Anzeige

Keine Scham über eigene Not

Die Braunschweiger Sozialdezernentin Dr. Andrea Hanke in ungewohnter Rolle: Beim Weihnachtsessen für Bedürftige servierte sie das Essen.

Genossenschaften und Steigenberger Hotel luden sozial Schwache zum Weihnachtsmenü.

Von Birgit Leute, 14.12.2016.

Braunschweig. Voll konzentriert balanciert Sozialdezernentin Dr. Andrea Hanke zwei Teller mit Rindsgulasch durch den Saal. Carsten Graf, Vorstandssprecher der PSD-Bank, versucht, beim Servieren der Suppe nicht zu sehr zu kleckern. Bereits zum dritten Mal erhielten bedürftige Menschen im historischen Maschinensaal des Steigenberger Hotels ein kostenloses Menü. Dafür schlüpften die Organisatoren – Vertreter der PSD-Bank, der Braunschweiger Baugenossenschaften (BBG) und der Baugenossenschaft Wiederaufbau in ungewohnte Rollen und arbeiteten drei Stunden lang als Servicekräfte.

„Bitte seien Sie gnädig mit uns – wir sind das Servieren nicht gewöhnt“, entschuldigte sich Karin Stemmer, Vorstandsmitglied der BBG, gleich zu Anfang bei den rund 240 Gästen, die über die Braunschweiger Tafel zu dem Drei-Gänge-Menü mit Geflügelsuppe, Bamberger Kesselgulasch und gedecktem Apfelkuchen eingeladen worden waren. „Die Nachfrage ist groß“, freute sich Alfred Huge, Leiter der Tafel, sichtlich. Wer dabei sein wolle, müsse sich inzwischen im „Windhund-Verfahren“ anmelden, sprich – gestern schon. „Unsere Kunden sind wahnsinnig dankbar über die Einladung und schämen sich nicht für ihre Not“, sagt Huge.

Das bestätigten auch Nina und Wilfried Kramer (Namen von der Redaktion geändert), die zum ersten Mal dabei waren und mit Genuss ihre Suppe aßen. „Das ist wirklich eine schöne Einladung.“ Alfred Huge sieht in der ungleichen Begegnung noch mehr: „Wahrscheinlich kommen Vorstandsvorsitzende und Politiker sonst selten so direkt mit Menschen in Kontakt, denen es nicht so gut geht“, hofft er auf einen bleibenden Effekt.

Dass das Engagement keine Eintagsfliege ist, bestätigt Markus Siemens, PSD Bank, der mit Carsten Graf die Aktion ursprünglich initiiert hat. „Wir werden auf jeden Fall auch im kommenden Jahr wieder ein Weihnachtsessen veranstalten.“ Die Genossenschaften haben inzwischen ein Spendenkonto für die Braunschwieger Tafel eingerichtet, „außerdem überweisen wir für jede ehrenamtlich geleistete Stunde unserer Mitarbeiter 50 Euro an die Tafel“, so Siemens.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.