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„Joachim Hempel und der liebe Gott“ – Gedanken zum Abschied

Joachim Hempel, seine Frau Gisela und Bürgermeisterin Friederike Harlfinger lauschen den Worten von Oberlandeskirchenrat Thomas Hofer. Foto: Thomas Ammerpohl

Kurz vor dem Ruhestand: Posaunenchor der Propstei hatte zur Serenade eingeladen.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 15.06.2014.

Braunschweig. „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“, zum Abschied von Joachim Hempel spielte der Posaunenchor der Propstei Lieblingslieder seines Ehrenmitgliedes. In der Klosterkirche in Riddagshausen gab es gestern viel Musik und gute Worte.

„Du lebst ja noch – Gott sei Dank“, sagte Oberlandeskirchenrat Thomas Hofer, deshalb werde er auch keinen Nachruf halten. Nur „ein paar Schlagworte“, kündigte er vor fast 1000 Freunden und Wegbegleitern an.
„Joachim Hempel und der liebe Gott“ titelte Hofer seine launige Rede, und der liebe Gott habe sicher Freude an so einem fröhlichen Christenmenschen wie Hempel, ist Hofer ziemlich sicher.
„Freimut ist für mich das wichtigste Schlaglicht in Bezug auf dich“, sagte Hofer. Er erinnerte an die altgriechische Idee von „Parrhesia“. Diese bezeichne das Recht und die Pflicht, offen zu sprechen, sagte Hofer und fügte an, „dass man ab und zu auch mal die humanistische Bildung durchblitzen lassen muss.“
Hempels Freimut habe Geschwister, setzte Hofer fort, und sprach von einer großen Menschenfreundlichkeit gegenüber anderen Lebensentwürfen, Glaubensrichtungen und Kulturen, von Neugier und Geduld, von Pflicht und Neigung. „Er könnte es leichter haben, wenn er seinen Terminkalender ausdünnen würde“, erzählte Hofer aus dem umtriebigen Alltagsleben des Dompredigers. Aber das sei nicht der Weg von Hempel, im Gegenteil, Hempel sei ein „Menschenfischer, der bei jeder Begegnung hoffe, ein paar Kinder Gottes könnten ihm gerade hier und jetzt ins Netz gehen.“ Das „robuste Grundgerüst einer urbraunschweigischen Seele“ gebe ihm offensichtlich die Kraft, diesen Weg so zu gehen.
Der so gelobte Domprediger bedankte sich sehr. Ende Juni geht er aus Altersgründen in den Ruhestand, schon seit Monaten verabschiede er sich „häppchenweise.“ An diesem Tag also in Riddagshausen, wo er 1976 seinen Dienst als Pfarrer an der Klosterkirche antrat. Hempel bedankte sich bei vielen Menschen, ganz besonders liebevoll sprach er zu seiner Frau Gisela, die seine kritischste Predigthörerin sei. „Eine Frau mit weitem Horizont, intelligent und klug“, sagte er.
Und er bedankte sich auch ganz besonders bei Jürgen Schwanke, dem Leiter des Posaunenensembles, der ihm seit seinen Anfangsjahren in Riddagshausen ans Herz gewachsen sei. „Damals war die Kirche bereits restauriert“, blickte Hempel zurück, „aber es gab noch keine Orgel.“ Also sorgten die Bläser für die Musik. „Wer möchte bei so einem Posaunenchor nicht Ehrenmitglied sein?“, fragte Hempel.
Die so gelobten Bläser spielten eine eindrucksvolle Serenade für ihr Ehrenmitglied: „Sentimental Journey“, „When I’m Sixty-Four“, oder der „Berner Marsch“, das Repertoire für diesen Spätnachmittag in der Klosterkirche war beschwingt. Ebenso die anschließende Feier – der Regen hatte nachgelassen und die Menschen konnten sich im Klostergarten noch persönlich von Joachim Hempel verabschieden.
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