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Kinderintensivstation feiert kleines Jubiläum

Das Frühchen Valentin. Foto: Thomas Ammerpohl
 
Eine Handvoll Mensch in einem gläsernen Pflegebett: Valentin kam mehr als zwei Monate zu früh auf die Welt. Seine Mutter Olesja verbringt fast jede Minute mit ihm und weiß inzwischen: Er ist über den Berg. Foto: Thomas Ammerpohl

Vor 35 Jahren wurde im Klinikum eine eigenen Kinderintensivstation gegründet.

Von Birgit Leute, 08.01.2014.

Sie kommen weit vor dem errechneten Geburtstermin zur Welt, haben schwere Unfälle erlebt oder leiden an Tumoren: Rund 400 Kinder werden jedes Jahr im Klinikum Braunschweig auf der Kinderintensivstation behandelt.

Dass die kleinen Patienten heute eine wirkliche Überlebenschance haben, ist nur den Fortschritten in der Kinderintensivmedizin zu verdanken.. Auch der kleine Valentin (Foto), der mehr als zwei Monate zu früh geboren wurde, verdankt der Technik und den Fachärzten sein Leben.

Vom Monitor kommt ein leises, regelmäßiges Piepen: Der Herzschlag von Valentin. Gerade zweieinhalb Wochen ist das Frühchen alt. Auf der Kinderintensivstation stehen Ärzte und Pfleger 24 Stunden am Tag für ihn bereit.
„Die Technik und das Wissen um die Versorgung von Säuglingen haben seit den 70er Jahren einen Riesensprung gemacht“, ordnet Professor Hans Georg Koch, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, ein. Vor der Einführung von eigenen Intensivstationen wurden beatmete Kinder je nach Alter auf anderen Stationen betreut. Das Resultat: Vor allem Frühgeborene starben in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern viel häufiger. „Das Wichtigste bei Frühgeborenen ist die richtige Beatmung, außerdem die Behandlung von Infektionen – bei Neugeborenen zählt da jede Stunde“, betont Koch.

In Braunschweig engagierte sich vor allem Professor Johannes Oehme für die Einrichtung einer Intensivstation. Der Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin – damals noch in der Holwedestraße – holte sich dafür eigens einen Fachmann aus Berlin ins Haus: Den Kinderintesivmediziner Dr. Herbert Boenisch. „Der Knackpunkt war, wie so oft, das Geld: Die Städte mussten erst davon überzeugt werden, in diesen Bereich zu investieren, denn oft wurden Kinderkrankenhäuser von Stiftungen betrieben“, erinnert sich Koch.
1979 wurde in Braunschweig schließlich eine entsprechende Station, eine der ersten in Niedersachsen, eingerichtet. 400 kleine Patienten werden hier jedes Jahr versorgt. Mit dem Umzug von der Holwede- in die Celler Straße und damit direkt neben die Frauenklinik, sind Kinder und Mütter auch nicht mehr getrennt. Für Olesja K., Mutter des kleinen Valentin, eine Riesenerleichterung. „Ich konnte immer in Kontakt bleiben, lernte die Pieptöne am Monitor zu unterscheiden und weiß jetzt, wann ich mir Sorgen machen muss und wann nicht.“ Dank des Einsatzes der Ärzte muss sich die 24-Jährige keine mehr machen. Noch liegt Valentin als kleine Handvoll Mensch im gläsernen Brutkasten, doch das Frühchen, das zusammen mit seinem Zwillingsbruder achteinhalb Wochen vor dem errechneten Geburtstermin geholt wurde, ist über den Berg.

Über den Berg ist auch Hans, der drei Monate zu früh auf die Welt kam und vier Tage nach der Geburt noch einen Lungenriss bekam. Heute löffelt der kleine Junge von Alexa von Busse zufrieden seinen Brei, doch es ist noch nicht lange her, da kämpfte Hans um sein Leben. „Es gab eine Zeit, da habe ich nur von Tag zu Tag gelebt“, erinnert sich von Busse und ist dankbar. „Die Ärzte und die Medizin haben ihn gerettet.“

Info:
Auf der Kinderintensivstation des Klinikums Braunschweigs mit der Versorgungsstufe Level 1 werden jährlich rund 400 Patienten, vorwiegend Neugeborene, behandelt.
Es stehen zwei Kinderintensivbetten und zehn Frühgeborenenintensivbetten zur Verfügung. Außerdem werden fünf IMC (Inter-Mediate-Care)-Betten vorgehalten.
Level 1 ist die höchste Versorgungsstufe und erlaubt auch die Versorgung von extremen Frühgeborenen (weniger als 1250 Gramm).
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