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In der Hochstraße sind die letzten Glutnester gelöscht

Einsatzleiter Frank Hermanns hat heute mit seinen Männern die letzten Glutnester im Brandhaus an der Hochstraße gelöscht. (Foto: Obi-Preuß)
 
Ein Brand in diesem Haus an der Hochstraße hielt die Feuerwehr in Atem. Noch ist unklar, wo zwei der Bewohner jetzt sind. Die Polizei ermittelt die Brandursache. (Foto: Obi-Preuß)
Braunschweig: Hochstraße 21 | Nach Brand in der Hochstraße:  Zwei Menschen werden noch vermisst. Für die Feuerwehr ist der Einsatz beendet, jetzt ermittelt die Polizei.  Samstag, 20. Januar 2017. Von Ingeborg Obi-Preuß. "Für uns ist der Einsatz hier beendet", sagte Feuerwehreinsatzleiter Frank Hermanns am heutigen Samstag vor dem Haus in der Hochstraße. Am Freitagnachmittag gegen 14.53 Uhr erreichen ca. 20 Notrufe die Feuerwehrleitstelle. Gemeldet wurde ein explosionsartiger Knall und Feuerschein aus mehreren Geschossen in der Hochstraße. Ebenfalls wurden noch Personen in den Wohnungen vermutet. Am heutigen Samstag war die Feuerwehr erneut im Einsatz. "Wir haben letzte Glutnester gelöscht", sagte Hermanns. 
Noch immer gelten zwei Menschen als vermisst, aber es sieht immer mehr danach aus, als ob das Haus bei Brandausbruch völlig leer gewesen ist. Offensichtlich gab es ein Kommen und Gehen unter den Bewohnern, sodass die genaue  Zahl der Bewohner des Hauses nicht ganz klar ist. 
Der Brandgutachter hat heute das Haus in Augenschein genommen. "Danach steht das Gebäude   stabil", erklärte Hermanns, "es gibt nicht die Gefahr, dass beispielsweise die Fassade zusammenbrechen könnte." Dennoch bleibt eine Absperrung rund um das Haus bestehen, denn der Wind könnte Ziegel vom Dach wehen." Allerdings kann das Haus auch von der Feuerwehr nicht betreten werden. "Die Lehmdecken sind runtergebrochen, es liegt hoher Schutt auf den Böden, die einstürzen können." Theoretisch könnten unter diesem Schutt auch die beiden vermissten Bewohner verschüttet sein. 
Die Leitstelle alarmierte nach dem Notruf am Freitag nach dem Stichwort „Feuer zwei, Menschenleben in Gefahr“. Unmittelbar darauf rückten ein Löschzug, ein weiterer Führungsdienst, die Ortsfeuerwehr Innenstadt sowie der Rettungsdienst aus. Während der Anfahrt zur Einsatzstelle erfolgten weitere Notrufe. Die Situation klang mittlerweile noch dramatischer. Aus diesem Grund wurde das Alarmstichwort vor dem Eintreffen der ersten Kräfte erhöht. Nunmehr waren beide Löschzüge der Berufsfeuerwehr alarmiert.
Nach wenigen Minuten erreichten die Einsatzkräfte das dreigeschossige Mehrfamilienhaus. Die Straße hüllte sich in dichten Rauch. Besonders imposant war die Innenhofseite. Hier schlugen die Flammen mittlerweile aus sämtlichen Fenstern aller Geschosse. Aufgrund der komplexen Einsatzlage, den möglicherweise vermissten Bewohnern und der gefährdeten Nachbarhäuser erhöhte der Einsatzleitdienst nochmals die Alarmstufe auf das Stichwort „Feuer fünf“ und zeitgleich die höchste definierte Alarmstufe für Brandeinsätze in Braunschweig. Die weiteren drei Löschzuge kamen von der Freiwilligen Feuerwehr. Ebenfalls wurden dienstfreie Führungskräfte der Berufsfeuerwehr einbestellt.
An der Einsatzstelle starteten zeitgleich die ersten Feuerwehrkräfte mit dem Innenangriff. Der Einsatzbefehl lautete Menschenrettung! Große Probleme bereitete den Angriffstrupps die alte Bauweise des Mehrfamilienhauses. Es handelte sich hierbei um ein Fachwerkhaus mit Lehmbalkendecken. Die Menschenrettung der oberen Geschosse konnte zudem nicht mehr über die Holztreppe erfolgen. Diese war mittlerweile durchgebrannt. Der Totalverlust des ersten Rettungswegs ist eine der gefährlichsten Situationen im Brandobjekt, so ein Sprecher der Feuerwehr.
Die weitere Brandbekämpfung erfolgte von außen. Das Absuchen der oberen Geschosse war zudem nur über Leitern möglich. Zudem lösten sich bereits Teile der Decke. Während der Maßnahmen meldete sich der Bewohner des Erdgeschosses bei den Einsatzkräften. Er war glücklicherweise in der Stadt unterwegs und galt nunmehr nicht mehr als vermisst. Weiterhin lagen Hinweise vor, dass die oberen Geschosse nur zeitweise bewohnt wurden.
Die bereitstehenden Rettungsdienstkräfte kamen dennoch zum Einsatz. Ohne Zusammenhang zum primären Auftrag kollabierte eine Person in der Nachbarschaft der Einsatzstelle. Kein Puls, keine Atmung und super schnelle Hilfe, so das Resümee des Feuerwehrsprechers. Der Patient konnte erfolgreich an der Einsatzstelle reanimiert und im Anschluss ins Krankenhaus gebracht werden.
Die Polizei sperrte angrenzende Straßen. Zudem informierte sie die Bevölkerung über den Brandrauch und forderte zum Schließen der Fenster auf. Die Brandursache wird aktuell von der Kriminalpolizei ermittelt. Der nunmehr obdachlos gewordene Bewohner der Erdgeschosswohnung wurde durch die Feuerwehr in einer Notunterkunft untergebracht. 
In dem Großeinsatz waren etwa 200 Einsatzkräfte gebunden. Gleichzeitig mussten die beiden Feuerwachen mit Freiwilligen Feuerwehrkräften besetzt werden. Und auch diese kamen zum Einsatz. Es wurden parallel diverse Gefahren über Notruf 112 durch umgestürzte Bäume gemeldet. Auch musste ein Löschzug ein weiteres Mehrfamilienhaus in der Innenstadt überprüfen. Hier wurde eine angebohrte Gasleitung gemeldet. Zum Glück ein Fehleinsatz.
Noch während der Erstellung der Pressemeldung wurden am Abend weitere Brandeinsätze gemeldet. Wieder ein „Feuer zwei, Menschenleben in Gefahr“. Dieses Mal brannte ein Zimmer am Frankfurter Platz aus. Der Wohnungsbesitzer konnte sich glücklicherweise selbst in Sicherheit bringen. Das Feuer wurde durch den Angriffstrupp schnell gelöscht.
Für etwas Schmunzeln sorgte zum Abschluss ein Kassenautomat in einem Restaurant in der Güldenstraße. Dieser wurde als ausgelöster Rauchmelder interpretiert und über Notruf der Feuerwehr gemeldet. Auch bei diesem Einsatz musste wieder die Wachbesetzung der Freiwilligen Feuerwehr aushelfen. Die Berufsfeuerwehr war zum Teil noch an der Einsatzstelle Frankfurter Platz beschäftigt.
An zwei Tagen in Folge wurde die Freiwillige Feuerwehr samt ihren beruflichen Kollegen umfassend gefordert. Nur gemeinsam war es möglich, die großen Schadenslagen zu bewältigen und für die Sicherheit der Braunschweiger Bürger zu sorgen. 
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