zu befürchten, immer wieder gibt es Todesfälle.

„Wir impfen Kinder erstmalig zwischen dem elften und dem 14. Lebensmonat“, erklärt Buhr-Riehm, die zweite Impfung erfolgt zwischen dem 15. und dem 23. Monat. Die gute Nachricht: Es ist nie zu spät. „Jede Impfung zählt“, appelliert die Ärztin. Besonders in den 70er-Jahren sei mit nur einem Termin geimpft worden, diese Erwachsenen sollten die zweite Impfung auf jeden Fall noch nachholen.
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