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Jobfabrik auf Expansionskurs

Das Jobcenter hat im Vergleich mit anderen Jobcentern gute Arbeit geleistet. Um auch weiterhin Erfolg zu haben, wird jetzt an neuen Strategien gearbeitet. Foto: Herden

Flächendeckendes Angebot für Menschen, die Grundsicherung beantragt haben.

Von Marion Korth. 9. Februar 2014. Braunschweig. Das Ziel wurde verfehlt, trotzdem hat das Jobcenter Braunschweig im Vergleich mit 28 Jobcentern bundesweit am besten abgeschnitten. „Die Latte war mit 4000 erfolgreichen Vermittlungen sehr hoch gesteckt“, sagte Harald Eitge, Chef der Agentur für Arbeit. 3815 wurden erreicht. Ein gutes Ergebnis, das sich kaum steigern, vielleicht halten lässt – mit neuen Ideen und Instrumenten.

Besonders erfolgreich war das Jobcenter bei der Integration Alleinerziehender. Auch zeigte sich, dass die Bemühungen, Menschen wieder in Arbeit zu bringen, langfristig Erfolg zeigten. Das gute Abschneiden des Jobcenters Braunschweig im Vergleich mit anderen sei ein „schönes Lob“, sagte Hermann Gwiasda, stellvertretender Leiter des Jobcenters, aber: „Wir sind keine Sportler, es geht um Menschen und um soziale Verantwortung.“
Der gemeinsame Rück- und Ausblick am Mittwoch zeigte: Die Zahl der Arbeitslosen und damit die der Hartz-IV-Leistungsempfänger und die Zahl der Bedarfsgemeinschaften sinken immer weiter, gleichzeitig aber steigen die Ansprüche an die Mitarbeiter im Jobcenter. Wer gut qualifiziert, motiviert und flexibel ist, der hat gute Chancen, bald wieder einen Job zu finden. Je schneller desto besser, denn Langzeitarbeitslosigkeit wird an sich zu einem Makel. Und Langzeitarbeitslosigkeit macht krank oder einsam oder beides. Die Folge ist: „Die Kunden werden schwieriger.“ Sie trauen sich weniger zu, haben Schulden oder familiäre Probleme. Aber sie haben auch Stärken, von denen sie oft selbst nichts wissen. Diese herauszuarbeiten, wird mehr und mehr die Aufgabe der mehr als 100 Jobvermittler. In internen Trainingsmaßnahmen werden sie darauf vertiefend geschult. „Wir verfolgen einen umgekehrten Ansatz und gucken nicht mehr, was die Betriebe brauchen, sondern was die Menschen können, und in welchen Betrieb sie damit passen“, erläutert Eitge.
Mit der Schulung geht eine Neustrukturierung innerhalb des Jobcenters einher. Von hier werden die Mitarbeiter abgezogen, die vom 1. Oktober an in zwei weiteren Jobfabriken flächendeckend fürs gesamte Stadtgebiet Menschen, die im Jobcenter einen Antrag auf Grundsicherung stellen, bei ihrer Rückkehr auf den Arbeitsmarkt begleiten und motivieren sollen.
Die erste Jobfabrik, die im Dezember 2012 im Westen der Stadt am Madamenweg eröffnet worden ist, hat gute Arbeit geleistet. Mehr als 30 Prozent fanden noch während der Maßnahme einen Job, weitere mehr als 50 Prozent in den drei Monaten danach. Derzeit werden noch geeignete Räume gesucht, die aber wohl weniger in bestimmten Vierteln als vielmehr innenstadtnah und mit öffentlichen Verkehrsmitteln in gut erreichbaren Lagen angesiedelt werden sollen.
Alle regionalen Bemühungen, mögen sie auch erfolgreich sein, stoßen jedoch an ihre Grenzen. „Wir werden mehr öffentliche Arbeit einfordern müssen“, betonte Sozialdezernent Ulrich Markurth. Rund 2500 bis 3000 Menschen bräuchten nicht eine Maßnahme nach der anderen, sondern eine dauerhafte Beschäftigung, in der sie im Rahmen ihrer Möglichkeit für einige Stunden tätig sein können. Markurth machte deutlich, dass es ohne Hilfe des Bundes keine städtischen Beschäftigungsbetriebe geben wird. Ideen, welche Aufgaben ergänzend erfüllt werden könnten, gebe es genug, zum Beispiel die Grünflächenpflege.

ZAHLEN

Arbeitslosenquote im Rechtskreis SGB II: 5,7 Prozent (Stand Januar 2013 (gesamt 7,6 Prozent) gesunken bis Dezember 2013 auf 5,1 Prozent (gesamt 6,9 Prozent)).
Zahl Leistungsempfänger: 20 736 (Stand Dezember 2013), minus 661 Personen (3,09 Prozent) seit Jahresbeginn.
Kommunale Leistungen (zum Beispiel für Unterkunft und Heizung): rund 53,166 Millionen Euro (54,056 Millionen Euro Dezember 2012).
Positionsbestimmung im Vergleich von 28 Jobcentern: Das Jobcenter Braunschweig erreichte jeweils Platz eins bei der Veränderung (Rückgang) der Summe der Leistungen zum Unterhalt, der Leistungen für Unterkunft und Heizung, der Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten.
Bei der Verbesserung der Integration in Erwerbstätigkeit, was die Nachhaltigkeit betrifft, und die Integration Alleinerziehender sowie beim Rückgang der Zahl der Langzeitleistungsbezieher.
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