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In vier Monaten zum Schwimmer

Präsentieren nach bestandener Prüfung stolz ihr Seepferdchen: (hinten von links) Helfer Matthias Stechert und Prüfer Oliver Nieden; (Mitte von links) Trainerin Svenja Pruns, Asif Azizi, Farhad Ghorbani Fahrang, Awaz Khalifa, Suhail Ahmad, Walid Hemer und Helfer Hendrik Heß; (kniend von links) Armand Mehrang und Oues Al Kurdi. Fotos (3): André Pause

Ehrenamtliche Helfer haben mit Geflüchteten für das Seepferdchen trainiert.

Von Andreas Konrad, 17.12.2016.

Braunschweig. Daran, dass seine Zukunft aus seiner Sicht in Deutschland liegt, lässt Arman Mehrang keinen Zweifel.

Überall, wo es geht, engagiert er sich, erst vor zwei Wochen hat er seinen B1-Spachkurs bestanden, der ihm bescheinigt, sich im Alltag mit der Sprache zurechtfinden zu können, und am Dienstagabend machte er gewissermaßen als nächsten Schritt der Integration sein erstes Sportabzeichen in Deutschland: Das Seepferdchen. Abschluss eines Schwimmkurses für zwölf Geflüchtete.

Ein Sprung vom Beckenrand, 25 Meter Schwimmen und das Heraufholen eines Gegenstandes mit den Händen aus schultertiefem Wasser sind die Anforderungen für das Schwimmabzeichen. Für Arman, der aus dem Iran über die Türkei und Griechenland vor elf Monaten nach Deutschland kam, keine große Herausforderung, weil er bereits in seiner Heimat erste Schwimmerfahrungen gesammelt hatte. Das sei aber eher die Ausnahme, bestätigt Svenja Pruns. Die Studentin ist ausgebildete Rettungsschwimmerin und eine von insgesamt sieben ehrenamtlichen Helfern, die den zwischen 17 und 30 Jahre alten Geflüchteten das Schwimmen beibrachte. Vier Monate lang sind die Männer aus Afghanistan, Syrien und dem Iran dafür einmal wöchentlich von ihrer Unterkunft in der Saarbrückener Straße in das Schwimmbad des Landesbildungszentrums für Hörgeschädigte in die Charlottenhöhe gefahren.

Organisiert hat den Schwimmkurs die Freiwilligenagentur Jugend-Soziales-Sport. „Die Geflüchteten haben gezielt bei uns nachgefragt“, berichtet Oliver Ding von der Freiwilligenagentur. „Es hat sich unter ihnen herumgesprochen, dass wir auch in anderen Angelegenheiten schon behilflich gewesen sind. Als dann auch noch Svenja mit dem Wunsch, helfen zu wollen, zu uns kam, war die Sache perfekt.“
Der Kurs sei eine Ergänzung für vergleichbare Angebote von Sportvereinen, mit denen man intensiv zusammenarbeite, so Ding weiter. Da ließ es sich der Abteilungsleiter Schwimmen des Polizeisportvereins, Oliver Nieden, auch nicht nehmen, selbst die Prüfung abzunehmen. Von den ursprünglich zwölf Teilnehmern traten acht an, sieben davon erlangten am Ende das Seepferdchen. Da es aber sicher noch weitere Kurse dieser Art geben wird, wie Pruns und Ding in Aussicht stellen, werden alle eine zweite Chance erhalten.

Arman Mehrang indes hat in seiner neuen Heimat schon viele Chancen genutzt. Welche Pläne hat er jetzt? „Ich möchte auf jeden Fall im Schwimmen noch besser werden und vielleicht studieren oder arbeiten“, sagt der 27-Jährige.
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