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„In meiner Familie spenden sie alle“

Im Institut für Klinische Transfusionsmedizin im Klinikum werden Thrombozytenpräparate hergestellt – Bedarf steigt.

Von Martina Jurk, 17.10.2010.

Braunschweig. Silke Barsch ist im Institut für Klinische Transfusionsmedizin im Klinikum Dauergast. Die 42-Jährige spendet Thrombozyten – Blutplättchen, die für die Blutgerinnung zuständig sind. Sie hilft damit Menschen, die ohne diese Präparate nicht überleben könnten.

Das Institut führt seit März 2004 als einziges Krankenhaus in Braunschweig die maschinelle Blutplättchenentnahme durch. Seitdem ist Silke Barsch dabei. Blut spendet sie bereits seit ihrem 18. Lebensjahr. „Ich kenne das nicht anders. In meiner Familie spenden alle schon immer“, sagt sie. Alle drei Wochen unterzieht sie sich dieser Prozedur, die bis zu 90 Minuten dauern kann. Da sie sich einer beneidenswerten Gesundheit erfreut, ist sie prädestiniert für die Spende.
„Gesund und erreichbar“, betont Oberärztin Dr. Bettina Biermann und nennt damit die Grundvoraussetzungen für Thrombozytenspender. Erreichbar deshalb, weil die Blutpräparate nur begrenzt haltbar sind. Die räumliche Nähe von Herstellung und Anwendung ist also von Vorteil. Die Spender müssen zwischen 18 und 60 Jahre alt sein und dürfen dauerhaft keine Medikamente einnehmen (bestimmte Hormonpräparate wie die Pille sind ausgenommen). „Schmerzmittel hemmen die Blutgerinnung“, erklärt Dr. Biermann den Hintergrund.
Im Klinikum erhalten in erster Linie Krebspatienten Thrombozyten, weil diese nach Chemotherapien oder Knochenmarktransplantationen nicht in ausreichender Menge nachgebildet werden können. Gleiches gilt auch für Patienten, die bei Operationen oder Unfällen viel Blut verloren haben. Silke Barsch ist überzeugte Spenderin. Sie möchte anderen Menschen etwas von ihrer Gesundheit abgeben. „Der Bedarf an Thrombozytenkonzentraten ist im Klinikum größer als Präparate vorhanden sind. Und der Bedarf wird noch steigen. Deshalb brauchen wir dringend mehr Spender“, betont Dr. Bettina Biermann. Das liege zum einen daran, dass die Menschen immer älter werden, und dass es demzufolge immer mehr Krebspatienten gibt. Zum anderen sei mit der Lage an der Autobahn 2 Braunschweig Unfallschwerpunkt. Ein Drittel des Bedarfs stellt das Klinikum mit Hilfe der Spenden selbst her, zwei Drittel müssen eingekauft werden. Ein Thrombozytenpräparat (rund 220 Milliliter) kostet durchschnittlich 600 Euro.
Bis zu 24 Thrombozytenspender kommen in der Woche ins Institut für Klinische Transfusionsmedizin. Derzeit stehen vier Spendeplätze zur Verfügung. Eine Maschine trennt das Blut des Spenders und sammelt die Plättchen. Die anderen Bestandteile wie rote Blutkörperchen werden dem Spender wieder zugeführt. Das wird mehrfach wiederholt. Wie bereits erwähnt, kann das bis zu 90 Minuten dauern. „Die Zeit vertreibt man sich mit Lesen oder Fernsehen, oder man unterhält sich mit den anderen Spendern, lernt sich kennen“, erzählt Silke Barsch frisch und fröhlich. Sie habe nach einer Spende noch nie Nebenwirkungen verspürt oder Kreislaufprobleme gehabt, meint sie weiter.
Für Dr. Bettina Biermann haben die Qualität der Präparate und der Spenderschutz oberste Priorität. Ehrlichkeit der Spender in Bezug auf Erkrankungen, Infektionen, Medikamenteneinnahme, Reisen in Malariagebiete setzt sie voraus.
Dass die Räume und die Geräte einwandfrei funktionieren, darüber wacht das Gewerbeaufsichtsamt. „Bei den Spendern selbst wird das Blutbild ständig überprüft. Nach zehn Spenden untersucht ein Arzt den Spender“, erklärt die Oberärztin. Die Gefahr einer Infektionsübertragung bestehe nicht, da Schläuche und Beutel nach jeder Spende komplett ausgetauscht würden.
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