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Jeder Zug braucht eine Lokomotive

Mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik ausgezeichnet: Franz Matthies

Von Martina Jurk

Braunschweig. Bei fast allen großen Sportveranstaltungen trifft man ihn: Franz Matthies. Der Lebensrhythmus des 67-Jährigen wird seit fast vier Jahrzehnten vom Sport bestimmt. Und dass soviel Sport in Braunschweig stattfindet, ist auch ihm zu verdanken. Dafür wurde Franz Matthies am Freitag mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik ausgezeichnet.

Als „Retter“ oder „Feuerwehr“ ist er schon bezeichnet worden. Wenns bei einem Verein mal brennt, handelt Franz Matthies. Den Braunschweiger Tanz-Sport-Club gäbe es sonst vielleicht gar nicht mehr, zumindest keine A-Standardformation, die vielfach Welt-, Europa- und Deutscher Meister geworden ist. Auch Bundesliga-Basketball würde wohl kaum noch in Braunschweig gespielt werden. Nach außen lässt sich der gebürtige Braunschweiger kaum Emotionen anmerken. Immer korrekt, nie um eine Antwort verlegen. Aber wer ihn kennt, weiß, wann es ihm nicht gut geht. Eben dann, wenn die sportlichen Aushängeschilder Braunschweigs schwächeln – sowohl finanziell als auch leistungsmäßig.
Seit 1983 ist Franz Matthies Präsidiumsmitglied und seit 1990 Präsident des Stadtsportbundes, der Dachorganisation der 215 Sportvereine und 25 Sportfachverbände mit rund 60 000 Mitgliedern in Braunschweig. Dass er bis vor zwei Jahren neben einer 30stündigen ehrenamtlichen Tätigkeit noch einen „richtigen Job“ machte, ist kaum vorstellbar. „Ich kann nie nein sagen“, gesteht Matthies. „Aber vor allem gab und gibt es Menschen, „mit denen ich hervorragend zusammengearbeitet habe.“ Seine andere, berufliche Karriere begann 1971 als stellvertretender Gemeindedirektor in Wenden. „Wenden war der Aufhänger für viele Dinge in meinem Leben.“ Natürlich auch für den Sport. Im selben Jahr wurde Franz Matthies zum Vorsitzenden des FC Wenden gewählt. Mit dem Bau des Wendener Sportzentrums war die Grundlage für den sportlichen Aufschwung des Vereins gelegt. Die Mitgliederzahl stieg von 400 auf 1300.
Dass der Sport gute Rahmenbedingungen hat, ein Klima, in dem Talente gedeihen können – das ist für Matthies besonders wichtig. Die Grundsteinlegung für den Bau des Heidbergbades 1990, der Umbau des Eintracht-Stadions 1994/95, die Eröffnung der Volkswagenhalle 2000 oder zuletzt der Ausbau des Freie-Turner-Stadions gehören dazu. Mit diesen Stätten wurde es erst möglich, große Meisterschaften nach Braunschweig zu holen oder in höhere Ligen aufzusteigen.
Zurück zum FC Wenden. 18 Jahre lang führte ihn Matthies. Er und seine Frau haben drei Kinder: eine Tochter, einen Sohn und den FC Wenden. Liebevoll nennt er den Verein „drittes Kind“. Alles, was Franz Matthies anfängt, hat eine lange Lebensdauer, so scheint es. Auch im Privaten. Seit 45 Jahren ist er mit seiner Heidi verheiratet. „Ich bin zufrieden mit meinem Leben“, sagt er. Auch die beiden Enkelkinder und „ein klasse Schwiegersohn“ gehören dazu.
Die Antwort auf die Frage, ob er aus heutiger Sicht etwas anders machen würde, kommt wie aus der Pistole geschossen: „Nein!“ Auch beruflich nicht. Wenden, Broitzem, Stöckheim und Volkmarode, 1974 eingemeindet, wurden Verwaltungs-außenstellen. Für 22 Bezirksgeschäfts- und Verwaltungsaußenstellen war Matthies ab 1981 als Abteilungsleiter zuständig. „Die kleinen Rathäuser vor Ort.“
Ins große Rathaus wechselte er 1992 als Fraktionsgeschäftsführer der CDU – bis vergangenes Jahr. So wie Matthies jedes wichtige Datum im Kopf hat, kommt auch diese Statistik ohne Verzögerung: 27 Tage in 48 Dienstjahren gefehlt. „Ich habe mich immer wohlgefühlt“, sagt er. Die Arbeit des Oberbürgermeisters Dr. Gert Hoffmann hautnah erlebt zu haben, sei das i-Tüpfelchen auf der Bilanz seines beruflichen Lebens gewesen. „Schön, dass ich dabei sein konnte.“
Dass sich mehr Türen für den Sport öffneten, weil Matthies im Rathaus saß, mag sein. „Ich habe meine Dienststellung nie für das Ehrenamt missbraucht. Doch jeder Zug braucht eine Lok“, meint er. Und die dampft. Dass der Stadtsportbund im Januar 2001 die Verantwortung für den Spitzenbasketball in Braunschweig übernommen hat, ist bislang als Rettungsaktion in Deutschland einmalig.
Das war nur mit hohem persönlichen Einsatz möglich. Ebenso, dass für das Sorgenkind „Rote Wiese“ wieder Nutzer gefunden wurden. Die Footballer der Braunschweig Lions konnten nach jahrelangem Vagabundenleben und der Androhung, abzuwandern, an ihre alte Vereinsheimstatt zurückkehren.
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