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Keine Fließbandproduktion: „Spargel muss man leben“

Direkt vom Feld nimmt Olaf Puls eine Kiste frisch gestochenen Spargel in den Hofladen an der Celler Heerstraße mit. Auf dem Hof der Familie Pape in Watenbüttel wird seit rund 500 Jahren Spargel angebaut. Fotos: Korth
 
Manchmal schauen die Köpfe schon aus dem Erdwall, manchmal verrät Baga Alexandru nur ein kleiner Riss im Boden, wo es sich lohnt, nach Spargel zu stechen. Er kommt schon seit vielen Jahren aus Rumänien nach Watenbüttel.

Auf dem Hof der Papes in Watenbüttel wird Spargel schon seit Jahrhunderten angebaut – Jetzt kommt die Ernte richtig in Gang.

Von Marion Korth, 21.04.2018.

Braunschweig. Liegt Watenbüttel an der Waterkant? Von Ferne sieht es fast so aus, die Sonne spiegelt sich in den folienbedeckten Feldern wie auf einer Wasserfläche. Seit Sonnenaufgang gehen Baga Alexandru und seine Kollegen zwischen den Erdwällen auf und ab. Unter der Folie spitzen weiße Spargelköpfe durch die Erde.

Gezielt setzt Baga Alexandru den Spargelstecher an, holt wenig später die Stange heraus. Präzisionsarbeit. Die Ernte kommt jetzt langsam in Gang und Olaf Puls, der mit Mareike Puls, einer geborenen Pape, den Gemüsehof Pape führt, hat alle Hände voll zu tun. Auch jetzt nimmt er wieder eine Kiste Spargel vom Feld zurück in den Hofladen. Frischer und regionaler geht es nicht.

„Schön“ findet Olaf Puls die „Folienfelder“ auch nicht, manchmal werde er darauf angesprochen, aber die Vorteile wiegen schwerer: Unter der Folie bleiben die Spargelköpfe weiß, wie der Kunde es wünscht, die Abdeckung unterdrückt Unkrautwuchs, sogar die Temperatur im Erdwall kann der Landwirt ein wenig steuern, je nachdem ob die weiße, reflektierende oder die dunkle, Wärme aufnehmende Seite oben liegt. Zudem schützt die Folie den Wall vor Verdichtung bei Schlagregen, und hieß es früher bei starkem Wind oft „Veltenhof ist unterwegs“, so verhindert die Folie heute Erosion und den Windabtrag des sandigen Erdreichs. Die Plastikfolien sind kein Wegwerfmaterial, bis zu zehn Jahren werden sie wieder und wieder benutzt.
Viel Mühe und Handarbeit steckt in einem Kilo Spargel. „Das ist keine Produktion am Fließband“, betont Puls. Seine Familie baut die Spezialität nicht allein um des Broterwerbs an. „Spargel muss man leben“, sagt Olaf Puls schlicht. Er muss sich förmlich in die Pflanze hineindenken, abschätzen, wie sich die Temperaturen auf das Wachstum auswirken, den Ernterhythmus festlegen. Wann soll wieder gestochen werden? In 18 oder lieber schon in zwölf Stunden? Wenn die Temperaturen steigen wie jetzt und bis an die 30 Grad heranreichen, verdoppelt sich in kürzester Zeit die Erntemenge. „Aber wir haben deshalb nicht doppelt so viele Mitarbeiter.“ Zu bewältigen sei die Arbeit nur mit einem guten Team. Seit die ersten Stangen in der vergangenen Woche gestochen worden sind, haben alle ein wenig Zeit gehabt, zusammenzuwachsen und sich auf die heiße Erntephase einzuspielen. Der Spargel gibt in den nächsten Tagen und Wochen den Takt auf dem Hof vor. Ende Juni, Anfang Juli, wenn die letzten Stangen gestochen und die Felder auf- und abgeräumt sind, „dann bin ich platt“, sagt Olaf Puls und lacht. Jetzt steht er noch ganz am Anfang der Saison, in spätestens zwei Wochen sind mit dem Spargel auch die ersten Erdbeeren in ihren Folientunneln pflückreif. Noch ist es nicht soweit.

Der Arbeitstag auf dem Feld hat um 5.30 Uhr begonnen. Spargelstechen ist eine harte Arbeit. Teilweise hat Olaf Puls schon Maschinen im Einsatz, die die Folie automatisch aufnehmen und den Wall freilegen, nicht aber in Baga Alexandrus Abschnitt, er muss die Folie selbst anheben. Ein winziger Riss in der Erdkrume ist ihm Hinweis genug. Mit den Fingern greift er daneben in den Boden – gezielt und vorsichtig zugleich. Wo eine Stange ist, drängen weitere, noch kleinere nach oben. Unbedacht angesetzt könnte das scharfe Spargelmesser großen Schaden anrichten und die Ernte der nächsten Tage zerstören. In der Tiefe fühlend, verschafft sich Baga Alexandru einen Eindruck, dann erst sticht er zu. Er ist ein sehr guter Spargelstecher und packt mittlerweile überall auf dem Hof an. Seit 2004 kommt der Rumäne regelmäßig aus einem Dorf bei Brasov (ehemals Kronstadt) nach Watenbüttel. Spargel kannte er aus seiner rumänischen Heimat bis dahin nicht. „Jedes Volk hat seine Spezialitäten“, antwortet er diplomatisch auf die Frage, ob ihm Spargel schmeckt. Dann muss er lachen und gesteht: „Fleisch ist mir lieber.“
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